Nach dem schwerwiegenden, durch einen Anschlag verursachten Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf, bei dem Anfang Januar zehntausende Haushalte teils über Tage ohne Strom waren, hat sich auch der Bezirk Marzahn-Hellersdorf intensiv mit der Frage beschäftigt, wie gut man selbst auf einen solchen Blackout vorbereitet ist. Vor diesem Hintergrund fand am Freitagabend in Mahlsdorf eine von der CDU organisierte Informationsveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger in der 37. Grundschule in der Elsenstraße statt, bei der Bezirksvertreter, Hilfsorganisationen und Einsatzkräfte erklärten, was im Falle eines länger andauernden Stromausfalls in Mahlsdorf und ganz Marzahn-Hellersdorf passieren würde – und was jede und jeder Einzelne tun kann.
Als erster Redner sprach der für den Katastrophenschutz zuständige Stadtrat Stefan Bley (CDU). Er machte deutlich, dass der Bezirk in den vergangenen Jahren gezielt an seinen Strukturen gearbeitet habe und heute aus seiner Sicht besser vorbereitet sei als zuletzt Steglitz-Zehlendorf. Ein zentrales Element sei der sogenannte Blaulicht-Stammtisch, der quartalsweise stattfinde und an dem Vertreterinnen und Vertreter von ASB, THW, Feuerwehr, Polizei sowie weiteren im Bezirk tätigen Stellen teilnehmen. Dieses Format gebe es nun seit rund zweieinhalb Jahren und es habe sich bewährt, weil man sich persönlich kenne, wisse, wer welche Verantwortung trägt, und im Ernstfall nicht erst Telefonnummern suchen müsse. Bley verwies dabei auch auf seine eigene berufliche Vergangenheit: Er war 14 Jahre bei der Bundeswehr tätig und bringt entsprechend Erfahrung mit Organisationsstrukturen, klaren Hierarchien und Krisenabläufen mit.
Konkret erläuterte der Stadtrat, dass im Falle eines großflächigen Stromausfalls in Mahlsdorf oder anderen Teilen von Marzahn-Hellersdorf Grundschulen als erste Anlaufstellen für die Bevölkerung dienen würden. Vier davon gibt es in unserem Ortsteil. Aufgrund ihrer Größe, ihrer baulichen Voraussetzungen und ihrer Lage seien Schulen besonders geeignet, um dort Informationen zu bündeln, Menschen zu sammeln und – falls nötig – eine Notstromversorgung herzustellen. Die Schulen fungierten als sogenannte Katastrophenschutz-Leuchttürme und seien in der Regel für die meisten Menschen fußläufig erreichbar. Dort könnten auch Zelte aufgebaut werden, es stünde zudem Personal zur Verfügung.
Aus den Erfahrungen früherer Stromausfälle, neben dem Südwesten Berlins auch im Südosten im September 2025, habe man zudem gelernt, dass die Kommunikation zwischen den Behörden entscheidend ist. Deshalb sollen noch mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bezirksamts künftig mit sogenannten Blaulicht-Funkgeräten ausgestattet werden, um auch bei Ausfall von Mobilfunk und Internet miteinander kommunizieren zu können. Gleichzeitig räumte Bley ein, dass die personellen und technischen Ressourcen begrenzt sind: Derzeit verfüge das Bezirksamt lediglich über zehn einsatzfähige Laptops und damit zehn Mitarbeitende, die in einem solchen Krisenfall gleichzeitig arbeiten könnten. In der Theorie sei man vorbereitet, praktisch seien die Möglichkeiten aber begrenzt. Das Technische Hilfswerk habe zudem angemahnt, dass an einigen Stellen noch feste Notstromeinspeisungen fehlen – ein Punkt, an dem der Bezirk weiter arbeite.
Im Anschluss berichtete das Deutsche Rote Kreuz über seine Rolle im Katastrophenfall. Pflegeeinrichtungen im Bezirk seien erfasst und gelistet, sodass man relativ genau wisse, wo besonders schutzbedürftige Menschen leben und versorgt werden müssen. Schwieriger sei die Situation bei Menschen, die zu Hause gepflegt werden und nicht in offiziellen Einrichtungen registriert sind. Hier komme der Nachbarschaft eine entscheidende Bedeutung zu. Das DRK appellierte eindringlich daran, dass Nachbarinnen und Nachbarn miteinander im Kontakt bleiben und im Ernstfall auch stellvertretend Hilfe holen. Etwa, indem sie an einem Notfallpunkt darauf hinweisen, dass in der eigenen Straße oder im Haus eine pflegebedürftige Person lebt, die besondere Unterstützung benötigt. Das DRK verwies zudem auf seine engen Kontakte nach Brandenburg, von wo aus im Krisenfall Notstromaggregate, Medikamente und weitere Hilfsmittel organisiert werden können. Dennoch sei Eigenvorsorge unverzichtbar. Empfohlen wurde, wichtige Medikamente vorrätig zu halten, Notfallmedikamente, etwa Insulin, möglichst kühl zu lagern und dafür stets geladene Kühlakkus bereitzuhalten. Wer die Möglichkeit habe, könne auch über ein kleines Notstromaggregat nachdenken, um zumindest zwei bis drei Tage überbrücken zu können.
