Am späten Sonntagnachmittag versammelten sich rund 150 Menschen auf dem Wilhelmplatz in Kaulsdorf um Abschied zu nehmen. Die Andacht galt Janine, einer alleinerziehenden Mutter aus Mahlsdorf, die vor wenigen Tagen bei einem tragischen Verkehrsunfall in Hellersdorf ums Leben gekommen war.
Leichter Fisselregen, grauer Himmel. Doch das schlechte Wetter hielt niemanden fern. Familienangehörige, Freunde, Nachbarn, Kollegen und Wegbegleiter standen dicht beieinander, suchten Halt im Gespräch oder nahmen sich schweigend in die Arme. Immer wieder waren leise Schluchzer zu hören. Mitten unter ihnen: Janines 13-jährige Tochter, die nun ohne ihre Mutter aufwachsen muss.
Die Andacht fand an einem Ort statt, der für Viele eine besondere Bedeutung hatte: genau dort, wo Janine bei Floh- und Weihnachtsmärkten regelmäßig ihren Stand mit selbstgefertigter Holzkunst aufgebaut hatte – Standnummer 4. An diesem so vertrauten Pflaster des Platzes wurde nun innegehalten. Der Ort, an dem sie sonst mit lautem Lachen und Charme ihre Arbeiten präsentierte, wurde für diesen Nachmittag zu einem Platz der Erinnerung.
Die Pfarrerin der Evangelischen Kirche Kaulsdorf, Elisabeth Collatz, eröffnete die Andacht mit einer kurzen Ansprache, verfasst von Janines bester Freundin. Sie sprach von der Herzlichkeit der Kita-Erzieherin, von ihrer Kreativität und davon, wie plötzlich ein vertrautes Leben aus dem Gleichgewicht geraten kann. Worte des Trostes, die versuchten, das Unfassbare greifbar zu machen.
Ein besonders bewegender Moment folgte, als Janines Tochter nach vorn trat und eine Kerze entzündete. Still reichte sie das Licht an die neben ihr stehenden Menschen weiter. Von Hand zu Hand wanderte die Flamme durch die Menge. Ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit. Das Licht wurde von Teilnehmer zu Teilnehmer weitergegeben, bis zahlreiche Kerzen den verregneten Nachmittag erhellten.
Neben der improvisierten Andachtsfläche war ein kleiner Tisch aufgebaut. Darauf standen Fotos von Janine, eingerahmt von Blumen und Kerzen. Daneben lag ein Hinweis auf die Spendenaktion zugunsten der Familie. Bis Sonntagabend waren rund 9.500 Euro zusammengekommen. Mit dem Geld sollen vor allem die Beerdigungskosten gedeckt werden; weitere Unterstützung für die Tochter ist ebenfalls vorgesehen. Hier der Link zur Spendenaktion: Gofundme
Auch Heliumluftballons wurden verteilt. Kinder, viele von ihnen ehemalige oder aktuelle Schützlinge Janines, Freunde und Angehörige beschrifteten sie mit persönlichen Botschaften, letzten Grüßen und guten Wünschen. Gemeinsam ließen die Anwesenden die Ballons in den grauen Himmel steigen – ein symbolischer Gruß „nach oben“, zu Janine.
Trotz Regen und Kälte war die Atmosphäre von spürbarer Wärme geprägt. Die große Anteilnahme zeigte, wie tief Janine im Kiez verwurzelt war. Am Stand Nummer 4 wurde deutlich: Ihre Spuren bleiben. In den Erinnerungen der Menschen und in einer Nachbarschaft, die in diesen schweren Tagen eng zusammengerückt ist.





