Erst vor drei Jahren eröffnet: Hat die Mahlsdorfer Oberschule ein Brandschutzproblem?

Ein Jahr nach Grundsteinlegung hat die in Holzbauweise errichtete ISS Mahlsdorf im August 2019 den Betrieb aufgenommen. Bereits kurz danach gab es Vandalismus, Probleme mit der Verpflegung und Baumängel. Nun, da dies in den Griff bekommen wurde und man in Mahlsdorf mehr und mehr Lob über Konzept und Umgang mit Schüler:innen hört, taucht ein neues Thema auf. Offenbar hat die Oberschule ein Problem mit dem Brandschutz.

 

„In der Schule gibt es Mängel in der Ausstattung, die im Brand- oder Katastrophenfall die Rettung von Menschen, besonders von Menschen mit Behinderungen, erschweren“, so die Mahlsdorfer Bezirksverordnete Stefanie Wagner-Boysen von den Linken gegenüber „Alles Mahlsdorf“. Die Eltern einer 12-jährigen Rollstuhlfahrerin, die die Schule besucht, hatten sich an die Politikerin gewandt. Unter anderem gibt es nur einen Fahrstuhl, dessen Nutzung im Brandfall eh kritisch zu sehen ist. Kommt es hart auf hart, müsste das Mädchen allein in einen extra dafür vorgesehen Schutzraum Zuflucht suchen. Wagner-Boysen: „Dies ist natürlich nicht zumutbar. Für den Fall der Fälle muss ein Konzept her, dass das Mädchen hier eine Begleitung erfährt.“

 

Dies ist jedoch nicht das einzige Problem. Laut Wagner-Boysen sind alle Flurtüren Brandtüren (werden bei einem Feuer geschlossen), die die Rollstuhlfahrerin nicht allein aufbekommt. Hier könnten Not-Taster helfen. Mit ihrer Partei-Kollegin Regina Kittler, die in der vergangenen Legislaturperiode bildungspolitische Sprecherin der Linken im Abgeordnetenhaus war, besuchte Stefanie Wagner-Boysen die Oberschule und sprach die Probleme an. „Unser Drängen stieß bei der Schulleitung auf offene Ohren. Man ist sehr interessiert an der Nachjustierung des Brandschutzkonzepts. Es ist aber auch dringlich, da es Mängel in der Schule gibt, die im Brand- oder Katastrophenfall Menschenleben gefährden können. Diese müssen so schnell wie möglich behoben werden.“

In einem Antrag an die Bezirksverordnetenversammlung fordert die Politikerin nun eine gemeinsame Begehung der Schule mit der zuständigen Vertretung des Bezirksamtes, der örtlichen Feuerwehr, einem Schulleitungsmitglied, der/m Brandschutzbeauftragten der Schule, einer Vertretung betroffener Schüler:innen, einer Vertretung der Beschäftigten und der Eltern, um die Mängel festzustellen.

 

Ob es eine Änderung geben wird, bleibt abzuwarten. Denn das Schulgebäude besitzt eine gültige Baugenehmigung durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Bei der Planung und beim Bau wurden die aktuellen Rechtsvorgaben für den Bau öffentlicher Schulgebäude im Land Berlin berücksichtigt, inklusive der entsprechenden Musterraum- und Musterausstattungsprogramm der Senatsverwaltung für Bildung. Für diese Erteilung einer Baugenehmigung ist auch ein Brandschutzkonzept notwendig, welches im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens geprüft wird. Auch die Vorgaben für die Barrierefreiheit öffentlicher Schulgebäude sind berücksichtigt worden. „Des Weiteren besteht für das neue Gebäude noch Gewährleistung, so dass der Bezirk hier auch alleine keine Umbauten/Einbauten vornehmen kann“, so Schulstadtrat Dr. Thorsten Kühne (CDU) gegenüber „Alles Mahlsdorf“. Die Senatsverwaltung für Bildung äußerte sich auf Anfrage nicht.

 

Ein anderer Aspekt: Muss das Land Berlin bei seinen Typen-Bauten nachbessern? „Ja“, fordert Stefanie Wagner-Boysen. „In künftigen Schulen, die genau wie die Mahlsdorfer Oberschule gebaut werden, müssen die hier versäumten Punkte mitgedacht werden.“ Ähnlich argumentiert Kühne. „Auch die Typensporthallen im Land Berlin verfügen nicht über automatisch bedienbare Türen, so dass hier mobilitätseingeschränkte Personen zum Teil auf Hilfe angewiesen sind.“ Laut dem Stadtrat wurden diese grundsätzlichen Fragen bereits in der „Taskforce Schulbau“ angesprochen. Die aktuellen Vorgaben zur Barrierefreiheit sehen diesen Baustandard aber auch (noch) nicht vor.  

Die ISS Mahlsdorf wurde vor drei Jahren in der Straße an der Schule eröffnet.

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