Für den Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Mahlsdorf sprach Wehrleiter Gabriel Hutfilz. Er unterstrich, dass die Feuerwehr im Blackout-Fall selbstverständlich Hilfe leiste, Informationen sammle und weitergebe und auch Anlaufstellen benenne. Wo genau die Feuerwehr im Ernstfall stationiert werde, entscheide jedoch die Leitung des Katastrophenschutzes im Bezirk. Wichtig sei vor allem, dass Informationen weiterfließen. In diesem Zusammenhang wies die Feuerwehr darauf hin, dass man sich im Notfall auch an Straßenbahn-, Bus- oder Taxifahrer wenden könne. Diese stünden über ihre Leitstellen in Kontakt mit den zentralen Einsatz- und Katastrophenschutzstellen und könnten Hilferufe weitergeben.
Die Feuerwehr machte außerdem auf die Vielzahl an Online-Informationsangeboten aufmerksam, in denen detailliert erklärt wird, wie ein Notfallrucksack gepackt sein sollte. Dort finden sich Checklisten für Wasser, haltbare Lebensmittel, Lichtquellen, Batterien, Stromversorgung, Medikamente und weitere Dinge, die benötigt werden, um mehrere Tage ohne Strom auszukommen. Die klare Empfehlung der Feuerwehr Mahlsdorf lautete: „Bitte richten Sie sich so ein, dass Sie drei Tage lang überbrücken können.“ Zusätzlich kündigte die Feuerwehr an, im Krisenfall an bestimmten Punkten Notstromgeneratoren aufzustellen, etwa um Mobiltelefone laden zu können. Kommunikation sei eines der wichtigsten Güter – und dabei sollten immer auch die Nachbarn mitgedacht werden.
Das Technische Hilfswerk ergänzte die Ausführungen mit einem Blick auf die technische Seite der Stromversorgung. Es stellte klar, dass bei einem großflächigen Blackout zunächst Krankenhäuser, Pflegeheime und andere kritische Infrastrukturen oberste Priorität haben. Für die restliche Bevölkerung bedeute das, dass Eigenständigkeit für eine gewisse Zeit notwendig sei. Gute Erfahrungen habe man mit Balkonkraftwerken gemacht, die bei ausreichender Sonneneinstrahlung zwei bis drei Tage lang zumindest Kühlschränke und kleinere Geräte versorgen können. Über spezielle Netztrennschalter sei es möglich, solche Anlagen sicher zu betreiben. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass die Stromversorgung für Marzahn-Hellersdorf über eine zentrale Trasse aus Richtung Werneuchen erfolgt, die zwar gut bewacht ist, aber im Falle eines Anschlags oder einer Störung insbesondere Mahlsdorf treffen würde.
Auch der Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) kam zu Wort und riet den Bürgerinnen und Bürgern, ihre Versicherungsverträge genau zu prüfen. Nicht jeder Versicherungsschutz decke Schäden oder Folgekosten ab, die durch einen längeren Stromausfall entstehen können.
Abschließend sprach die Berliner Bildungssenatorin und Mahlsdorfer Wahlkreisabgeordnete Katharina Günther-Wünsch (CDU). Sie zeigte sich besonders zufrieden mit den Möglichkeiten der Warn-App „Katwarn“. Über diese könnten im Ernstfall gezielt Informationen ausgespielt werden, etwa wenn eine Schule in Mahlsdorf nicht nutzbar sei, im benachbarten Ortsteil jedoch eine Notversorgung angeboten werde. Gleichzeitig wies sie auf ein zentrales Problem hin, das auch der Blackout in Steglitz-Zehlendorf deutlich gemacht habe: den sehr unterschiedlichen Mobilfunkempfang. Viele Menschen hätten weiterhin Netz gehabt, andere hingegen gar nicht. Hier müsse man dringend das Gespräch mit den Mobilfunkanbietern suchen, denn der Zugang zu Informationen sei im Krisenfall entscheidend.
Ergänzend wurde darauf hingewiesen, dass bei einem tatsächlichen Katastrophenfall auch Infowagen von Polizei und Ordnungsamt im Gebiet unterwegs wären. Diese könnten direkt angesprochen werden und dienten dazu, Informationen in die betroffenen Ortsteile zu tragen. Insgesamt machte die Veranstaltung deutlich: Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hat Strukturen aufgebaut und aus vergangenen Ereignissen gelernt – doch ohne Eigenvorsorge, nachbarschaftlichen Zusammenhalt und funktionierende Kommunikation lässt sich ein längerer Stromausfall nicht bewältigen.





