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Sonntag, Juni 13, 2021
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Nach 50 Jahren: Mahlsdorfer Auswanderin sucht ihre Mahlsdorfer Pflege-Mama

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Hoffen auf ein Weihnachts-Wunder! Vor 30 Jahren, in den Wirren der Wende, wanderte die damals 19-jährige Aniko aus der Donizettistraße nach Ungarn aus. Neben ihrer Heimat und der Familie ließ sie auch eine Person zurück, die ihre ersten Lebensjahre maßgeblich prägte – ihre Pflege-Mama, ebenfalls eine Mahlsdorferin. Nun will Aniko Halmai, inzwischen selbst Mutter von zwei Teenagern, die Puzzleteile ihrer Kindheit zusammenfügen. Sie will nach fünf Jahrzehnten ohne jeglichen Kontakt ihre Pflege-Mama wiederfinden. „Alles Mahlsdorf“ erzählt die Geschichte.

Aufgewachsen ist Aniko Halmai, den heutigen Nachnamen nahm sie von ihrem ungarischen Mann an, in der Donizettistraße 38. Das heute leerstehende Haus baute ihr Großvater, ein Möbelfabrikant. Eine heile Welt und Geborgenheit spürte Aniko in diesem Gebäude aber nicht. Bereits kurz nach der Geburt gab ihre Mutter, Juliane Siebert, die kleine Aniko immer öfter in die Hände einer Pflege-Mama in der Nachbarschaft. Anikos leibliche Vater, ein heißer Sommerflirt im Ungarn-Urlaub, war da längst über alle Berge, der Job beim DDR-Fernsehen stressig und zeitintensiv. Nachtschichten waren für Juliane Siebert eher die Regel als Ausnahme und einen Großteil ihrer Lebenszeit verbrachte sie im Sender. Die ersten beiden Jahre wuchs Aniko deshalb mehr oder weniger bei der Pflege-Mutter auf, wurde von dieser in der emotional so wichtigen Baby-Phase geprägt, bekam Liebe, baute eine starke Bindung auf. „Mit 2 oder 3 Jahren nahm mich meine leibliche Mutter, zu der ich bis zu deren Tod im Jahr 2015 ein distanziertes Verhältnis hatte, schlagartig zurück in die Donizettistraße. Den Kontakt zu meiner Pflege-Mama unterband sie. Nur einmal stand diese bei uns auf dem Hof, wurde aber schnell wieder von meiner Mutter weggeschickt“, so Halmai gegenüber „Alles Mahlsdorf“.

Aniko Halmai mit ihrer Pflegemama

Aber: Nicht nur Aniko hatte ein inniges Verhältnis im Kleinkindalter aufgebaut, auch die Pflege-Mama kam über die plötzliche Trennung offenbar nur schwer hinweg. „Erkennst du mich wieder“, fragte sie die damals 8-Jährige bei dem Besuch auf dem Hof. An der Hand hatte die Pflege-Mama ihre eigene Tochter. Deren Name: Aniko. „Diese müsste fünf oder sechs Jahre jünger sein als ich, also etwa geboren im Jahr 1975, und scheinbar wurde sie nach mir benannt.“

1990 wanderte Aniko in das Heimatland ihres Vaters aus. Sie verliebte sich, heiratete, bekam Kinder, arbeitet und lebt heute auf einer Reitanlage in einem Vorort von Budapest. Die 50-Jährige: „Beim Durchschauen des Nachlasses meiner Mutter fiel mir ein im Photostudio Zingel in der Hönower Straße aufgenommenes Foto meiner Pflege-Mama und mir in die Hände.“ An deren Namen kann sie sich nicht mehr erinnern. Der wahrscheinlichste Wohnort der Gesuchten Anfang der 1970er-Jahre dürfte die Gegend rund um den Bahnübergang in der Lemkestraße gewesen sein. Auffällig: die rechte Gesichtshälfte der Pflege-Mama überzog ein rötliches Hämangiom, auch genannt Blutschwamm. Ihr Mann trug damals einen sehr markanten Schnauzbart.

In diesem Haus in der Donizettistraße in Mahlsdorf wuchs Aniko Halmai auf.

Ihrer leiblichen Mutter ist Aniko Halmai nicht böse, posthum macht sie keine Vorwürfe. Im Gegenteil, nach deren Demenzerkrankung holte sie ihre Mutter sogar nach Ungarn um sie dort bis zu ihrem Tod zu pflegen. „Über meine ersten Lebensjahre oder die Frau, die mich aufzog, sprach sie jedoch nie. Ich will nun herausfinden, warum ich bin wie ich bin – und mehr über mich und mein Leben erfahren. Deshalb will ich meine Pflege-Mama unbedingt finden und wieder Kontakt aufnehmen.“ Es wäre eine Zusammenführung nach fünf Jahrzehnten. Und ein Weihnachtswunder.

Wer Hinweise oder Tipps geben kann: Marcus@alles-mahlsdorf.de

Aniko Halmai lebt heute mit ihrer Familie auf einer Reitanlage in der Nähe der ungarischen Hauptstadt Budapest

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