Katharina Günther-Wünsch hat die Erststimmen für sich gewonnen, bleibt Wahlkreisabgeordnete für Mahlsdorf/Kaulsdorf-Süd. Die AfD aber hat bei den Zweitstimmen die meisten Kreuze in unserem Ortsteil für sich ergattert. Und dann gab es am Sonntag ja noch die Entscheidung für die Wählenden für die Bezirksverordnetenversammlung, also für die Menschen, die unmittelbar für Mahlsdorf Entscheidungen treffen. Vom Gehwegneubau über Bushaltestellenbeleuchtung bis Schwimmbad-Millionen. Und auch hier hat die AfD abgeräumt.
Die politischen Kräfteverhältnisse in Marzahn-Hellersdorf haben sich seit Sonntag deutlich verändert. Bei der BVV-Wahl kommt die AfD auf 33,8 Prozent und ist damit stärkste politische Kraft im Bezirk. Dahinter folgt die Linke mit 20,3 Prozent, die CDU erreicht 18,2 Prozent. Für die AfD bedeutet das 20 der insgesamt 55 Sitze in der Bezirksverordnetenversammlung, also fast die Hälfte. Die Linke erhält zwölf Sitze, die CDU elf. Auf SPD und BSW entfallen jeweils vier Sitze, die Grünen kommen auf drei Sitze. Die Tierschutzpartei zieht mit einem Sitz erneut in die BVV ein.
Klar ist: Damit verfügt keine Fraktion allein über eine Mehrheit. Die künftige politische Zusammensetzung des Bezirksamtes wird deshalb erst in den kommenden Wochen geklärt. In Mahlsdorf hat man sich für blau entschieden. Lediglich im Bereich rund um die südliche Landsberger Straße im Norden sowie Summter Straße, Lehnitzstraße und Paul-Wegener Straße im Süden gingen die meisten Stimmen an die CDU. Das hat Folgen. Denn: Spannend wird nun die Frage, wer künftig das Bezirksamt von Marzahn-Hellersdorf führt.
Dass die AfD stärkste Kraft geworden ist, bedeutet nicht automatisch, dass sie auch die Bezirksbürgermeisterin oder den Bezirksbürgermeister stellt. Diese werden von der BVV gewählt. Für die AfD stehen nach dem Wahlergebnis drei Vorschlagsrechte für Stadtratsposten im Raum, für die Linke zwei und für die CDU eines. Die bisherige Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic (CDU) hat bereits vor der Wahl erklärt, dass sie ihr Amt fortsetzen möchte. Ob sie dafür eine Mehrheit in der neu zusammengesetzten BVV organisieren kann, ist derzeit offen. Auch die Linke dürfte versuchen, mit ihrer Spitzenkandidatin Sarah Bigall eine Mehrheit für das Bürgermeisteramt zu erreichen. Eine besondere Rolle könnte dabei das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) spielen. Die Partei schafft erstmals den Einzug in die Marzahn-Hellersdorfer Bezirksverordnetenversammlung und erhält vier Sitze. Bei Abstimmungen über Personalien und Mehrheiten könnten diese Stimmen deshalb relevant werden.
Wie sich die neuen Mehrheitsverhältnisse auf konkrete Themen in Mahlsdorf auswirken, etwa Verkehr, Schulplätze, Wohnungsbau, ÖPNV oder die städtebauliche Entwicklung des Ortsteils, wird sich erst mit der Bildung des neuen Bezirksamtes und den ersten Entscheidungen der neuen BVV zeigen. Sonderlich viel „Mahlsdorf“ ist im neuen Bezirksparlament jedoch nicht vertreten. Jeanette Auricht und Thomas Harder von der AfD schafften es, dazu Martina Patzwall, Benjamin Raschke und Stefan Suck von der CDU. Hinzu kommen SPD-Politikerin Dr. Luise Lehmann, Manuela Neubert von den Grünen und Ina Seidel-Grothe vom BSW.





