Heute ist das Gebäude in der Hönower Straße 261 ein ganz normales Einfamilienhaus. Vor rund 80 Jahren war es in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs eine der letzten „Bastionen“ von Hitlers längst gescheiterten wahnwitzigen Großmachtfantasien. Fotos zeigen den letzten und von Vornherein zum Scheitern verzweifelten Kampf Mahlsdorfs gegen die anrückende Rote Armee.
Generalleutnant Hellmuth Reymann war von März bis April 1945 Kampfkommandant von Berlin, unterteilte die Reichshauptstadt in mehrere Verteidigungsringe und -sektoren. Der äußerste Verteidigungsring umfasste die Randbezirke Berlins, der zweite den S-Bahn-Ring und der dritte das Regierungsviertel. Für den äußersten Ring, der auf der Linie der heutigen Dahlwitzer Straße verläuft, war bei der Schlacht um Berlin das „Volkssturmbataillon Nr. 405“ zuständig.
Stationiert mit dem dazugehörigen Geschäftszimmer war es in der Hönower Straße 261, bestand einem Gruppenfoto nach zu urteilen offenbar aus mehreren älteren Männern. Verwunderlich ist das nicht. In den letzten Kriegstagen verheizten die Nationalsozialisten im „Volkssturm“ Berliner Männer im irrwitzigen Glauben, den Krieg noch gewinnen zu können. Oftmals bestanden diese Gruppen, im Großraum Berlin waren es um die 60.000 Männer, aus eben jenen älteren Männern wie in Mahlsdorf, Kindern oder Jugendlichen aus der Hitler-Jugend oder lokalen NS-Funktionäre aus der Verwaltung. Ihr militärischer Erfolg war gering und ihr Einsatz meist verlustreich oder ergebnislos angesichts der sowjetischen Übermacht.
Was genau die Aufgabe des Mahlsdorfer „Volkssturmbataillon Nr. 405“ war, ist unklar. Konkrete Einsatzberichte der Einheit sind nicht überliefert; jedoch lässt sich aus den vorliegenden Fotos und dem zeitgeschichtlichen Kontext ableiten, dass sie hauptsächlich mit dem Bau von Sperrstellungen, örtlicher Verteidigung (Straßensperren, Panzerfäuste gegen sowjetische Fahrzeuge, MG-Stellungen), Alarm- und Ordnungsaufgaben sowie der lokalen Mobilisierung von Männern (16 bis 60 Jahre) beauftragt waren.
Viele Ortsbataillone halfen aber vor allem beim Errichten von Stellungslinien vor und während der Kämpfe. So wahrscheinlich auch in Mahlsdorf. Auf Fotos ist zu erkennen, wie rund zwei Dutzend Männer einen Panzergraben ausheben. Wo genau sich dieser befindet, ist nicht ersichtlich, vermutlich aber am nördlichen Ende der Hönower Straße.
Ebenso unklar ist, was auf den Männern auf den Fotos geworden ist, egal ob sie Uniform trugen oder nur eine Schaufel in der Hand halten. Klar ist: Die Sowjets hatten überwältigende Kräfte. Nach der letzten großen Schlacht um die Seelower Höhen rückte die Rote Armee rasch bis Berlin vor — die Volkssturm-Bataillone konnten diese Übermacht nicht strategisch aufhalten. Die Verteidigung der Stadt wurde zwar an einigen lokal wichtigen Punkten kurzzeitig verzögert, ein Wendepunkt wurde dadurch aber nicht erreicht. In einigen Sektoren (z. B. Siemensstadt, Friedrichsfelde) hielten bestimmte Volkssturm-Verbände mit hoher Opferzahl mehrere Tage stand; insgesamt aber waren diese Formationen schlecht ausgerüstet, schlecht trainiert und litten unter chaotischer Kommandoführung. Der Volkssturm trug damit eher zur Verlängerung des blutigen Stadtkampfes und zu zusätzlichen Opfern bei als zu nachhaltigen militärischen Erfolgen.
Die Verluste unter Volkssturm, Hitlerjugend und Zivilverteidigern in Berlin waren sehr hoch; die Einheiten wurden vielfach aufgerieben, desertierten oder gerieten in Gefangenschaft. Viele Einheiten (einschließlich des lokalen Bataillons aus Mahlsdorf) sind auf Fotos und in Registraturen dokumentiert, konkrete Gefechtsberichte aber oft nicht erhalten oder nur fragmentarisch.
Habt auch Ihr historische Fotos aus Mahlsdorf aus der Zeit vor 1990? Dann schreibt uns gern eine Mail an hallo@alles-mahlsdorf.de