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Sonntag, Juni 13, 2021
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Mahlsdorf um das Jahr 1600: Als unser Ortsteil einem Mann ganz allein gehörte

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Am 25. Januar wurde unser Mahlsdorf exakt 675 Jahre alt. Seitdem nimmt die „Mahlsdorf LIVE”-Redaktion dieses Jubiläum immer wieder zum Anlass, über historische Ereignisse oder geschichtlich bedeutende Vorgänge aus unserem Ortsteil zu berichten. Gerade in diesen dramatischen und vom Corona-Virus bestimmten Zeiten wollen wir so dazu beitragen, ein wenig Normalität und Ablenkung zu liefern. Dazu konnten wir die Historikerin Dr. Christa Hübner, welche als stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins wirkt uns sich seit mehr als als 20 Jahren mit der Geschichte des Bezirks Marzahn-Hellersdorf beschäftigt, gewinnen. Hier ihr aktueller Text zu den Männern Lampert Distelmeyer, vorangegangene Artikel und eine kleine Bitte findet Ihr weiter unten.

Er gilt als der bedeutendste brandenburgische Kanzler in kurfürstlicher Zeit – Lampert Distelmeyer. Zu Ostern 1583 wurde er mit ganz Mahlsdorf belehnt. Damals war er schon ein Vierteljahrhundert im Amt und blieb es bis zu seinem Tode. Er stammte aus „kleinen Verhältnissen“ und war 1522 in LEIPZIG als Sohn eines aus dem Lüneburgischen zugewanderten Schneiders geboren worden. Den sozialen Aufstieg erreichte er durch Bildung, aber auch mit der Einheirat in eine Leipziger Senatorenfamilie. In der Nikolaikirche in der Nähe des Alexanderplatzes befindet sich ein Gedächtnisbild, das ihn zusammen mit seiner Frau und seinen acht Kindern zeigt, von denen nur sein Sohn Christian und die Töchter Caritas und Elisabeth das Erwachsenenalter erreichten.
Seit 1891 ist im heutigen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg eine Straße nach Lampert Distelmeyer benannt. Nach seinem Tod 1588 wurde der 1552 geborene Christian sein Amtsnachfolger als Kanzler. Doch fiel er zehn Jahre darauf beim neuen Kurfürsten Joachim Friedrich in Ungnade und wurde erst nach weiteren zehn Jahren vom wiederum nachfolgenden Landesherrn Johann Sigismund an den kurfürstlichen Hof zurückberufen. Anders als Paul Großmann 1912 in seiner Ortsgeschichte vermutete, lebte Christian Distelmeyer von 1598 bis 1608 nicht vorwiegend in Mahlsdorf, sondern weiterhin in Berlin-Cölln. Er war es auch, der, kurz nachdem er neuer Dorfherr geworden war, den Gutshof an das südliche Ende der westlichen Dorfseite verlegte, also etwa dorthin, wo sich heute das Gutshaus und der Park sowie das nördlich angrenzende Gelände der Firma ALBA befinden. Wo genau der Distelmeyersche Gutshof auf diesem Terrain lag, ist leider nicht bekannt. Als Dorfherr war Christian Distelmeyer auch der Kirchenpatron, und in dieser Eigenschaft schenkte er im Jahre 1600 der Kirchengemeinde eine kleine Bibliothek von elf Büchern, von denen sich zwei bis heute erhalten haben. In der Alten Pfarrkirche in der Hönower Straße existiert noch ein Steinrelief, auf dem drei Wappen zu sehen sind: die von Christian Distelmeyer, seiner Mutter Elisabeth Goldhahn und seiner Ehefrau Katharina von Lüderitz.
1612 starb Christian Distelmeyer ohne männliche Nachkommen, so dass das Dorf an die Söhne seiner beiden Schwestern vererbt wurde. Kurze Zeit darauf zahlten die Söhne von Caritas Distelmeyer, Gottfried und Johann von Kötteritzsch, ihre Cousins aus und gelangten in den Besitz von ganz Mahlsdorf. Die Kosten, die mit dem Erwerb verbunden waren, versuchten die beiden Brüder von den Dorfbewohnern wieder einzutreiben. 1614 drückten sie ihnen einen Vertrag auf, mit dem die Leistungen, die die Bauern für sie erbringen mussten, erhöht wurden. 1616 starb Gottfried von Kötteritzsch, drei Jahre später Johann. Noch zu Lebzeiten stiftete er als Patron eine Kanzel für die Dorfkirche, die aber erst im Jahr nach seinem Tode eingeweiht wurde. Sie hat wie das Steinrelief von Christian Distelmeyer alle Wirren der Zeit überstanden und befindet sich noch immer in der Alten Pfarrkirche. Zudem erinnert an die von Kötteritzsch seit 1940 ein Weg in Mahlsdorf-Nord. Und wie das zu Lampert Distelmeyer und seiner Familie gibt es in der Berliner Nikolaikirche ein Gedächtnisbild an die Eltern von Gottfried und Johann Kötteritzsch, Johann den Älteren und Caritas Distelmeyer. Die Bedeutung des Gemäldes liegt nicht in erster Linie in seinem künstlerischen Wert, sondern weil es im Hintergrund die älteste Darstellung des Kircheninneren zeigt.

Wir haben aber auch noch eine Bitte: Viele von Euch (bzw. Eure Familien) leben seit Jahrzehnten und sogar Jahrhunderten in Mahlsdorf. Sollten sich also alte Fotos, Karten oder Schriftstücke zu Mahlsdorf in Eurem Besitz befinden, wäre es toll, wenn wir diese veröffentlichen könnten. Schreibt uns diesbezüglich gern an hier per PN, unter MahlsdorfLive@gmail.com oder unter 01763072848.

Foto: Epitaph für Gertraut Grieben in der Alten Pfarrkirche Mahlsdorf in der Hönower Straße
Credit: Archiv Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf/Hoffmann

Unsere älteren Beiträge:
💢Die erste urkundliche Erwähnung: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/830721877352083/?d=n

💢So lebten die Menschen vor 9000 Jahren auf dem heutigen Mahlsdorfer Gebiet: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/839225906501680/?d=n

💢Das geteilte Dorf: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/849809612109976/?d=n

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