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Mahlsdorf
Donnerstag, März 4, 2021
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Schamanen mit Hirschgeweihmasken, Goldmünzen aus Rom: So lebten die Menschen vor 9000 Jahren auf Mahlsdorfer Gebiet

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Am 25. Januar feierte Mahlsdorf seinen 675. Geburtstag (wir berichteten, siehe Link unten). Aus diesem Anlass veröffentlicht „Mahlsdorf LIVE” im Jahr 2020 immer wieder Fotos und Artikel, die sich mit der Geschichte unseres Ortsteils beschäftigen. Nach dem Text über die erste urkundliche Erwähnung Mahlsdorfs folgt heute der Beitrag über die Zeit in den tausenden Jahren vor der Dorfgründung. Wer lebte eigentlich damals auf dem Gebiet des heutigen Mahlsdorf, und vor allem wie lebten die Menschen? Für den Artikel konnten wir wieder die Historikerin Dr. Christa Hübner gewinnen, welche als stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins Marzahn-Hellersdorfs wirkt, sich seit mehr als als 20 Jahren mit der Geschichte des Bezirks Marzahn-Hellersdorf beschäftigt und an vielen Ausstellungen des Bezirksmuseums mitgewirkt hat. Bitteschön:

💢Mahlsdorf vor der Dorfgründung

von Dr. Christa Hübner

Mahlsdorf vor der Dorfgründung – der von mir gewählte Titel ist eigentlich nicht korrekt, denn Mahlsdorf als solches gab es zuvor nicht. Er soll darauf hinweisen, dass die Entstehung des Dorfes nicht gleichbedeutend mit dem Beginn der menschlichen Besiedlung dieses Territoriums ist. Im Gegenteil: Der Gründung von Mahlsdorf im Mittelalter gingen Jahrtausende menschlichen Zusammenlebens voraus.
Wir wissen nicht, wann Menschen das erste Mal im Mahlsdorfer Gebiet auftauchten. Sollte es sie je gegeben haben, so sind Hinterlassenschaften, die älter sind sind als etwa 11.000 Jahre, in der letzten Eiszeit zerstört worden, als ein Eispanzer auch den Barnim bedeckte. Die ältesten urgeschichtlichen Spuren im heutigen Bezirk fanden sich indes nicht in Mahlsdorf, sondern in Biesdorf und werden in die frühe Mittelsteinzeit (9000 – 8000 v. Chr.) datiert. Doch kann angenommen kann, dass die Menschen bei ihren Streifzügen auch in das Mahlsdorfer Gebiet kamen. Der bedeutendste Fund und von internationalem Rang ist die Hirschgeweihmaske, die 1953 bei Baggerarbeiten an der Heesestraße entdeckt wurde. Sie diente wahrscheinlich einem Schamanen bei der Jagdmagie.
Die frühesten menschlichen Spuren in Mahlsdorf stammen aus der Jungsteinzeit (5. Jt. – ca. 2000 v. Chr.), als die Menschen zu Ackerbau und Viehzucht übergingen und sesshaft wurden. Wie die meisten Funde in diesem Ortsteil kamen sie zufällig ans Tageslicht wie je ein Beil aus Felsgestein in Mahlsdorf-Süd 1927 bei Gartenarbeiten in der Badener Straße und spätestens 1934 im Balsaminenweg 47. Auch aus der Bronzezeit (ca. 2000 – ca. 600 v. Chr.) sind einige Fundstellen bekannt. In die ältere Bronzezeit datiert eine Felsgesteinaxt, die östlich der Dahlwitzer Straße in Mahlsdorf-Nord entdeckt wurde. Fundzeit und -umstände sind unbekannt. Im Bereich der heutigen Karlstraße in Mahlsdorf-Süd befand sich wahrscheinlich ein jetzt überbautes Gräberfeld aus der jüngeren Bronzezeit, auf dem wohl 1902 mehrere Funde gemacht wurden. Dieses Gräberfeld wurde offenbar in der Vorrömischen Eisenzeit (ca. 600 v. Chr. – ca. 0) weiter genutzt. So fanden Kinder 1913 am heutigen Röbeler Weg beim Spielen einen Knoten- oder Zackenring aus Bronze. Die Vorrömische Eisenzeit ist jener Zeitabschnitt, in dem die Herausbildung der germanischen Stämme als eigenständige Gruppe begann.
Der weitaus wichtigste Fund aus der Römischen Kaiserzeit (ca. 0 – Ende des 4. Jh. n. Chr.) ist die in der Donizettistraße entdeckte Goldmünze, die im Jahre 215 in Rom geprägt wurde. Wie sie nach Mahlsdorf gelangte ist unbekannt. Möglicherweise erhielt sie ein Germane, der im römischem Heer diente, und nahm sie nach Hause mit oder sie wurde bei einem germanischen Überfall in den römischen Provinzen erbeutet. Sie ist durchlocht, vielleicht um sie als Anhänger tragen zu können. In der nachfolgenden Völkerwanderungszeit lebten nur wenige Menschen in unserem Gebiet, Funde aus Mahlsdorf sind keine überliefert.
Im 7. Jahrhundert wanderten aus dem Weichselraum und aus Böhmen, Slawen ein, die im 8. Jahrhundert in Mahlsdorf südlich des heutigen Kressenweges eine kleine Siedlung anlegten, die im 10. Jahrhundert einem Brand zum Opfer fiel. Doch wurde nur wenige hundert Meter entfernt – schon auf jetzigem Kaulsdorfer Gebiet – eine Siedlung entdeckt, die ins 10. bis 12. Jahrhundert datiert wird. Die Slawen gehörten dem Stamm der Sprewanen an und befanden sich im 12. Jahrhundert im Einflussbereich des Fürsten Jaczo, der seinen Sitz auf der Burg Köpenick hatte. Nach bewaffneten Auseinandersetzungen verschiedener deutscher Feudalherren wurde der Barnim erobert und nachfolgend Städte und Dörfer gegründet. Zu ihnen gehörte auch Mahlsdorf.

Foto: Urne aus der Vorrömischen Eisenzeit, gefunden 1928 am heutigen Hultschiner Damm. Das Original ist in der Dauerausstellung des Bezirksmuseums Marzahn-Hellersdorf, Alt-Marzahn 55, zu sehen.

Hier der Beitrag zur ersten urkundlichen Erwähnung:

Wir haben aber auch noch eine Bitte: Viele von Euch (bzw. Eure Familien) leben seit Jahrzehnten und sogar Jahrhunderten in Mahlsdorf. Sollten sich also alte Fotos, Karten oder Schriftstücke zu Mahlsdorf in Eurem Besitz befinden, wäre es toll, wenn wir diese veröffentlichen könnten. Schreibt uns diesbezüglich gern an hier per PN, unter MahlsdorfLive@gmail.com oder unter 01763072848.

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