Nach „Alles Mahlsdorf“-Bericht: „Aber unsere Straße ist doch die schlimmste in Mahlsdorf!“

Seit wenigen Tagen sorgt ein Bericht von „Alles Mahlsdorf“ über die Greifswalder Straße im nördlichen Mahlsdorf für eine breite Debatte unter Anwohnern. Unter dem Titel „Die gefährlichste Straße in Mahlsdorf-Nord“ schilderten Bewohner eine alarmierende Verkehrslage. Daraufhin meldeten sich Dutzende andere Leserinnen und Leser und schilderten Situationen aus ihren Straßen, getreu dem Motto „Aber bei uns ist alles noch viel schlimmer!“


Trotz Tempo-30-Zone und Durchfahrtsverbot für Lkw werde auf der schmalen Wohnstraße meist schneller gefahren, Drängeln und unerlaubtes Parken seien an der Tagesordnung und gerade für Schulkinder und ältere Menschen sei der Alltag aufgrund enger Gehwege zunehmend riskant. Diese Kritik Straße traf auf ein Echo, das weit über die Greifswalder Straße hinausgeht. Auf unseren Facebook- sowie Instagram-Account und per Email meldeten sich zahlreiche Mahlsdorferinnen und Mahlsdorfer zu Wort – mit ähnlich besorgniserregenden Schilderungen aus ihren eigenen Straßen. Ein besonders häufig genanntes Beispiel ist die Hönower Straße. Anwohner berichten von gefährlichen Überholmanövern auf dem langen Abschnitt zwischen dem Kreisverkehr am Jacques-Offenbach-Platz und der Kreuzung mit der Riesaer Straße. In den Morgenstunden habe man „das Gefühl, dass Autos mit knapp 100 km/h die Straße entlangführen“, heißt es.


Doch nicht nur Hauptverkehrsadern stehen im Fokus. Besonders eindrücklich sind die Zuschriften aus einer kleinen Wohnstraße im Bereich zwischen B1 und Treskowstraße. Der Straße Am Kornfeld, ganz im Westen von Mahlsdorf an der Grenze zu Kaulsdorf. Hier schildern Anwohner eine Situation, die „seit sehr langer Zeit mit einer sehr ähnlichen, wie in der Greifswalder Straße, inzwischen aber dramatisch zugespitzten Situation konfrontiert“ ist. „Unsere Straße ist ebenfalls als 30er-Zone ausgewiesen. Doch diese Regelung existiert faktisch nur auf dem Papier, kaum jemand hält sich daran.“


Kritisch sei vor allem der Abschnitt zwischen Treskowstraße und Wilhelmsmühlenweg. Um die staubelastete Kreuzung B1/Hönower Straße zu umfahren, biegen von der B1 kommend zahlreiche Verkehrsteilnehmer in Am Kornfeld ein und fahren durchs Wohngebiet über die Treskowstraße bis zur Kreuzung gegenüber des Rewe-Supermarkts am Bahnhof. Von Norden kommend läuft die Umfahrung/Abkürzung über den Wilhelmsmühlenweg und schließlich Am Kornfeld zur B1.

Seit dem Wasserrohrbruch in der Hönower Straße ist es noch schlimmer. „Tag für Tag rollen nun große Lkw teils mit Anhängern, BVG-Busse und ein nahezu ununterbrochener Strom von Autos durch ein Gebiet, das niemals für diese Belastung ausgelegt war“, so ein Anwohner gegenüber „Alles Mahlsdorf“. Die Beschleunigung der Fahrzeuge und die regelmäßig ignorierten Geschwindigkeitsbegrenzungen machten den Weg zur Schule oder zum Kindergarten zu einem täglichen Risiko.


Die Bewohner haben begonnen, den Verkehr zu dokumentieren – und zählen auf dem schmalen Straßenabschnitt bis zu 420 Fahrzeuge pro Stunde. Das führe zu einer erheblichen Lärmbelastung, einem deutlich erhöhten Unfallrisiko und einem spürbaren Verlust an Lebensqualität. Besonders bitter: Die Anwohner erinnern daran, dass sie in den 1990er Jahren über das Straßenausbaubeitragsgesetz selbst zum Ausbau dieser Straße finanziell herangezogen worden seien, nun trotz dieser Investition die negativen Folgen des ungezügelten Durchgangsverkehrs tragen müssten. Zusätzlich berichten sie von Verstößen gegen Verkehrsregeln, etwa dass Fahrzeuge entgegen der Regelung der Einbahnstraße von der Hönower Straße in die Treskowstraße einbiegen. Die geringe Fahrbahnbreite, an manchen Stellen nur vier Meter, an anderen höchstens knapp 5,80 Meter sei weder für den Busverkehr noch für den Schwerlastverkehr ausgelegt, der hier täglich unterwegs sei. Bisherige Beschwerden bei der BVG und der Polizei hätten keine spürbare Entlastung gebracht. „Die Polizei wurde bereits kontaktiert, aber es gab dort noch keine Rückmeldung oder konkrete Lösung,“ heißt es in den Zuschriften. Die betroffenen Anwohner empfinden den Zustand nicht als vorübergehendes Phänomen seit der Sperrung einzelner Straßen wie der Hönower Straße, sondern als systematisches Problem, das durch Umleitungen und Pendlerverkehr verstärkt wird.


Die Debatte aus dem nördlichen Mahlsdorf zeigt: Das Thema Verkehrssicherheit und ruhiger Wohnraum ist für viele Bewohner nicht nur Alltagserfahrung, sondern zunehmend ein lokalpolitisches Thema. Während Bezirksamt und Verkehrspolitiker bisher nur punktuelle Maßnahmen nennen, fordern Betroffene nun umfangreichere Lösungen. Von wirklichen Verkehrsberuhigungsmaßnahmen über Kontrollen bis hin zu einer langfristigen Verkehrsplanung, die diese Nebenstraßen vor dem Durchgangsverkehr schützt.

Auch Busse fahren derzeit durch die enge Straße Am Kornfeld.
Anwohner der kleinen Straße berichten von mehr als 400 Fahrzeugen pro Tag, die die Strecke als Abkürzung benutzen.

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