Erst Stimmungsboykott, dann Heimsieg: Mahlsdorf siegt trotz Fan-Protest souverän gegen Hansa Rostock II

Am Sonntagnachmittag war es am Rosenhag zunächst ungewohnt still. Rund 250 Zuschauer hatten sich zum NOFV-Oberliga-Duell zwischen Eintracht Mahlsdorf und der zweiten Mannschaft des FC Hansa Rostock eingefunden, darunter auch zahlreiche Fans des Traditionsclubs von der Ostseeküste in ihren blau-weißen Fanuntensilien. Doch statt der sonst so lautstarken Unterstützung lag eine merkwürdige Ruhe über dem Gelände.


Der Grund: Die aktive Fanszene, die „Supporters Mahlsdorf“, hatte zu einem Stimmungsboykott aufgerufen. Hintergrund war ein vom Bezirksamt angeordnetes Trommelverbot. Nach dem letzten Heimspiel gegen die TSG Neustrelitz hatten sich drei Anwohnende rund um den Rosenhag über den Lärm beschwert. Weil sowohl Mahlsdorfer als auch Neustrelitzer Fans getrommelt hatten, seien laut Messungen Dezibelwerte überschritten worden, die gegen das Lärmschutzgesetz verstoßen. Die Folge: Beim Spiel gegen Rostock blieb die Trommel draußen. Und nicht nur sie. In den ersten 1896 Sekunden – eine Anspielung auf das Gründungsjahr der Eintracht – schwiegen auch die Stimmen des organisierten Fanblocks.


Ob diese ungewohnte Stille Auswirkungen auf die Mannschaft von Trainer Karsten Heine hatte, lässt sich schwer sagen. Fest steht, dass die „Lilanen“ rund eine Viertelstunde brauchten, um richtig ins Spiel zu finden. In der 16. Minute gab es die erste nennenswerte Aktion im Strafraum. Nach einer starken Kombination über links flankte Willi Noack in die Mitte, doch Torjäger Nils Stettin traf den Ball am Elfmeterpunkt nicht richtig. Zwei Minuten später rückte erneut der agile Noack in den Mittelpunkt. Nach einer flachen Hereingabe von rechts ließ er mit einer Körpertäuschung seinen Gegenspieler stehen, schob den Ball mit links aber knapp rechts am Tor vorbei.


In der 30.Minute hatte Mahlsdorf dann Glück. Rostocks Kapitän Julian Hanel wurde steil geschickt, hob den Ball über den herausstürmenden Mahlsdorfer Keeper Paul Büchel, doch der Lupfer ging hauchdünn über die Latte. Büchel wäre wohl chancenlos gewesen. Nur zwei Minuten später fiel dann die Führung für die Gastgeber. Nach einem klaren Foul im Strafraum zeigte Schiedsrichter Benjamin Arnold auf den Punkt. Stettin übernahm Verantwortung und verwandelte sicher. Quasi mit dem Pausenpfiff legte Mahlsdorf nach. Anthony Worm zog trocken aus kurzer Distanz ab und jagte den Ball in die kurze Ecke – 2:0. Mit dieser komfortablen Führung ging es bei strahlendem Sonnenschein in die Halbzeitpause.


Auch nach dem Seitenwechsel blieb Mahlsdorf die spielbestimmende Mannschaft. Die Gastgeber agierten souverän und ließ die junge Truppe von der Ostseeküste kaum zur Entfaltung kommen. In der 61. Minute Nils Stettin praktisch den Deckel drauf. Nach einem Handspiel im Strafraum, eine Entscheidung, die man durchaus diskutieren konnte, gab es den nächsten Elfmeter. Trotz lautstarker Proteste von der Rostocker Bank blieb Stettin cool und traf zum 3:0. Sein mittlerweile 18. Saisontreffer, mit dem welchem er die Führung in der Oberliga-Torschützenliste behauptet.


Danach plätscherte die Partie ein wenig dahin, ohne dass Mahlsdorf die Kontrolle verlor. Heine nutzte den Drei-Tore-Vorsprung und wechselte ab der 80. Minute fleißig durch. Und er bewies ein glückliches Händchen: In der 85. Minute kam Winter-Neuzugang Ben Wagner für Julian Mätzke ins Spiel. Nur wenige Minuten später, in der dritten Minute der Nachspielzeit, setzte der 21-jährige 2,02-Meter-Hüne den Schlusspunkt. Im Eins-gegen-Eins gegen den Rostocker Torhüter blieb er eiskalt und schob zum 4:0-Endstand ein.


Letztlich stand am Ende ein souveräner Heimsieg für Eintracht Mahlsdorf. In der Tabelle der NOFV-Oberliga klettert der BSV damit wieder auf Rang drei – mit nun zehn Punkten Rückstand auf Tabellenführer SV Tasmania Berlin. Im kommenden Spiel müssen die Männer vom Rosenhag am Sonntag beim Vorletzten Croatia Berlin antreten. Hoffentlich mit Trommelunterstützung vom Seitenrand.

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