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Sie half krebskrankem Enkel: Oma Sabine ist „beste“ Frau aus Mahlsdorf

Mitte November riefen „Alles Mahlsdorf“ und das „House of Beauty“ vom Hultschiner Damm auf, die „beste“ Frau von Mahlsdorf mit einer Schönheits-Auszeit im Wert von 500 Euro zu belohnen. Zahlreiche Nominierungen gingen von unseren Leserinnen und Lesern ein. Gewonnen hat Sabine Ziemann. Im vergangenen Jahr leistete sie schier Unglaubliches: Neben ihrer Arbeit als Lehrerin an einer Schule für körperbehinderte Kinder und dem Kümmern um ihren herzkranken Mann war sie Tag und Nacht für die Familie ihres Sohnes Axel da. Dessen Sohn, ihr Enkel Ben, bekam die Diagnose Blutkrebs.

 

Heute vor einem Jahr steht das Ergebnis fest, welches der Mahlsdorfer Familie Ziemann die Füße unter dem Boden wegzieht. Nach einer Knochenmarkpunktion im Krankenhaus Berlin-Buch wird aus dem Verdacht Leukämie bitterer Ernst. Bereits am Vorabend erfährt Mama Anne-Kathrin von der Kinderärztin am Telefon, dass bei ihrem siebenjährigen Sohn Ben wohl Blutkrebs vorliegen würde. Sofort fährt sie in die onkologische Station nach Berlin-Buch, einen Ort, der für beide in den nächsten Monaten ihr zweites Zuhause werden soll. Und werden muss. Es ist das erste Mal, dass Oma Sabine einspringt. Während sich Anne-Kathrin Ziemann auf den Weg ins Krankenhaus macht, kommt Tochter Laura gerade vom Fußballtraining auf dem Rosenhag, ihr Mann Axel arbeitet gerade in der Nachtschicht in der technischen Leitstelle der BVG. Oma übernimmt. „Ich wusste schon nach dem Anruf nicht mehr wo oben und unten ist, habe nur noch funktioniert. Zum Glück wusste ich schon da, dass ich mich auf meine Schwiegermutter zu 100 Prozent verlassen kann.“

 

Und das kann sie auch in den kommenden zwölf Monaten. Ben wird zunächst mit hochdosiertem Kortison behandelt, zwei Chemotherapien schließen sich an. An Schule oder sein geliebtes Training bei Eintracht Mahlsdorf ist nicht zu denken, zu groß ist die Gefahr einer Corona-Infektion. Auch die Haare des kleinen Jungen fallen zwei Mal aus. „Dann gab es Kussi auf Glatzi, das war unser Spruch“, berichtet Sabine Ziemann. Sie lacht dabei, der Schmerz über das was ihr geliebter Enkel durchmachen muss, schimmert aber in jedem Satz durch. In all den Monaten spielt sie mit ihm, lernt mit ihm, gibt ihm Halt. Auch um Bens Schwester Laura, eine Viertklässlerin, kümmert sie sich rührend. Die 62-Jährige erklärt: „Familienzusammenhalt ist mir ganz wichtig, für mich selbstverständlich. Ich kenne das auch aus meiner eigenen Kindheit.“ Und dann ist sie neben ihrem eigenen Leben mit Mann und Vollzeitjob noch eine große emotionale Stütze für ihren Sohn Axel und Schwiegertochter Anne-Kathrin (beide arbeiten im Schicht-Dienst), pendelt ständig die zum Glück kurzen 200 Meter zwischen beiden Häusern, ist Tag und Nacht telefonisch erreichbar, kocht und packt auch in deren Haushalt wie selbstverständlich mit an. „Sie hat unsere Familie über alles gestellt. Geht nicht, gabs nicht. Ich habe keine Ahnung wie wir das ohne meine Schwiegermutter hätten schaffen sollen“, so Anne-Kathrin Ziemann.

 

Jetzt hoffen alle, dass der Krebs nicht zurückkehrt. Bis 24. November 2022 müssen sie Hoffen und Bangen. Denn sonst würde eine Knochenmarkstransplantation von einem Spender nötig werden. Ben muss zwar noch Medikamente schlucken und regelmäßig zur Kontrolle ins Krankenhaus, kann aber schon wieder in seine zweite Klasse in der Mahlsdorfer Grundschule und Tore für die Bambinis der Eintracht schießen. Axel Ziemann: „Wir sind trotz der schrecklichen Zeit dankbar, dass es heute so gut aussieht. Neben meiner Mutter, die schier Übermenschliches geleistet hat, haben wir auch von vielen anderen Seiten Unterstützung erhalten. Was er meint: Die Familie, die 2015 von Hellersdorf in die neue Heimat zog, erfuhr während der letzten zwölf Monate viel vom Mahlsdorfer Zusammenhalt. Die Rehabilitationstechnik-Firma „agivia“ aus der Landsberger Straße baute einen schwarz-gelben Rollstuhl in den Farben von Bens Lieblingsfußballverein Borussia Dortmund, den Speichenschutz ziert ein riesiges Foto des Stadions, persönlich überreicht vom Chef, ebenfalls ein Mahlsdorfer. Der Papa eines Mitspielers von Ben schrieb zudem einen bewegenden Brief an den BVB, Tage später bekam der Siebenjährige ein Trikot mit allen Unterschriften überreicht. Auch die Nachbarn fieberten immer mit und unterstützten wo es nur ging.

 

Auch Bianca Höschel, Geschäftsführerin des „House of Beauty“ und selbst Mama eines Sohnes in ähnlichem Alter, rührte die Geschichte der Familie Ziemann. „Ich bewundere die mentale Stärke von Oma Sabine und ziehe den Hut vor ihrer Kraft und dem Verhalten. Sie hat den Titel ‚beste Frau von Mahlsdorf‘ verdient“, so Höschel. Neben dem 500 Euro-Gutschein spendierte sie einen großen Blumenstrauß, eine edle Sektflasche, Geschenke und Ballons sowie einen Spaß-Gutschein für den Trampolinpark „Jump3000“ für die Kinder. Spontan legte sie zudem einen weiteren 500-Euro-Gutschein für Anne-Kathrin Ziemann drauf. Und so könnte der 24. November für die ganze Familie Ziemann kein Tag der schrecklichen Erinnerung mehr sein, sondern ein Datum des „Weißt du noch“. Des „Weißt du noch, als wir Oma Sabine endlich mal so richtig Danke sagen konnten.“

Sabine Ziemann mit Blumenstrauß, Sekt und Gutschein im Garten des Grundstücks ihres Sohnes.
"Oma Sabine" mit ihren Enkeln Ben und Laura
Familie Ziemann mit "House of Beauty"-Chefin Bianca Höschel (ganz rechts)

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