Was für viele Mahlsdorferinnen und Mahlsdorfer ein alltäglicher Ort der Entsorgung ist, ist für Beschäftigte der Berliner Stadtreinigung (BSR) zunehmend ein Arbeitsplatz unter Stress, Respektlosigkeit und Gewalt. Am Recyclinghof in der Rahnsdorfer Straße zeigt sich ein alarmierender Trend, der über bloße Unfreundlichkeiten hinausgeht. Es geht um sexuelle Herabwürdigungen, Beleidigungen und sogar körperliche Gewalt.
Immer häufiger werden Mitarbeitende, die den Mahlsdorfer Recyclinghof betreuen, nicht nur beleidigt, sondern mit Aggression, Bedrohung und körperlichen Übergriffen konfrontiert. So berichtet es der „Berliner Kurier“. Konkrete Zahlen oder Entwicklungen gibt es nicht, wie die BSR-Kommunikationschefin Frauke Bank auf „Alles Mahlsdorf“-Nachfrage sagt. Allerdings ist die Entwicklung erschreckend. Nahezu alle Befragten gaben in einer berlinweiten internen Umfrage im vergangenen Jahr an, täglich bis wöchentlich Beleidigungen zu erleben – oft ohne dass dies offiziell gemeldet wird, weil Betroffene das Erlebte erst verarbeiten wollen oder es als „Teil des Jobs“ sehen.
Tätliche Angriffe kommen glücklicherweise seltener vor, doch rund ein Viertel der Befragten bestätigte auch diese. Es gab Fälle von Schubsen, Schlagen oder sogar Anfahren mit dem PKW. In Einzelfällen mussten Mitarbeitende unter Polizeischutz nach Hause gebracht werden. Mitarbeiterinnen wurden sexuell anzüglich oder herabwürdigend beleidigt, Kolleg:innen mit dem Tode bedroht. „Es wurde ihnen nach der Arbeit aufgelauert und sie musste unter Polizeischutz nach Hause gebracht werden“, so Bank. Dies alles sind keine Einzelfälle, sondern spiegeln ein tiefer liegendes Problem wider.
Diese Schilderungen decken sich mit einem aktuellen Interview der BSR-Vorstandsvorsitzenden Stephanie Otto mit dem Info-Radio des rbb, in dem sie bestätigt, dass Angriffe, Flaschenwürfe, aggressive Bedrohungen und sogar Angriffe mit Fahrzeugen zunehmen, konkret aufgefallen in den Jahren 2024 und 2025. Es ist aber nicht das einzige Problem. Auch kommt es auf den Wertstoffhöfen häufiger zu Diebstählen. „Fast alle BSR-Recyclinghöfe werden daher mit Videotechnik überwacht“, heißt es auf eine KURIER-Anfrage. „Um die Liegenschaften vor Diebstahl zu schützen.“ Die Videoüberwachung habe auch bereits zu polizeilichen Festnahmen und entsprechenden Strafanzeigen geführt. Aus Sicherheitsgründen könne die BSR keine weiteren Angaben zu dem Thema machen. Das Ziel der Diebe: Elektroschrott, wie Tablets und Notebooks. In Mahlsdorf gelang es der Polizei kürzlich, drei junge Männer festzunehmen, die zuvor Elektroschrott gestohlen hatten.
Warum aber eskaliert es scheinbar häufiger als gedacht ausgerechnet auf den Recyclinghöfen? Die Abgabeorte wie der in Mahlsdorf sind Orte, an denen viele Menschen mit ihren eigenen Müllproblemen konfrontiert werden: lange Wartezeiten (gerade am Samstag), Unklarheiten über Annahmeregeln oder schlechte Laune nach vergeblichen Entsorgungsversuchen können aggressive Emotionen auslösen. Gleichzeitig sind die Mitarbeitenden dort die sichtbaren Repräsentant:innen eines städtischen Systems, das viele als bürokratisch oder unflexibel empfinden.
Während die BSR auf ihren Webseiten vor allem die ökologische Bedeutung der Recyclinghöfe hervorhebt, von Schadstoffannahmestellen bis zur Förderung von Kreislaufwirtschaft und Ressourcenwiederverwendung, steht der Schutz der Beschäftigten derzeit im Vordergrund der Diskussion. Das Unternehmen nimmz die Entwicklung ernst.
Ein umfassender Maßnahmenplan soll das Problem in mehreren Schritten adressieren:
• Verbesserung des Angebots vor Ort, um Gründe für Unzufriedenheit zu reduzieren.
• Deeskalationstrainings für Mitarbeitende, um sicherer mit Konflikten umzugehen.
• Schutzmaßnahmen bei tätlichen Angriffen, darunter Selbstverteidigungskurse, Notsignalgeber und der mögliche Einsatz von Wachdiensten.
• Sicherstellung, dass im Ernstfall Beweise für eine Strafverfolgung erhalten bleiben und Konsequenzen folgen.
Frauke Bank betont, dass diese Maßnahmen nicht standortspezifisch sind und daher nicht nur für Mahlsdorf gelten, sondern für alle Recyclinghöfe der BSR. Während Unternehmensseite und Vorstand Lösungen suchen, meldet sich auch die Belegschaft zu Wort. Beschäftigte fordern mehr Schutz, Respekt und konkrete Sicherheitskonzepte. Gewerkschaften wie Verdi sehen nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Politik in der Verantwortung, dauerhafte Schutzvorkehrungen und Unterstützungsangebote bereitzustellen.





