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Schwere Vorwürfe in TV-Bericht: Was ist los an der Freien Schule in Mahlsdorf?

Keine Noten und wenig Leistungsdruck, Entfaltung der Persönlichkeit und Förderung künstlerischer und handwerklicher Kreativität: das sind pädagogische Grundsätze von Schulen in freier Trägerschaft. Sie sind meisten kleiner und überschaubarer und vor allem selbst verwaltet von Lehrern und Eltern. Immer mehr Familien entscheiden sich für diese privaten Bildungseinrichtungen, mittlerweile gibt es bundesweit mehr als 5800.

Eine davon steht in Mahlsdorf. Die Freie Schule am Elsengrund, laut Eigenbeschreibung lernen hier 160 Kinder in den Klassen 1 bis 12 und 30 Mitarbeitern. Diese gerät nun durch den am späten Mittwochabend Film WDR ausgestrahlten Film „Wenn Rechtsextremisten freie Schulen unterwandern” ins Scheinwerferlicht. In dem Beitrag von Caterina Woj und Andrea Röpke werden zahlreiche schwere Vorwürfe, vor allem gegen die Schulleitung erhoben.

  • Laut WDR tritt 2013 der bekannte Rechtsextremist und Gründer des europaweiten Holocaustleugner-Zusammenschlusses „Europäische Aktion” an die Mahlsdorfer Schule heran, um seine Kinder hier einzuschulen. Er wird aufgenommen. Laut André Blessig, der 2008 die Schule mitgründete, und im Film mehrfach zu Wort kommt, pflegten Schaub und die heutige Schulleitung ein „freundschaftliches Verhältnis”. Die Schulleitung äußerte sich dazu gegenüber dem WDR nicht.
    Eltern wandten sich nach Schaubs Aufnahme an den Bund der freien Waldorfschulen, dieser entzog der Mahlsdorfer Schule nach einer Prüfung den Zusatz „Waldorf”.
  • Der Justiziar des Bunds behauptet im Film, an der Schule würden Schriften und rassistische Sichtweisen verbreitet.
  • Laut André Blessig herrschte an der Schule ein diktatorischer und sektenartiger Führungsstil, nun würde man dort ein „menschenverachtendes System leben”.
  • Der Schulleitung wird vorgeworfen, sie hätte zur Bildung den Internet-Sender „Quer-Denken.TV” oder die Videos des Verschwörungstheoretikers Ken Jebsen empfohlen. Gegenüber dem WDR bestreitet die Schulleitung das.
  • Angeblich war im April 2019 der antisemitische Videoblogger Nikolai Nerling in die Schule in der Elsenstraße eingeladen. Der WDR zeigt ein Foto des „Volkslehrers” mit Schülern, ob dieses in Mahlsdorf aufgenommen wurde, ist nicht erkennbar. Die Schulleitung äußert sich dazu nicht.
  • Ein ehemaliger Geschichtslehrer der Schule behauptet, dass die Schulleitung ihm nach dem Unterricht in einer 9. Klasse gesagt hätte, er dürfe das Parteiensystem Deutschlands vor einer Bundestagswahl nicht besprechen. „Das wäre Beeinflussung der Schüler und Geschichte hätte nichts mit Politik zu tun.” Die Schulleitung bestreitet gegenüber dem WDR den Vorwurf.
  • Bestätigt hat sie dem WDR aber, dass ein Praktikant eine Klasse in Physik unterrichtete. Nun wäre dieser aber Hilfserzieher im Hort.
  • Die mobile Beratung gegen Rechtsextremismus prüft anhand von Hinweisen einiger Eltern den Fall. Laut ihr werden im Unterricht wichtige Inhalte weggelassen, etwa die Geschichte des Nationalsozialismus.

Schwere Vorwürfe gegen die Freie Schule am Elsengrund. Fakt ist aber auch: die zuständige Schulaufsicht konnte trotz einer detaillierten und umfangreichen Auflistung keine Mängel feststellen. Dem WDR teilte die Senatsverwaltung für Bildung: „Bislang konnten keine Tatsachen festgestellt werden, die die formale Einleitung eines Verfahrens zum Entzug der Genehmigung nach sich gezogen hätten. Der Beratungsprozess der Schulleitung wird fortgesetzt.”

„Alles Mahlsdorf” fragte im Vorfeld des WDR-Films bei der Schulleitung der Freien Schule an, die zu diesem Zeitpunkt noch keine Kenntnis von den oben beschriebenen Vorwürfen hatte. Geschäftsführer Andreas Schöpfer antwortete per Email, dass an der Freien Schule am Elsengrund rechtsextremistische Äußerungen „nicht geduldet” werden und es „niemals” rechtsextreme Vorfälle gab. Auch schrieb er, dass nicht ausgeschlossen werden kann, „dass der WDR beabsichtigt, von der Senatsverwaltung für Bildung längst als erfunden entlarvte Verleumdungen böswillig zu kolportieren”. Dieser Verdacht habe sich leider bestätigt, so Schöpfer weiter. Und weiter: „Schulverträge werden durch die Freie Schule am Elsengrund nur bei Vorliegen eines Kündigungsgrundes gekündigt.„Sippenhaft“ ist kein Kündigungsgrund, sondern eine widerwärtige Nazi-Methode. Auch Kinder von angeblich oder tatsächlich Rechtsextremen sind schulpflichtig.“

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