Der Berliner AfD-Abgeordnete Thorsten Weiß hat etwas gehört. Es lägen, so schreibt er in einer parlamentarischen Anfrage, „Hinweise aus der Bevölkerung vor, wonach es im Bereich zwischen Grünau und Mahlsdorf wiederholt zu Übergriffen und Raubdelikten durch eine größere, mutmaßlich lose organisierte Jugendgruppe gegen Kinder und Jugendliche kommen soll.“ Weiß fragte bei der Senatsverwaltung für Inneres nach Zahlen und Fakten. Und die bekam er.
Es klingt bedrohlich, was Thomas Weiß schreibt. „So werde teils mit Gewalt bzw. unter Drohung von Gewalt vorgegangen; als Tatorte werden u. a. öffentliche Verkehrsflächen sowie der öffentliche Personennahverkehr genannt.“ Weiter wurde ihm berichtet, dass Betroffene aus Angst vor Repressalien Anzeigen unterlassen und die Dunkelziffer entsprechend hoch sein könnte.
Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Veröffentlicht wurden die Fälle von gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Raub. In Mahlsdorf waren es zusammengefasst in den Jahren 2023, 2024 und 2025 exakt 33 Delikte, knapp die Hälfte davon waren Bedrohungen. Jeder Fall einer zu viel, ohne Frage, aber augenscheinlich ist Mahlsdorf für eine Jugendbande kein Schwerpunkt. Ähnlich sehen die Zahlen übrigens in Grünau aus, genau wie in den zwischen dem Treptow-Köpenicker und Mahlsdorf liegenden bzw. angrenzenden Ortsteilen wie Bohnsdorf, Adlershof, Kaulsdorf, Nieder- oder Oberschöneweide. Lediglich in Köpenick ist die Zahl erhöht (216 in drei Jahren), viele Fälle dürften aber im Zusammenhang mit Spielen von Union Berlin zu tun haben.
Warum die Jugendbande ausgerechnet zwischen Grünau und Mahlsdorf agieren solle, ist unklar. Zwischen beiden S-Bahnhöfen liegen rund 15 Kilometer, mit dem Auto braucht man circa eine halbe Stunde. Eine anständige Entfernung also. Nicht erfasst in den Zahlen sind Taten auf S-Bahnhöfen, da diese in den Bereich der Bundespolizei fallen. Nach Polizeiangaben gab es davon im vergangenen Jahr 7.
Neben den reinen Straftaten-Zahlen lieferte die Senatsverwaltung für Inneres auf Anfrage von Thomas Weiß auch die Staatsangehörigkeiten der Tatverdächtigen – die Antwort dürfte für Zähneknirschen in der AfD sorgen. 1705 Tatverdächtige in den Delikten gefährliche Körperverletzung, Bedrohung und Raub waren es in den vergangenen drei Jahren im gesamten Bereich Marzahn-Hellersdorf (Schwerpunkte sind hier die Ortsteile Marzahn und Hellersdorf). 1051 davon hatten einen deutschen Pass, Platz 2 geht an syrische Staatsangehörige mit 137 Tatverdächtigen, 74 kamen aus Afghanistan (Platz 3).





