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Schulplatznot: Mahlsdorfer Elternsprecherin bittet Kanzlerin und Familienministerin um Hilfe – und attackiert Bezirkspolitik scharf

Das Mahlsdorfer Schulplatzdilemma ist mittlerweile über die Grenzen unseres Ortsteils hinaus bekannt (siehe Links am Ende des Beitrags). Nachdem in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass im kommenden Schuljahr täglich zwei zweite Klassen der Kiekemal-Grundschule vom Hultschiner Damm mit Bussen nach Kaulsdorf geshuttelt werden müssen, wendet sich die Elternsprecherin Jana Löschke in ihrer Not nun an die große Politik. Gestern verschickte sie einen Brief an die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU) sowie die Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey (SPD). „Ich habe den beiden geschrieben, da die Eltern und ich nicht mehr weiterwissen und alle üblichen Wege, die wir kennen, ausgeschöpft zu sein scheinen“, so Jana Löschke.

In dem Schreiben, welches „Mahlsdorf LIVE“ unten veröffentlicht, schildert die Gesamtelternsprecherin zunächst die Platznot an der Kiekemal-Grundschule der in den vergangenen Jahren, die fehlgeschlagenen Versuche neue Räumlichkeiten zu errichten sowie Dramatik für das Schuljahr 2020/2021 – wenn die Schule mit 180 Prozent überbelegt sein wird. Weiterhin greift Löschke die Politiker des Bezirks an: „Man wirft uns auch gern Jammern auf hohem Niveau vor, da es ‚uns‘ doch allen so gut ginge im Verhältnis zur Großwohnsiedlung. Und das macht unsere Argumente so gut wie ungehört. Aber dieses politische Kalkül darf doch nicht auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen werden.“ Von der Kanzlerin sowie der Familienministerin fordert Jana Löschke im Namen der gut 600 betroffenen Kinder und deren Eltern nun, per Notfallverordnung den sofortigen Ersatzbau auf dem Lehnitzplatz zu veranlassen.

Und hier der Brief in seiner ganzen Länge:

Sehr geehrte Frau Bundesministerin,

diese Nachricht macht sich auf den Weg zu Ihnen, da wir nicht mehr weiterwissen und alle üblichen Wege, die wir kennen, ausgeschöpft zu sein scheinen.

Mein Name ist Jana Löschke und ich bin die Gesamtelternvertreterin der Kiekemal Grundschule in Berlin Mahlsdorf.

Unsere Schule ist eine Anfang der 2000er errichtete Grundschule im größten zusammenhängenden Einfamilienhausgebiet Europas. Behördlich gehören wir zu Marzahn-Hellersdorf. Die Schule wurde ursprünglich für 2,5 Züge geplant, wurde aber von Anfang an 3-zügig betrieben und hatte alle Vorraussetzungen, die eine INKA-Schule (Inklusionsschule) erfüllen musste. Seit gut 10 Jahren hat der Ausbau der Einfamilienhausgebiete stark zugenommen, was die logische Folge hatte, dass der Bedarf an Grundschulsplätzen entsprechend stieg. Seit 2016 bereits kämpft unsere Direktorin Frau Bloch mit viel Herzblut dafür, dass entweder die Einzugsbiete angepasst werden oder mehr Räume geschaffen werden, da immer mehr Fach- und Teilungsräume, die für den Inka- und qualitativ hochwertigen Schulbetrieb unabdingbar sind, für zusätzliche Kinder aufgegeben werden mussten. 2017 haben wir das erste Mal lautstark demonstriert und haben zwei kleine Container genehmigt bekommen, die bis zum Neubau einer neuen Schule überbrücken sollten. Nicht nur erwiesen sich die Container als unbeschulbar für Klassenstärken über 22 Kinder (unser Durchschnitt liegt bei 28), auch verschob sich der Neubau der Grundschule in der Elsenstraße aufgrund verschiedenster Gründe (Behördenversagen bis hin zu politischem Kalkül) immer weiter und wurde bis heute nicht realisiert. Aktuelles Fertigstellungsdatum: frühestens zum Schuljahr 2024/25.

Inzwischen werden bereits drei Jahrgänge 4-zügig beschult. Damit liegen wir bei einer Auslastung von 150% und sind die am stärksten überbelastete Grundschule im gesamten Bezirk und Berlins. Was das für den Alltag in den Gängen und zur Mittagsversorgung bedeutet, bedarf es nicht weiter auszuführen. Die bestätigten Anmeldezahlen für das nächste Schuljahr zwingen unsere Direktorin zum nächsten Schuljahr jedoch zur Aufnahme von 5! Ersten Klassen. Das bedeutet eine Auslastung von 180%.

