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Mahlsdorf
Sonntag, Juni 13, 2021
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Mehr Selbstständigkeit für unseren Ortsteil: 14 Mahlsdorfer kämpften gegen Napoleons Besetzung

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Am 25. Januar wurde unser Mahlsdorf exakt 675 Jahre alt. Seitdem nimmt „Mahlsdorf LIVE” dieses Jubiläum immer wieder zum Anlass, über historische Ereignisse oder geschichtlich bedeutende Vorgänge aus unserem Ortsteil zu berichten. Gerade in diesen schwierigen, vom Corona-Virus bestimmten Zeiten, wollen wir so dazu beitragen, ein wenig Normalität und Ablenkung zu liefern. Dazu konnten wir die Historikerin Dr. Christa Hübner, welche als stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins wirkt uns sich seit mehr als als 20 Jahren mit der Geschichte des Bezirks Marzahn-Hellersdorf beschäftigt, gewinnen. Hier ihr aktueller Text zur Mahlsdorfer Entwicklung zwischen den Jahren 1700 und 1900. Am Ende des Textes findet Ihr Ihre vorangegangenen Artikel und eine kleine Bitte.

1676 war es endlich vorbei mit dem häufigen Wechsel des Mahlsdorfer Dorfherrn. Mit dem Kauf durch den preußischen Kurprinzen Friedrich, den nachmaligen Kurfürsten @Friedrich III. (ab 1701 König Friedrich I.) war unser Ortsteil dem kurfürstlichen, dann königlichen Amt Köpenick unterstellt und blieb bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Amtsdorf. Aus dem adligen Gut wurde ein Amtsvorwerk, das verpachtet war.

Für die Bauern und Kossäten von Mahlsdorf änderte sich nach 1676 für lange Zeit nicht viel. Wie zuvor mussten sie Abgaben in Naturalien und Geld leisten und Dienste tun. Später wurden die Dienste in einen jährlich zu zahlenden Betrag umgewandelt. Erst nachdem Preussen 1806 von Napoleon Bonaparte besiegt wurde und der französische Kaiser am 27. Oktobertriumphal durchs Brandenburger Tor nach Berlin eingezogen war, kam es zu Veränderungen auch in der preußischen Landwirtschaft. Aber zunächst wurde das stark verkleinerte Preußen besetzt und auch die Mahlsdorfer hatten unter der französischen Besetzung zu leiden. Pferde, Rinder und Schafe wurden requiriert, Kriegsfuhren mussten getätigt werden; vor allem aber drückten die hohen Kontributionszahlungen, die das Dorf nur teilweise aufbringen konnte. Mindestens 14 Mahlsdorfer Männer waren 1813 zum Landsturm eingezogen und kämpften in den „Befreiungskriegen“, die zur Beendigung der französischen Besetzung führten.

In den sieben Jahren vom Herbst 1806 und bis zum Herbst 1813 hatte sich indes schon viel getan. Der komplizierte Prozess der „Bauernbefreiung“ von oben hatte begonnen, der sich auch in Mahlsdorf über mehrere Jahrzehnte erstreckte. Ein Edikt vom 9. Oktober 1807 beseitigte die „Gutsuntertänigkeit“ und brachte den Bauern persönliche Freiheit. 1811 wurden die Dienste der Mahlsdorfer aufgehoben, freilich mussten sie diese mit erheblichen Geldmitteln „ablösen“. Zugleich erhielten die Bauern das volle Erbrecht an ihrem Land. Mehr als 30 Jahre dauerte es noch, bis sie auch ihre Abgaben ablösen konnten und stattdessen einen festen Jahreszins entrichteten. Natural- und Geldabgaben an Kirche, Pfarrer und Küster waren noch bis 1875 fällig. 1849 war für Mahlsdorf ein Vertrag über die Separation des Ackers abgeschlossen worden, wodurch die Bauern anstatt mehrerer verstreut liegender Stücke zusammenhängendes Land entsprechend der Größe ihres Hufenbesitzes erhielten. Das schuf die Voraussetzung, die inzwischen veraltete Dreifelderwirtschaft abzuschaffen und ebnete den Weg für moderne Wirtschaftsmethoden auch auf dem Lande.

Auf kommunaler Ebene kam es ab den 1870er-Jahren zu raschen und durchgreifenden Veränderungen. Mit der preußischen Kreisordnung von 1872 wurden die Landgemeinden selbständig. Bis dahin hatte seit 1811 Mahlsdorf wie auch Biesdorf und Marzahn zum königlichen Amt Mühlenhof gehört. Die Gemeinden durften fortan ihre Vorsteher und Schöffen selbst wählen und erhielten größere Befugnisse. Ab 1874 bildete Mahlsdorf gemeinsam mit Biesdorf und Kaulsdorf den neu geschaffenen Amtsbezirk Biesdorf. 1891 wurde Heinrich Dubick der erste gewählte Gemeindevorsteher, ab 1907 war das Amt sogar besoldet. 1911 leistete sich die ständig wachsende Gemeinde an der Ecke Rahnsdorfer Straße/heutiger Hultschiner Damm ein eigenes Rathaus, das im Zweiten Weltkrieg leider zerstört wurde (die genaue Geschichte des Rathauses findet Ihr unten im Link). Der bis dahin eigenständige Gutsbezirk Mahlsdorf wurde im folgenden Jahr in die Gemeinde eingegliedert. Schon 1911 war deren Territorium größer geworden: durch die Eingemeindung des südlich gelegenen „Kiekemal“, das bis dahin zu Dahlwitz gehört hatte. Die Kolonie war 1753 im Zuge der Bevölkerungspolitik Friedrichs II. gegründet worden. Familien aus dem Württembergischen wurden dort angesiedelt. Seit der Eingemeindung entwickelt sich „Kiekemal“ als Teil von Mahlsdorf-Süd.

Vor 100 Jahren, zum 1. Oktober 1920, schlossen sich acht Städte, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke zur Stadtgemeinde „Groß-Berlin“ zusammen. Zu den beteiligten Landgemeinden zählte auch Mahlsdorf, ein logischer Schritt, waren doch in den vorhergehenden Jahrzehnten vielfältige Verbindungen von und nach Berlin entstanden.

Wir haben noch eine Bitte: Viele von Euch (bzw. Eure Familien) leben seit Jahrzehnten und sogar Jahrhunderten in Mahlsdorf. Sollten sich also alte Fotos, Karten oder Schriftstücke zu Mahlsdorf in Eurem Besitz befinden, wäre es toll, wenn wir diese veröffentlichen könnten. Schreibt uns diesbezüglich gern an hier per PN, unter MahlsdorfLive@gmail.com oder unter 01763072848.

Unsere älteren Beiträge zum Mahlsdorfer Jubiläumsjahr:
💢Die erste urkundliche Erwähnung: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/830721877352083/?d=n

💢So lebten die Menschen vor 9000 Jahren auf dem heutigen Mahlsdorfer Gebiet: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/839225906501680/?d=n

💢Das geteilte Dorf: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/849809612109976/?d=n

💢Mahlsdorf um 1600: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/871175036640100/?d=n

💢Als Schweden Mahlsdorf im Dreißigjährigen Krieg verwüsteten: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/891961701228100/?d=n

💢Das Mahlsdorfer Rathaus stand nur 32 Jahre: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/841966252894312/?d=n

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