Eine Straße voller Dönerläden: In den kommenden Tagen eröffnet ein neuer Imbiss in der Hönower Straße

In der Hönower Straße und der näheren Umgebung gibt es bereits mehrere Dönerläden. Nun kommt in wenigen Tagen ein neuer hinzu, neben dem italienischen Restaurant „Pane e Vino“ und gegenüber dem „Getränke Hoffmann“. Der Name lautet „Bay’Gün Kebap“, entsteht in einem ehemaligen asiatischen Floristikgeschäft. Wie erfolgreich kann der neue Imbiss sein?

 

Rund um den Bahnhof Mahlsdorf gibt es bereits mehrere Döner-Imbisse. Da wäre zum Beispiel das etablierte „Mahlsdorfer Grillhaus“, das seit vielen Jahren als Top-Kebap-Adresse in unserem Ortsteil gilt. Vor wenigen Wochen eröffnete auf der anderen Straßenseite das „Kikerikis“, ein Ableger des erfolgreichen Imbisses im Charlottenburger Güntzelkiezes nahe des Kurfürstendamms. Der gegenüberliegende „American Burger“, der früher auch Döner verkaufte, wirkt mittlerweile leer. Zusätzlich gibt es einen Laden vor dem „Roller“-Möbelhaus, außerdem einen Döner nahe dem Edeka-Supermarkt in der Riesaer Straße in Hellersdorf. Und in der nahegelegenen Dahlwitzer Straße, direkt neben einem asiatischen Blumenhändler am Ende der Lemkestraße, existiert ein weiterer Dönerladen.

Die Frage drängt sich also auf: Kann ein neuer Imbiss in der Hönower Straße, bei dieser Döner-Dichte, wirtschaftlich bestehen? Laut Branchenstatistiken generiert die Döner-Branche in Deutschland Milliardenumsätze und beschäftigt viele Menschen — meist in kleinen, oft migrantisch geführten, Familienbetrieben. Andererseits: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind zurzeit alles andere als günstig. Aufgrund gestiegener Preise für Fleisch, Brot, Gemüse und Energie sowie höherer Mindestlöhne sind die Kosten für Betreiber deutlich gestiegen. Dementsprechend kostet ein Döner heute deutlich mehr als früher: In vielen deutschen Städten liegt der Durchschnittspreis mittlerweile bei rund 6 bis 7 Euro.

 

Nach Angaben einer Branchenvereinigung liegt der reine Einkaufspreis für Zutaten und Rohstoffe eines durchschnittlichen Döner mit 540 g Gewicht bei etwa 3 Euro. Um profitabel zu arbeiten, müsste der Verkaufspreis sogar bei bis zu 10,50 Euro liegen — um Materialkosten, Personal, Miete, Energie und Steuern zu decken. Vor diesem Hintergrund erscheint die Eröffnung eines vierten Ladens in unmittelbarer Nähe als riskant, vor allem wenn die Nachfrage nicht stark genug wächst oder die Konkurrenz bereits gut etabliert ist.

Die Mehrheit der Dönerläden in Deutschland wird von kleinen Unternehmer:innen betrieben, häufig Familien, oft mit Migrations­hintergrund. Der klassische Weg: Migrant*innen, oft mit wenig formaler Gastronomieerfahrung, entdecken mit dem Döner eine Möglichkeit, sich selbstständig zu machen, mit vergleichsweise geringem Startkapital und überschaubarem Personalbedarf. So wurde der Döner selbst zu einem Symbol für Integration und Unternehmergeist in Deutschland. Auch in Mahlsdorf.

Doch gerade wegen der steigenden Kosten und des wachsenden Wettbewerbsdrucks geraten viele Betriebe an ihre Grenzen- Viele können nur bestehen, wenn sie effizient wirtschaften, sparen und durchgehend Kundschaft haben. Ob das in der Hönower Straße, einer Gegend ohne dauerhafte Laufkundschaft, funktioniert, bleibt abzuwarten.

Die Eröffnung eines weiteren Dönerladens in der Hönower Straße könnte demnach ein mutiger Schritt sein — oder ein gefährliches Wagnis. Im besten Fall findet der neue Laden eine Nische, vielleicht durch besonders gute Qualität, freundlichen Service, niedrige Preise oder ein Alleinstellungsmerkmal — und lockt Stammkundschaft trotz der Konkurrenz. Im schlimmsten Fall bleiben die Verkäufe hinter den Erwartungen zurück und zu viele Läden teilen sich eine begrenzte Kundschaft, und mit gestiegenen Kosten für Lebensmittel, Energie und Personal bleibt wenig Gewinn. Der anstehende Dönerladen spiegelt auf kleinem Maßstab das Dilemma der Dönerbranche insgesamt wider. Einerseits die große Beliebtheit und Nachfrage, andererseits steigender Konkurrenz- und Kosten­druck. Am Ende könnte sich die Frage stellen: Wie viele Dönerläden verträgt ein Kiez?

In wenigen Tagen soll der neue Döner-Imbiss in der Hönower Straße 172 eröffnen.

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