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Montag, März 8, 2021
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Vorwürfe, Finanzierungs-Streit, Polemik: Großer Zoff um Mahlsdorfer Fußballverein

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Der FSV Blau-Weiß Mahlsdorf/Waldesruh hat ein, und dies ist schon im Vereinsnamen manifestiert, Länderproblem. Denn die Spielgemeinschaft ist zwar offiziell im brandenburgischen Hoppegarten beheimatet, organisiert ist sie aber im Berliner Fußball-Verband, sowohl Herren- als auch Jugendmannschaften nehmen am Spielbetrieb in der Hauptstadt teil. Zudem stammt der überwiegende Teil der mehr als 600 Vereinsmitglieder aus Berlin, vornehmlich aus Mahlsdorf. Diese Konstellation eines Berliner Vereins (der FSV wurde 1931 als „Mahlsdorfer Fußball-Club 31“ gegründet) auf Brandenburger Boden führt seit Jahren zu immensen bürokratischen Problemen – wie tief diese liegen, zeigte sich vor wenigen Tagen. Dazu später mehr, zunächst der Ist-Stand:

Aktuell bekommt der Verein weder aus Brandenburg noch aus Berlin eine Förderung, gerade in Zeiten des Lockdowns entsteht dadurch ein finanzieller Kraftakt. Um diesen abzumildern, trafen sich am vergangenen Mittwochabend der Bürgermeister der Gemeinde Hoppegarten, Sven Siebert, und der Mahlsdorfer Wahlkreisabgeordnete Mario Czaja (beide CDU) mit dem Vorstand des FSV Blau-Weiß, um Möglichkeiten von Förderung zu besprechen. Anschließend postete Czaja ein Foto vom Treffen auf seiner Facebook-Seite. Politische Öffentlichkeits-Arbeit, soweit so normal.

Dieses Foto postete Mario Czaja nach der Besprechung mit dem Vorstand des FSV.

Weniger gewöhnlich ist allerdings der Streit, den die Veröffentlichung auslöste. Thomas Scherler etwa, Chef der CDU in Hoppegarten sowie Vorsitzender des dortigen Sportausschusses, teilt in der Kommentarspalte gegen den Verein aus. Diese bekäme das gesamte Gelände für eine „Freundschaftspacht“, zudem habe die Gemeinde fast eine viertel Million Euro für den Vereinsbau überwiesen. „Anträge für Mittel aus dem Topf der Gemeinde für Vereinsförderung lagen bis heute nicht auf dem Tisch“, so Scherler. Außerdem wirft er dem Vereinsvorsitzenden Frank Mulack vor, dass er diesen nur sehen würde, wenn es um neue Finanzierungen gehen würde – und der FSV sich sonst eher wenig in Hoppegarten engagiert. „Also ich sehe euren Chef immer nur, wenn er Geld haben will, bei Gemeindefesten oder in unseren Schulen eher nicht. Der Verein bettelt in Berlin um Hallennutzungszeiten, bei uns hat er sich nicht mal am Verfahren zur Betreibung der neuen Zweifeldsporthalle beteiligt“, so Scherler. Auch Jan-Peter Bündig und Kay Juschka, beide ebenfalls im Vorstand der CDU in Hoppegarten, nehmen (mit weniger markigen Worten) ihre Gemeinde in Schutz.

Aber wo liegt denn nun die Wahrheit? Wahrscheinlich in der Mitte. Schon in den 1990ern wollte der Verein etwa einen Kunstrasenplatz errichten. Da durch Spenden und eine Fußmatten-Verkaufsaktion allerdings nicht genug Eigenkapital zusammengesammelt werden konnten, zogen sowohl die Gemeinde Hoppegarten als auch der Bezirk Marzahn-Hellersdorf ihre Zusagen zur Finanzierung zurück. Auch heute ist der Kampf ums Geld eine Sisyphos-Arbeit, Jahr für Jahr muss der FSV erneut Förderanträge bei der Gemeinde stellen, die mal genehmigt, mal abgelehnt werden. 2018 wurden alle drei Anträge der Blau-Weißen positiv beschieden, 2019 einer (es gab auch nur einen), auf einer „Mahlsdorf LIVE“ vorliegenden Liste mit Anträgen auf Sportförderung im Jahr 2020 taucht der FSV allerdings nicht auf. Warum kein Antrag gestellt wurde oder ob dieser nur untergegangen ist, ist unklar. Sicher ist jedoch: Ebenso alljährlich wie in Brandenburg muss der Verein beim Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf in Berlin einen Antrag auf kostenlose Nutzung der Sporthallen im Winter stellen – für Brandenburger Vereine fällt sonst eigentlich eine Gebühr an. Die Befreiung von dieser durch den Sportstadtrat Gordon Lemm (SPD) sowie die für Finanzen zuständige Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Die Linke) lief im März 2020 aus und muss nun neu verhandelt werden. Ähnlich verhält es sich mit der sogenannten SPAN-Förderung, einer Sportförderung für Vereine durch die öffentliche Hand. Von Vereinsseite heißt es jetzt dazu: „Das bedeutet, sämtliche Betriebskosten (Strom für das Flutlicht/Vereinsgebäude, die Platzwartkosten, Rasensamen, Dünger, Rasenmäher usw.) muss der Verein selbstständig aus den Mitteln der Vereinskasse aufbringen. Unser Wunsch ist es, die Kraft und Zeit, die wir seit Jahren mit Bürokratie verbracht haben, in die Förderung unserer Jugend und in die Weiterentwicklung unseres Vereins investieren zu können.“ 

Fazit des Ganzen? Der FSV Blau-Weiß Mahlsdorf freut sich, dass Politiker aus beiden Bundesländern über die Belange des Vereins diskutieren. Bei den Beteiligten selbst dürfte allerdings ein grummeliges Bauchgefühl zurückbleiben. Mario Czaja etwa schüttelte über das Verhalten seines Parteikollegen Thomas Scherler den Kopf: „Wenn ich sehe, wie sich CDU-Leute aus Hoppegarten hier verhalten, schäme ich mich echt für unsere Partei.“ Der Angesprochene giftete zurück: „Nachdenklich macht mich nur Ihre Unkenntnis des Sachverhaltes, dafür sollten Sie sich schämen. Besonders für Ihre Art von Schaufensterpolitik mit netten Bildchen.“

Am Vereinsheim des FSV beteiligte sich die Gemeinde Hoppegarten mit 250.000 Euro.

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