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Donnerstag, Mai 13, 2021
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Mahlsdorf im Mittelalter: Wie das Dorf immer wieder geteilt, verzockt und verschachert wurde

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Am 25. Januar wurde unser Mahlsdorf exakt 675 Jahre alt. Seitdem nimmt die „Mahlsdorf LIVE”-Redaktion dieses Jubiläum immer wieder als Anlass, in über historische Ereignisse oder geschichtlich bedeutende Vorgänge aus unserem Ortsteil zu berichten. Dazu konnten wir mit der Historikerin Dr. Christa Hübner, welche als stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins wirkt uns sich seit mehr als als 20 Jahren mit der Geschichte des Bezirks Marzahn-Hellersdorf beschäftigt. Hier ihr aktueller Text, vorangegangene Artikel und eine kleine Bitte findet Ihr weiter unten.

💢Das geteilte Dorf
von Dr. Christa Hübner

Wie es zur Aufteilung von Mahlsdorf unter zwei Besitzern kam, ist leider nicht überliefert. Unbekannt ist auch, wann dieses für die Ortsgeschichte einschneidende Ereignis stattfand. Nur ein Dokument aus dem Sommer des Jahres 1412 teilt mit, dass Betk von Bredow aus dem seit Mitte des 13. Jahrhunderts in Brandenburg nachweisbaren Adelsgeschlecht das halbe Dorf Mahlsdorf gehörte. Mit ihm beginnt eine Zeit der besitzrechtlichen Zweiteilung des Dorfes, in der die Mahlsdorfer nicht nur mit jeweils zwei Dorfherren zurechtkommen mussten, sondern während der sie es auf der Bredowschen Hälfte auch mit mehrmals wechselnden Herren zu tun hatten. Die einzige Konstante blieben die Falkenbergs, die in Mahlsdorf das erste Mal im Landbuch Karls IV. von 1375 erwähnt wurden. Bereits zu Betk von Bredow wird zudem mitgeteilt, dass er einen zehn Hufen großen Hof im Dorf besaß. Eine solche Ausdehnung des Gutsbesitzes war nur auf Kosten der Bauern möglich. In der Folgezeit bestanden in Mahlsdorf zwei Gutshöfe, für die die Hufenbauern und die kleinbäuerlichen Kossäten Dienste leisten mussten. Mit Ausnahme der Falkenbergs dürfte keiner der Gutsherren in Mahlsdorf gelebt haben, vermutlich haben sie ihren Besitz, wenn überhaupt, nur gelegentlich selbst in Augenschein genommen.
Etwas mehr als über die meisten von ihnen ist über den Berliner Bürger Jacob Heidecke bekannt, der spätestens 1425 mit einer Dorfhälfte belehnt wurde. 1431 amtierte er erstmals als einer der beiden Bürgermeister der Stadt und wurde bis 1441 alle zwei Jahre wiedergewählt. 1448 beteiligte er sich maßgeblich am „Berliner Unwillen“, einer Machtprobe mit dem Landesherrn Kurfürst Friedrich II, die kulminierte, als die Bürger den begonnenen Schlossbau Friedrichs unter Wasser setzten. Nach der Niederlage der Berliner verlor Jacob Heidecke im Herbst 1448 seinen Besitz auch in Mahlsdorf.
Nach 1480 gelangten die Falkenbergs wieder in den Besitz des gesamten Dorfes, veräußerten eine Dorfhälfte aber später an den Berliner Bürger Jakob Grieben, wodurch Mahlsdorf wieder einmal geteilt war. Nach Jakobs Tod wurden 1539 seine fünf Söhne mit dieser Dorfhälfte belehnt, die andere Hälfte ihnen für den Zeitpunkt nach dem sich abzeichnenden Aussterben der Familie Falkenberg verschrieben. Doch die Berliner Grieben konnten sich nicht mehr allzulange ihres Mahlsdorfer Besitzes erfreuen. Joachim Grieben, der älteste Sohn eines der fünf Brüder, trieb mit seinen Finanzgeschäften, die ihm den Ruf des übelsten Spekulanten und Bankrotteurs seiner Zeit eintrugen, seine Familie mit in den Ruin. 1570 wurde ihm der Prozess gemacht, sechs Jahre später versuchte er mithilfe seines einzigen Sohnes vergeblich aus dem Gefängnis zu entfliehen. Daraufhin in der Festung Küstrin inhaftiert, erhängte sich Joachim Grieben kurz darauf, sein Sohn jedoch musste acht Jahre dort zubringen, ehe der Kurfürst ihn wieder freiließ. Durch den Bankrott der Grieben aus Berlin kam Mahlsdorf 1574 an Leipziger Verwandte, die zu den Gläubigern gezählt hatten.
Im Lehnbrief für die Brüder Grieben von 1539 sind übrigens erstmals eine Schmiede und eine Mühle in Mahlsdorf erwähnt. Der Schmied, der im Ort wohnte, war lange Zeit zugleich als sogenannter Laufschmied für Kaulsdorf tätig. Die Mühle hingegen hatte wohl wegen der Ruins der Berliner Grieben nur noch wenige Jahrzehnte Bestand.
Heute gibt es in Mahlsdorf noch zwei Erinnerungszeichen an die Familie Grieben. 1940 wurde der Griebenweg in Mahlsdorf-Nord nach ihnen benannt. Sehr viel älter und zeitgenössisch ist der Epitaph für Gertraut Grieben in der Alten Pfarrkirche in der Hönower Straße. Sie war die Ehefrau von Peter Bretzke aus Stettin und verstarb am 6. Dezember 1579. In welchem Verwandschaftsverhältnis sie zu den Berliner oder Leipziger Grieben stand konnte bisher nicht ermittelt werden.

Foto: Epitaph für Gertraut Grieben in der Alten Pfarrkirche Mahlsdorf in der Hönower Straße
Credit: Archiv Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf/Hoffmann

Wir haben aber auch noch eine Bitte: Viele von Euch (bzw. Eure Familien) leben seit Jahrzehnten und sogar Jahrhunderten in Mahlsdorf. Sollten sich also alte Fotos, Karten oder Schriftstücke zu Mahlsdorf in Eurem Besitz befinden, wäre es toll, wenn wir diese veröffentlichen könnten. Schreibt uns diesbezüglich gern an hier per PN, unter MahlsdorfLive@gmail.com oder unter 01763072848.

Unsere älteren Beiträge:
💢Die erste urkundliche Erwähnung: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/830721877352083/?d=n
💢So lebten die Menschen vor 9000 Jahren auf dem heutigen Mahlsdorfer Gebiet: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/839225906501680/?d=n

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