„Die gefährlichste Straße in Mahlsdorf-Nord“: Anwohner der Greifswalder Straße schlagen Alarm

Die Greifswalder Straße im Mahlsdorfer Nordosten ist auf den ersten Blick eine unscheinbare Wohnstraße. Tempo 30 ist vorgeschrieben, ein Lkw-Durchfahrtsverbot gilt. Doch für viele Anwohner ist die Realität eine andere – und eine gefährliche.

„Das ist die gefährlichste Straße von Mahlsdorf Nord“, sagt ein Anwohner, der seit vielen Jahren an der Greifswalder Straße lebt. Für ihn ist die Straße längst kein ruhiger Wohnbereich mehr, sondern eine stark belastete Verbindungsroute zwischen Hoppegarten und Hellersdorf. „Wer sich hier an Tempo 30 hält, wird angehupt, beleidigt oder sogar gefilmt“, berichtet er. Selbst die innerorts geltenden 50 km/h würden regelmäßig überschritten. „Hier wird eher schneller gefahren, teilweise mit fast 100 km/h.“

 

Besonders problematisch seien rücksichtslose Überholmanöver, teils sogar in Kurvenbereichen und an unübersichtlichen Kreuzungen. Immer wieder komme es zu regelrechten Rennen. Hinzu kommt ein hohes Verkehrsaufkommen durch Lieferfahrzeuge und Lkw, obwohl die Durchfahrt für schwere Fahrzeuge ausdrücklich verboten ist. „Die Lieferfahrzeuge missachten zudem regelmäßig das Halteverbot“, so der Anwohner. Fahrzeuge stünden dann auf der Fahrbahn oder teilweise auf den Gehwegen. Die Folge: gefährliche Engstellen, Ausweichmanöver und unübersichtliche Situationen, insbesondere für Fußgänger. Für diese ist die Lage besonders prekär. Die Gehwege sind stellenweise unbefestigt, teils nur rund 80 Zentimeter breit oder sogar schmaler. An der Bushaltestelle fehlt jegliche Pflasterung, ebenso eine funktionierende Regenabwasserleitung. Bei Regen bilden sich große Pfützen, im Winter wird kein Winterdienst durchgeführt. „Es ist dann wie schon in den vergangenen Tage spiegelglatt“, sagt der Anwohner.

 

Wenn die Berliner Stadtreinigung Mülltonnen abholt, sind Gehwege häufig komplett blockiert. Auch parkende Autos auf den Gehwegen seien keine Seltenheit. Kinder müssten dann auf die Straße ausweichen. „Das ist brandgefährlich“, betont der Anwohner, insbesondere für Kinder auf dem täglichen Schulweg zur Mahlsdorfer Grundschule und zur Gemeinschaftsschule in der Landsberger Straße. Als besonders problematisch gilt die Hauptkreuzung Greifswalder Straße Ecke Lemkestraße. Auf Nachfrage von „Alles Mahlsdorf“ bei der Polizei kam es dort in den vergangenen zehn Jahren zu zehn schweren Unfällen mit Verletzten oder Schwerverletzten. In den letzten fünf Jahren ereigneten sich zudem sieben weitere schwere Unfälle entlang der Greifswalder Straße.

 

Trotz dieser Zahlen stuft die Polizei die Kreuzung offiziell als „unauffällig“ ein. Auch das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf äußerte sich auf Nachfrage des SPD-Bezirksverordneten Wolfahrt Ulbrich. In einer Antwort auf dessen Kleine Anfrage erklärte Bezirksbürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Nadja Zivkovic: „Das Bezirksamt bewertet die Gefährdungslage an der betreffenden Kreuzung weiterhin als ernst, insbesondere angesichts der wiederholten schweren Unfälle.“

Laut Bezirksamt seien alle Maßnahmen umgesetzt worden, die im Zuständigkeitsbereich der Straßenunterhaltung liegen. Die Kreuzung sei „optimal ausgeschildert“, mit Stoppschildern und klaren Haltelinien. Zusätzlich wurden Poller installiert, um die Sichtverhältnisse zu verbessern und das Parken in den Randbereichen zu verhindern. Gleichzeitig signalisiert das Bezirksamt Gesprächsbereitschaft: Man wolle sich mit dem Verkehrsmanagement der Senatsverwaltung für Mobilität und Verkehr auf Landesebene austauschen, um mögliche weitere Sicherungsmaßnahmen zu prüfen.

 

Für die Anwohner reicht das bislang nicht aus. „Solange hier gerast wird und Regeln ignoriert werden, bleibt diese Straße ein Risiko“, sagt der langjährige Bewohner. Besonders die Kinder, die die Greifswalder Straße täglich überqueren müssen, zahlten den Preis. Für sie sei der Weg zur Schule jeden Tag aufs Neue ein gefährlicher Spießrutenlauf.

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