Ein Valentinstag, der für immer dunkel bleibt. Als andere an vergangenen Samstagabend ihre Liebe feierten, endete in Hellersdorf ein Leben – und mit ihm die Welt einer 13-Jährigen.
Kurz vor 22 Uhr war die 38-jährige Mahlsdorferin Janine auf der Hellersdorfer Straße in Richtung Cecilienstraße unterwegs. Auf Höhe des U-Bahnhofs Kienberg stand auf dem rechten Fahrstreifen ein LKW mit Auflieger. Aus bislang ungeklärter Ursache prallte Janine mit ihrem VW Caddy in das Heck des Fahrzeugs. Rettungskräfte versuchten noch am Unfallort, sie zu reanimieren. Im Krankenhaus erlag sie wenig später ihren Verletzungen.
Neben ihr saß ihre 13-jährige Tochter. Das Mädchen war ansprechbar, hatte keine offensichtlichen Verletzungen. Und verlor doch in dieser Nacht alles. Viele Berliner Medien berichteten über den Unfall. Doch hinter den nüchternen Polizeimeldungen steht eine Geschichte, die nun Mahlsdorf und Kaulsdorf bewegt.
Janine war alleinerziehend. Eine Frau, die ihr Leben selbst in die Hand nahm, die kämpfte. Für ihre Tochter, für ihren Alltag, für ihr Glück. Wie es nun für das Mädchen weitergeht, ist noch offen. Der Onkel möchte das Sorgerecht übernehmen und mit der Teenagerin zusammenziehen. Das Haus müsste womöglich umgebaut werden, um Platz für neue Lebensrealitäten zu schaffen. Die Großmutter, die nicht in Berlin lebt, will sich künftig stärker kümmern, häufiger kommen, helfen, stützen. Eine Familie versucht, inmitten der Trauer Halt zu organisieren.
Janine arbeitete als Erzieherin in einer Kaulsdorfer Kita. Für viele Kinder war die Frau mit den langen schwarzen Haaren, dem vielen Glitzer an ihrem Körper und dem roten Lippenstift mehr als nur eine Betreuerin – sie war Zuhörerin, Trösterin, Mutmacherin. Freunde beschreiben sie als lebenslustig, herzlich, voller Energie. „Wenn es hart auf hart kam, war sie eine Kämpferin“, sagen sie. Und kreativ. Auf den Floh- und Weihnachtsmärkten in Mahlsdorf und Kaulsdorf kannte man sie als „Basteltante“. Mit viel Liebe fertigte sie Holz- und Dekogegenstände, verkaufte Selbstgemachtes, plauderte, lachte. Ihre Hände schufen Schönes. Dinge „von Hand zu Hand, von Herz zu Herz“.
Unter genau diesem Motto laden ihre Freunde nun am kommenden Sonntag um 17 Uhr zu einer Andacht in Kaulsdorf ein. 17 Uhr auf dem Wilhelmplatz geht es los. Jeder ist willkommen, sich von Janine zu verabschieden. Geplant ist eine Menschenkette: Die erste Person entzündet eine Kerze, dann wird das Licht weitergereicht. Flamme für Flamme, Gedanke für Gedanke. Ihre beste Freundin, die ebenfalls Janine heißt, bringt Luftballons, Stifte und Zettel mit. Wünsche sollen aufgeschrieben und symbolisch in den Himmel geschickt werden.
Das passt zu Janine. Trotz einer länger andauernden Krankheit, mit der sie sich immer wieder auseinandersetzen musste, verlor Janine nie ihren Lebensmut. Sie hatte sich sogar Gedanken darüber gemacht, wie ihr Abschied einmal aussehen sollte. Keine stille Schwere, sondern eine Party. Bunt. Laut. Mit Musik. Ein Lied stand für sie fest. „Sky and Sand“ von Paul Kalkbrenner, welches am Sonntag gespielt wird.
Wann die Beerdigung stattfinden wird, ist noch unklar, womöglich Ende März. Um die Kosten zu stemmen, werden nun ihre verbliebenen Deko- und Holzarbeiten verkauft. Über den Instagram-Kanal ihrer Freundin Janine (hier verlinkt) können sich Interessierte melden. Es ist ein letzter Weg, Janines Kreativität weiterzugeben – von Hand zu Hand.
Und dann ist da noch diese Geschichte, die ihre Freunde mit einem Lächeln, aber auch mit Tränen in den Augen erzählen. Janine war ein großer Quad-Fan. Sie liebte es, mit dem Gefährt durch die Gegend zu fahren, Wind im Gesicht, Freiheit im Herzen. Der aufgeklebte Baseballschläger am Heck. Manche sagen nun, sie habe sich längst Flügel an ihr Quad gebaut – und springe damit von Wolke zu Wolke.
Vielleicht ist das der Trost in all dem Schmerz. Die Vorstellung, dass eine Frau, die das Leben so sehr liebte, irgendwo weiterfährt. Laut. Frei. Mit Paul Kalkbrenner im Hintergrund.





