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Mahlsdorf
Sonntag, Juni 13, 2021
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Familie Schrobsdorff: Ihnen gehörte das Rittergut Mahlsdorf, sie schenkten unserem Ortsteil das Bahnhofs-Grundstück und finanzierten zum Teil den Bau des Zug-Haltes

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Am 25. Januar wurde unser Mahlsdorf exakt 675 Jahre alt. Seitdem nimmt „Mahlsdorf LIVE” dieses Jubiläum immer wieder zum Anlass, über historische Ereignisse oder geschichtlich bedeutende Vorgänge aus unserem Ortsteil zu berichten. Dazu konnten wir die Historikerin Dr. Christa Hübner, welche als stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins wirkt und sich seit mehr als 20 Jahren mit der Geschichte des Bezirks Marzahn-Hellersdorf beschäftigt, gewinnen. Hier ihr aktueller Text zu der für unseren Ortsteil sehr wichtigen Familie Schrobsdorff. Am Ende des Textes findet Ihr Ihre vorangegangenen Artikel und eine kleine Bitte.

Schon zu Lebzeiten wurde sie 1904 mit der Benennung einer Straße in Mahlsdorf-Süd geehrt – Renate Schrobsdorff, die damalige Herrin des Rittergutes Mahlsdorf und eine Nichte des Dichters Friedrich Rückert. Engagiert hatte sie sich für die Belange des Ortes eingesetzt und vor allem um einen Eisenbahnhaltepunkt für Mahlsdorf bemüht, der 1895 schließlich eröffnet werden konnte. Den Grund und Boden stellte Renate Schrobsdorff unentgeltlich zur Verfügung und übernahm ein Drittel der Baukosten.

Hervorgegangen war das Rittergut aus dem Amtsvorwerk Mahlsdorf, für das im Jahr 1811 der Berliner Kaufmann und Fabrikant Johannes Friedrich Kaapke den Zuschlag erhalten hatte. Es dauerte noch zehn Jahre, bis im Sommer 1821 der Kaufvertrag abgeschlossen war und das Gut für 36.000 Taler rechtlich an Kaapke überging. Schon 1830 verkaufte er das Rittergut wieder, in den folgenden Jahren wechselte es mehrfach den Eigentümer. 1869 erwarb der jüdische Kaufmann Hermann Lachmann das Gut, dessen Kaufpreis inzwischen auf enorme 100.000 Taler angestiegen war.
Noch im selben Jahr ließ er das um 1815 von Kaapke errichtete, traditionelle ländliche Herrenhaus in eine spätklassizistische Landvilla umbauen. An der Nordseite wurde ein zweigeschossiger Mittelrisalit mit Freitreppe angebaut, auch die Gartenseite bekam eine Freitreppe. Die Fassaden und Fenster wurden repräsentativer gestaltet. Das Gutshaus Mahlsdorf erhielt so das Aussehen, wie wir es heute kennen.

1880 kaufte Hermann Schrobsdorff, der Ehemann von Renate, das Rittergut. Zuvor war er bereits als dessen Verwalter tätig gewesen. Auf dem Gutshof ließ er einige bauliche Veränderungen vornehmen, die Freiflächen des Gutshofgeländes, zu dem auch ein Weinberg gehörte, wurden zunächst landwirtschaftlich, später vor allem als Gartenland genutzt. Auf Hermann Schrobsdorff geht die Umgestaltung des Gutsgartens in einen Landschaftspark zurück. Von 1884 bis zu seinem Tod 1892 wirkte er als Vorsteher des Amtsbezirkes Biesdorf, zu dem auch das Rittergut Mahlsdorf
gehörte und setzte sich in dieser Funktion wie auch als Privatperson für die Entwicklung des Ortes ein. Nach dem Tod ihres Mannes ging das Rittergut an Renate Schrobsdorff und ihre beiden Töchter über. Sie starb im Februar 1908 im Alter von 64 Jahren. Da die Töchter nach ihrer Heirat Mahlsdorf verlassen hatten, wurde 1909 Adolf Richter als Verwalter eingesetzt.

Damals war das Rittergut etwas mehr als 210 Hektar groß, davon ca. 25 Hektar Wiesen. Es ernährte durchschnittlich 20 Familien, die als Tagelöhner beschäftigt waren. 1912 wurde das bis dahin rechtlich selbstständige Gut in die Landgemeinde Mahlsdorf eingegliedert. 1919 verkaufte der Gutsverwalter im Auftrag der beiden Töchter von Renate und Herrmann Schrobsdorff das Rittergut an die damals noch selbstständige Stadt Lichtenberg, mit der Eingemeindung von Lichtenberg und Mahlsdorf im Herbst 1920 wurde die Reichshauptstadt Berlin Eigentümer des früheren Rittergutes. Große Teile des Geländes wurden nachfolgend parzelliert und von der im Juli 1920 gegründeten Siedlungsgenossenschaft „Lichtenberger Gartenheim“ bebaut. Das Bauland erhielten vor allem Versehrte des Ersten Weltkrieges sowie sozial schwache und kinderreiche Familien. Bis 1932 wurden über 400 Ein- und Zweifamilienhäuser errichtet, die ab 1924 der bekannte Berliner Architekt Bruno Taut projektiert hatte. Noch heute werden daher die beiden Streusiedlungen in Mahlsdorf-Nord bzw. -Mitte oft als „Tautsiedlung“ bezeichnet. Das Grab der Familie Schrobsdorff (siehe Foto) befindet sich heute auf dem Friedhod an der Alten Pfarrkirche in der Hönower Straße.

Wir haben noch eine Bitte: Viele von Euch (bzw. Eure Familien) leben seit Jahrzehnten und sogar Jahrhunderten in Mahlsdorf. Sollten sich also alte Fotos, Karten oder Schriftstücke zu Mahlsdorf in Eurem Besitz befinden, wäre es toll, wenn wir diese veröffentlichen könnten. Schreibt uns diesbezüglich gern an hier per PN, unter MahlsdorfLive@gmail.com oder unter 01763072848.

Unsere älteren Beiträge zum Mahlsdorfer Jubiläumsjahr:
💢Die erste urkundliche Erwähnung: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/830721877352083/?d=n

💢So lebten die Menschen vor 9000 Jahren auf dem heutigen Mahlsdorfer Gebiet: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/839225906501680/?d=n

💢Das geteilte Dorf: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/849809612109976/?d=n

💢Mahlsdorf um 1600: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/871175036640100/?d=n

💢Als Schweden Mahlsdorf im Dreißigjährigen Krieg verwüsteten: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/891961701228100/?d=n

💢Das Mahlsdorfer Rathaus stand nur 32 Jahre: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/841966252894312/?d=n

💢14 Mahlsdorfer kämpften gegen Napoleon Bonaparte: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/911295455961391/?d=n

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