An der Mahlsdorfer Grundschule verschärft sich die ohnehin angespannte Personalsituation drastisch. Wie „Alles Mahlsdorf“ erfuhr, sollen im kommenden Schuljahr Lehramtsstudierende eingesetzt werden, um den Unterricht überhaupt aufrechterhalten zu können. Gesucht werden acht Personen. Für Hauptfächer. In Vollzeit. Ab dem ersten Semester.
Nach Informationen aus dem schulischen Umfeld ist der Bedarf erheblich. Die acht zusätzlichen Kräfte sollen zwischen 14 und 28 Unterrichtsstunden pro Woche übernehmen sollen. Bemerkenswert dabei ist: Bewerben können sich in der Schule bereits Studierende ab dem ersten Semester, also ohne nennenswerte praktische Lehrerfahrung. Die riesige Personallücke erstreckt sich über nahezu alle Fächer. Neben den Kernfächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Sachunterricht werden deshalb nun auch Lehrkräfte für Musik und Sport gesucht. Hintergrund ist eine so große Zahl an fehlenden Unterrichtsstunden, dass selbst der grundlegende Stundenplan aktuell kaum abgedeckt werden kann.
Diese Entwicklung dürfte für Unruhe unter Eltern sorgen. Gerade an einer Grundschule, in der die Basis für den weiteren Bildungsweg gelegt wird, dürften viele die Qualität des Unterrichts gefährdet sehen. Die Aussicht, dass sehr junge Studierende, häufig Anfang 20 und zumeist wohl ohne pädagogische Praxis, zentrale Fächer unterrichten, dürfte von Teilen der Elternschaft kritisch betrachtet werden. Die Schulleitung selbst sucht bereits seit Jahren nach ausgebildetem pädagogischem Fachpersonal, geht nun der Weg der Studierenden-Suche.
Dabei handelt es sich nicht um einen Einzelfall. In mehreren Schulen des Bezirks ist der Einsatz von kommenden Lehrkräften, deren Staatsexamen und Referendariat noch in ferner Zukunft liegt, bereits seit Längerem gängige Praxis. Teilweise teilen sich mehrere Studierende ein Hauptfach im Wechsel, unterrichten also beispielsweise an unterschiedlichen Wochentagen dieselbe Klasse. In einigen Fällen übernehmen Studierende sogar Klassenleitungen, darunter auch in ersten Klassen.
Die Situation an der Mahlsdorfer Grundschule mit ihren rund 530 Kindern verdeutlicht damit ein strukturelles Problem im Berliner Bildungssystem. Zum Stichtag 1. November 2025 waren fast 2000 Studierende in der Hauptstadt als Lehrkräfte eingestellt, das sind fast 500 mehr als noch vor zwei Jahren. Zum Beginn des Schuljahres wurden im gesamten Bezirk Marzahn-Hellersdorf 93 neue Lehrkräfte unbefristet eingestellt, davon mehr als die Hälfte Quereinsteigende oder sogenannte LovL (Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung). Befristet eingestellt wurden 600 Menschen, darunter rund 400 Studierende, 141 LovL und 63 Pensionäre. Den Bezirk verlassen haben im vergangenen Jahr 182 Lehrkräfte.
Der akute Personalmangel zwingt Schulen zunehmend dazu, auf unkonventionelle Lösungen zurückzugreifen – mit ungewissen Folgen für die Unterrichtsqualität und die Bildungschancen der Kinder. Die Schulleitung hofft nun, kurzfristig ausreichend motivierte Studierende zu finden, um den Schulbetrieb im kommenden Jahr sicherstellen zu können.





