Seit Jahren wird in Mahlsdorf über fehlende Fahrradstellplätze am Bahnhof diskutiert. Pendlerinnen und Pendler kennen das Problem: überfüllte Bügel, abgestellte Räder an Zäunen und Laternen, ein hohes Diebstahlrisiko, Fahrrad-„Leichen“ unter der Brücke. Mit dem geplanten Ausbau der Straßenbahntrasse im Zuge der „Verkehrslösung Mahlsdorf“ spitzte sich die Lage zuletzt weiter zu. Nun geht das Vorhaben eines Fahrradparkhauses nahe dem Bahnhof Mahlsdorf einen entscheidenden Schritt voran.
Mit der Vorlage Nr. 1380/VI hat das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) offiziell über die geplante Übertragung eines Grundstücks in Mahlsdorf informiert – eine zentrale Voraussetzung für die weitere Planung eines Fahrradparkhauses. Konkret geht es um ein 3.162 Quadratmeter großes Grundstück hinter der Hönower Straße 84–90 (vor allem bekannt durch das Geschäft „Foto Singh“), in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs. Das Areal befindet sich bislang im Vermögen der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) und soll nun in das Vermögen des Bezirks Marzahn-Hellersdorf übergehen.
Die Vorlage wurde der BVV zur Kenntnisnahme vorgelegt. Das bedeutet: Es handelt sich noch nicht um einen endgültigen Bau- oder Umsetzungsbeschluss, sondern um einen formalen Schritt, um die Eigentumsverhältnisse zu klären und die Grundlage für weitere Planungen zu schaffen. Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Im Zuge des geplanten Ausbaus der Straßenbahntrasse werden bestehende Fahrradabstellanlagen im Bereich des Bahnhofs, vor allem unterhalb der Brücke, teilweise wegfallen. Dort soll künftig die Tram ihren Wendepunkt haben. Bereits seit Jahren fordern Anwohnerinitiativen, Verkehrsverbände und Bezirkspolitik zusätzliche und vor allem sichere Fahrradstellplätze. Die bisher vorhandenen Anlagen reichen weder mengenmäßig noch qualitativ aus.
Nach den Angaben in der Vorlage soll auf dem Grundstück ein Fahrradparkhaus bzw. eine größere Fahrradabstellanlage entstehen. Vorgesehen ist eine Einbindung in ein berlinweites Buchungs- und Zugangssystem, wie es an anderen Mobilitätsknotenpunkten bereits erprobt wird. Ziel ist es, Fahrräder wettergeschützt und diebstahlsicher unterzubringen. Die planerische Verantwortung liegt bei der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) in Zusammenarbeit mit der GB infraVelo GmbH, die in Berlin für den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur zuständig ist.
Laut der aktuellen Antwort der Senatsverwaltung für Verkehr auf eine parlamentarische Anfrage des Linken-Abgeordneten Kristian Ronneburg soll das Fahrradparkhaus Ende 2028 fertiggestellt werden. Es soll aus Mitteln des Sondervermögens Infrastruktur der wachsenden Stadt (SIWA) finanziert werden. Gemäß des geprüften Bedarfsprogrammes beläuft sich die aktuelle Kostenprognose auf insgesamt 9,3 Millionen Euro. Auch wenn das Projekt nun sichtbarer wird, ist klar: Das Fahrradparkhaus ist noch nicht beschlossen, geschweige denn gebaut. Die Vorlage macht deutlich, dass es sich zunächst um einen verwaltungsinternen Vermögensschritt handelt. Erst nach der Übertragung des Grundstücks können konkrete Planungen, Finanzierungsfragen und Beteiligungsverfahren folgen.
Dennoch werten Beobachter den Schritt als wichtiges Signal. Nach jahrelangen Diskussionen, Prüfungen und Ankündigungen wird erstmals eine konkrete Fläche verbindlich für das Projekt gesichert.





