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Mahlsdorf
Montag, März 8, 2021
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Der Dreißigjährige Krieg in Mahlsdorf: Als Schweden das Dorf verwüsteten und Kroaten die Kirche plünderten

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Am 25. Januar wurde unser Mahlsdorf exakt 675 Jahre alt. Seitdem nimmt „Mahlsdorf LIVE” dieses Jubiläum immer wieder zum Anlass, über historische Ereignisse oder geschichtlich bedeutende Vorgänge aus unserem Ortsteil zu berichten. Gerade in diesen schwierigen vom Corona-Virus bestimmten Zeiten wollen wir so dazu beitragen, ein wenig Normalität und Ablenkung zu liefern. Dazu konnten wir die Historikerin Dr. Christa Hübner, welche als stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins wirkt uns sich seit mehr als als 20 Jahren mit der Geschichte des Bezirks Marzahn-Hellersdorf beschäftigt, gewinnen. Hier ihr aktueller Text zu den . Am Ende des Textes findet Ihr Ihre vorangegangenen Artikel und eine kleine Bitte.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Mahlsdorf (1618 – 1648) mehrfach heimgesucht und verwüstet, nur ein Drittel der Bevölkerung überlebte. Zwischenzeitlich soll unser Ortsteil sogar völlig verlassen gewesen sein. Es war ein hugenottischer Offizier, dem Mahlsdorf seinen Wiederaufbau nach dem Krieg vor allem zu verdanken hat – Isaac du Plessis-Gouret, der das Dorf 1664 kaufte. Gut vierzig Jahre zuvor hatte der Krieg auch unser Territorium erfasst, als im Frühsommer des Jahres das 12.000 Mann starke protestantische Heer Graf Ernsts von Mansfeld, der in dänischen Diensten stand, auf dem Barnim auftauchte. Im November 1627 nahm das 4.000 Mann umfassende kaiserliche Heer von Torquato Conti in der hiesigen Gegend Quartier. Im folgenden Jahr fiel der kaiserliche Feldherr Albrecht von Wallenstein mit seiner Privatarmee in unser Territorium ein, in Altlandsberg und anderen nahe gelegenen Orten lagerten Truppen. Ab April 1631 waren es dann die Schweden, die den Barnim heimsuchten. Durch die wechselseitigen Durchzüge des Militärs waren die völlig ungeschützten Dörfer Brandenburgs den Schrecknissen des Krieges besonders hart ausgesetzt.
Über Informationen direkt aus der Kriegszeit verfügen wir zu Mahlsdorf bedauerlicherweise nicht, doch erfahren wir aus einem Dokument von 1690, dass der Ort „in den langen verderblichen Kriegszeiten“ wie die Nachbardörfer fast wüst und öde geworden sei, die besten Äcker seien verwildert und „dergestalt bewachsen, dass sie einer Wildnis und Heide gleich gewesen“ wären.
Das 1684 neu angelegte Kirchenrechnungsbuch teilt mit, dass Mahlsdorf von Truppen verschiedener Seiten heimgesucht wurde. Das Kirchengebäude sei mehrfach geplündert worden, sowohl von Kroaten, die auf der kaiserlichen Seite kämpften, „als auch andern fremden Völkern“.
Ein Opfer des Krieges war auch das Pfarrhaus, das nicht wieder aufgebaut wurde. Einen eigenen Pfarrer gab es nun für sehr lange Zeit nicht mehr, Mahlsdorf wurde Tochterkirche von Biesdorf. Vier Jahre, nachdem der Dreißigjährige Krieg mit dem Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück endlich beendet war, fand 1652 in Brandenburg eine erste Aufnahme des Zustandes statt, in dem sich das Land befand. In Mahlsdorf war damals weniger als ein Viertel der Höfe besetzt. Statt zwölf Bauern und 14 Kossäten gab es jeweils drei, und von diesen sechs hatte es mindestens die Hälfte aus anderen deutschen Gegenden nach Mahlsdorf verschlagen. Zwölf Jahre später, 1664, hatte sich die Situation noch mehr verschlechtert, denn es waren zwar weiterhin drei Kossäten vorhanden, aber nur noch ein einziger Bauer war ansässig.
In dieser Situation erwarb der in preußischen Diensten stehende Isaac du Plessis-Gouret (1637 – 1688) das Dorf. Rasch ging er an dessen Wiederaufbau und ließ von seinen Soldaten Häuser und Ställe errichten. Auch gelang es ihm, mehrere Bauerngüter zu besetzen. Um den Aufbauprozess zu befördern, war der Gutsherr 1673 sogar bereit, zeitweilig auf ihm zustehende Abgaben und
Dienste der Bauern und Kossäten zu verzichten. Für seinen eigenen Gutshof zog er einige wüste Kossätenhöfe ein und erbaute neue Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Mit der Erweiterung des Gutshofes schuf er die Grundlage dafür, dass später dort ein Park angelegt werden konnte, der noch heute am Hultschiner Damm besteht.
1676 verkaufte Isaac du Plessis-Gouret, 1672 zum Oberst avanciert, Mahlsdorf wieder. Der Grund dürfte darin zu suchen sein, dass er im Jahr zuvor zum Kommandanten von Magdeburg ernannt worden war. Käufer von Mahlsdorf war der preußische Kurprinz Friedrich, der nachmalige Kurfürst Friedrich III. dessen Kammerjunker Isaac du Plessis-Gouret seit 1667 war. Fortan gehörte Mahlsdorf bis ins frühe 19. Jahrhundert zum kurfürstlichen, dann königlichen Amt Köpenick.

Wir haben noch eine Bitte: Viele von Euch (bzw. Eure Familien) leben seit Jahrzehnten und sogar Jahrhunderten in Mahlsdorf. Sollten sich also alte Fotos, Karten oder Schriftstücke zu Mahlsdorf in Eurem Besitz befinden, wäre es toll, wenn wir diese veröffentlichen könnten. Schreibt uns diesbezüglich gern an hier per PN, unter MahlsdorfLive@gmail.com oder unter 01763072848.

Unsere älteren Beiträge zum Mahlsdorfer Jubiläumsjahr:
💢Die erste urkundliche Erwähnung: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/830721877352083/?d=n

💢So lebten die Menschen vor 9000 Jahren auf dem heutigen Mahlsdorfer Gebiet: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/839225906501680/?d=n

💢Das geteilte Dorf: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/849809612109976/?d=n

💢Mahlsdorf um 1600: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/871175036640100/?d=n

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