4.000 Tonnen Kartoffeln suchen ein Zuhause. Ein deutscher Agrarbetrieb aus der Region südlich von Leipzig sitzt auf einer riesigen Übermenge der beliebten Erdknolle, weil der Markt das Angebot nicht aufnehmen kann. Statt die Ernte zu verwerten oder womöglich zu verschwenden, wurde eine groß angelegte kostenlose Verteilungsaktion organisiert. Eine Tonne wird am Mittwoch in Mahlsdorf an Interessenten verschenkt.
Eine dieser Verteilstationen ist am Mittwoch im „Garten der Sinne“ in der Wodanstraße. Dort können zwischen 9 und 15 Uhr mit einem Körbchen, Eimer oder ähnlichem Tragegerät kostenlos Kartoffeln abgeholt werden. Die Mitarbeitenden des Trägers „Mittendrin e.V.“ vor Ort sorgen dafür, dass jeder eine faire Menge bekommt und nicht einzelne Personen unverhältnismäßig große Mengen hamstern. Das soll einerseits den Verteilchaos vermeiden und andererseits genügend Kartoffeln für alle Interessierten sichern. Die Kartoffeln werden am Dienstag angeliefert und zunächst im Gartenhäuschen gelagert, bevor sie am folgenden Tag ausgegeben werden.
Pro Kilogramm kann man je nach Größe etwa 10 bis 12 Knollen rechnen – das sind bei viertaussend Tonnen etwa 40 bis 50 Millionen Kartoffeln auf einen Schlag, die verteilt werden sollen, je nach Größe bis zu 10.000 Kartoffeln. Durch ein Überangebot auf dem Kartoffelmarkt waren viele Kartoffeln zwar geerntet und bereits verkauft, doch nicht abgeholt worden – weil der Preis so stark gefallen war, dass der Händler den Transportskosten wegen auf den Knollen sitzen blieb.
Die Kartoffeln werden im Rahmen einer gemeinsamen Aktion von Osterland Agrar GmbH, der „Berliner Morgenpost“ und der Suchmaschine Ecosia kostenlos an Abgabestellen in Berlin gebracht. Dabei handelt es sich um heruntergelassene Big Bags zu etwa einer Tonne pro Sack, die vor Ort weitergegeben werden. Die Aktion dient mehreren Zwecken. Zum einen soll Lebensmittelverschwendung vermieden werden. Eine derart große Menge qualitativ einwandfreier Kartoffeln würde sonst weggeworfen oder für Tierfutter oder Biogas verwendet. Außerdem können besonders Bedürftige, Familien, ältere Menschen und auch Menschen mit geringem Einkommen ohne bürokratische Hürden profitieren. Ganz nebenbei wird ebenso ein Bewusstsein für Food-Waste-Probleme geschaffen. Die Situation zeigt, wie sehr Angebot und Nachfrage auf dem Agrarmarkt manchmal auseinanderfallen.
Andere Verteilstellen in Berlin berichten bereits, dass die Nachfrage enorm ist. Bei der Berliner Tafel, die allein etwa 22 Tonnen aus der Übermenge annimmt, reichten die Kartoffeln schnell für ihre 48 Ausgabestellen und rund 400 soziale Einrichtungen. Wer in Mahlsdorf am Mittwoch im „Garten der Sinne“ vorbeikommt hat die Chance, sich aus der Übermenge ein Stück Nachhaltigkeit und Genuss mitzunehmen.