Im Herbst letzten Jahres, als sich die Anmeldezahlen ankündigten, haben wir als Eltern wieder Alarm geschlagen und haben nach einer großen Demonstration erste Reaktionen des Bezirksamts erzielt. Es wurden uns sogenannte Fliegende Klassenzimmer (FKZ) angeboten, die mit 12 zusätzlichen Klassenräumen sowie 6 Teilungsräumen die dringend nötige Entlastung auf einem nahegelegenen Grundstück bringen sollte. Am 19.12.2019 waren wir im Sinne der politischen Bildung mit 25 Kindern im Senat in Berlin und haben Wunschzettel an das Büro von Frau Scheeres übergeben, die die Finanzierung der beiden FKZ zum Ziel hatten (4,9 Mill.) Bereits am 17.1.2020 hat der Senat diese Gelder bestätigt. Die Berliner Arbeitsweise kennend und bedenkend, dass dazwischen zwei Wochen Weihnachtsferien lagen – ein absoluter Rekord. Einher ging diese Übergabe jedoch mit mehreren Drohungen möglicher Disziplinarverfahren an unsere Direktorin, die die Wunschzettel zusammen mit mir und den Kindern übergeben hatte – man warf ihr vor, sie würde die Kinder für demokratische Zwecke missbrauchen. Zum Glück blieb es nur bei Drohungen.

Als alle Gelder da waren, das Grundstück zur Verfügung stand und der Hersteller seine Verfügbarkeit bestätigt hat, ging alles an das Bauamt in Marzahn-Hellersdorf unter der Leitung von Frau Witt. Und da stehen wir noch heute! Aufgrund akutem Personalmangel hatte man weder eine Ausschreibung verfasst noch hatte man sich auch nur ansatzweise mit einer Realisierung, Bauantrag etc. befasst. Im Februar teilte man uns mit, dass eine Realisierung zum Schulbeginn diesen Jahres nicht mehr möglich sei und man frühestens März 2021 mit einer Umsetzung rechnet. Nur zur Erinnerung, wir sprechen über mobile Klassenräume, deren Finanzierung steht, sie physisch verfügbar sind, das Konzept in Berlin bereits bewährt ist (Bezirk Tempelhof-Schöneberg) und das Grundstück zur Verfügung steht!

Wenn das alles nicht schon unglaublich genug ist – der RBB berichtete bereits über uns – kam jetzt Corona und ziemlich zeitgleich der Bescheid, dass zwei dann zweite Klassen an eine anderen Grundschule, die selbst mit akutem Platzmangel, zu kleinem Schulhof und dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen hadert, ausgelagert werden müssen – per Busshuttle versteht sich.

Damit ist das Fass zum überlaufen gebracht worden. Es steht aktuell nicht einmal fest, ob die jetzigen ersten Klassen dieses Schuljahr überhaupt noch zur Schule gehen werden, wie es den Eltern damit geht, steht außer Frage. Fest steht jedoch, dass unsere überlegte Schule bereits mit dem Wiedereinstieg der 6. & 5. Klassen und der Notbetreuung aufgrund der jahrelangen Raumverknappung bereits unter Betrachtung der Hygienevorschriften seine Kapazitäten erreicht hat! Und hier sprechen wir über 2 der letzten drei 3-zügigen Jahrgänge!! Es fehlen dann noch drei 4., vier 3. und vier 1. Klassen!

Gerade in diesen Zeiten würden diese 12 zusätzlichen Räume der Schule die nicht nur bildungstechnisch notwendige Entlastung bringen, sondern die Gesundheit der Kinder und alle mit ihnen in Kontakt stehenden Personen besser ermöglichen. Stattdessen setzt man sie in einen Buss, ohne Abstand versteht sich, fährt sie in einen neuen Virenraum und gefährdet nicht nur die zwei Klassen selbst, sondern auch alle Schüler der anderen Schule! – Nebenbei auch noch die unserer Schule, da die Kinder weiterhin Sportunterricht an unserer Schule haben werden, denn die Ausweichschule verfügt nicht über eine Sporthalle!

Und das alles – weil man sich im Bauamt nicht dazu entschieden hat, dieses Projekt zu priorisieren.

Um das Ganze kurz auf die politische Schiene zu ziehen: Mahlsdorf ist zum Großteil CDU-geprägt. Die AfD hält auch Anteile, aber die regierenden Parteien Marzahn-Hellersdorfs (SPD/Linke/Grüne) sind traditionell nicht stark verwurzelt. Man wirft uns auch gern Jammern auf hohem Niveau vor, da es „uns“ doch allen so gut ginge im Verhältnis zur Großwohnsiedlung. Und das macht unsere Argumente so gut wie ungehört. Aber dieses politische Kalkül darf doch nicht auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen werden!!!!

Es muss doch möglich sein, diese mobilen Räume kurzfristig aufzustellen!!!! Besonders in dieses Zeiten, die besonders von uns als Eltern der Kleinsten Spagate in einer für uns nie dar gewesenen Form abverlangt – darüber jammern wir auch nicht! – aber warum kann man hier nicht in einer Form unterstützen, die allen!!! Und ganz besonders diesen kleinen Kindern hilft!!!.

Wir benötigen dringend Ihre Hilfe, da wir uns anders nicht mehr zu helfen wissen. Im Namen unserer dann gut 600 Kinder und deren Eltern bitte ich Sie per Notfallverordnung den sofortigen Ersatzbau auf dem Lehnitzplatz zu veranlassen. Nur so kann das Schuljahr 2020/21 für alle Schüler vernünftig beginnen.

Vielen Dank für Ihre Zeit und hoffentlich für Ihr Verständnis! Für Rückfragen stehe jederzeit gern zur Verfügung.

Hochachtungsvoll,

Jana Löschke

Hier unsere älteren Berichte zum Thema:

Ausweichstandort kommt erst im März 2021: https://www.facebook.com/103892096701735/posts/853781981712739/?d=n

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