Straßenbahn von Mahlsdorf nach Hellersdorf: Grüne bringen alte Idee neu in den Wahlkampf

Die Diskussion um einen möglichen Lückenschluss im Berliner Straßenbahnnetz zwischen Mahlsdorf und Hellersdorf ist zurück. Die Grünen in Marzahn-Hellersdorf haben am Wochenende ein Video auf Instagram veröffentlicht, in dem sie für den in den letzten Jahrzehnten immer wieder angedachten sogenannten „Tramring Ost“ werben. Dieser führt vom Bahnhof Mahlsdorf über die Ridbacher Straße und Nossener Straße bis zur Riesaer Straße.


In dem Video äußern sich Manuela Neubert, Direktkandidatin für Mahlsdorf bei der Abgeordnetenhauswahl im kommenden September, sowie Niclas Rother, Direktkandidat in Marzahn-Nord. Der „Tramring Ost“ soll Köpenick über Mahlsdorf mit Hellersdorf verbinden und damit eine Lücke im bestehenden Netz schließen. Derzeit wird die Verbindung zwischen Mahlsdorf und Hellersdorf vor allem durch die Buslinie 195 abgedeckt. Neubert sieht in dem Projekt einen Gewinn für den öffentlichen Nahverkehr im Bezirk. „Der Tramring Ost würde Buslinien entlasten, Wege verkürzen und den ÖPNV attraktiver machen“, sagt sie in dem Video. Aus Sicht der Grünen wäre die neue Straßenbahntrasse ein zentraler Baustein für eine bessere und verlässlichere Mobilität in Marzahn-Hellersdorf. „Das ist unsere Vision für gute und verlässliche Mobilität in Marzahn-Hellersdorf“, so Neubert. Die geplante Trasse würde dort ansetzen, wo die Straßenbahn heute endet: am Bahnhof Mahlsdorf. Bislang müssen Passagiere aus der Treskowstraße bis zur Bushaltestelle gegenüber der „Snackdiele“ am Rewe-Supermarkt laufen, mit der Idee würde die Tram 62 unter der der Brücke in der Hönower Straße hindurchfahren. Von dort aus ginge es über den Kreisverkehr am Jacques-Offenbach-Platz, über die Ridbacher Straße, das Grundstück der Grundschule am Schleipfuhl bis zur Nossener Straße in Hellersdorf. Entlang der Nossener Straße existiert eine Fläche, die bereits vor Jahrzehnten für eine Straßenbahntrasse freigehalten wurde. Derzeit befinden sich dort Parkplätze und Grünflächen. Diese existieren aufgrund historischer Überlegungen aus dem letzten Jahrhundert, als die damals neuen Wohngebiete in Hellersdorf und Marzahn stärker an die Gewerbe- und Industriegebiete in Schöneweide angebunden werden sollten. Diese Rahmenbedingungen haben sich inzwischen deutlich verändert. Mit der Verwirklichung des „Tramring Ost“ könnten die Gleise an die in der Riesaer Straße bestehende Strecke angeschlossen werden.


Niclas Rother nutzt das Thema auch für Kritik am politischen Gegner. Die CDU habe eine Machbarkeitsstudie für die neue Straßenbahnstrecke versprochen, diese bislang jedoch nicht in Auftrag gegeben. Aus seiner Sicht sei dies ein weiteres Beispiel dafür, dass notwendige Infrastrukturprojekte im Berliner Osten verschleppt würden. Mit dem Vorschlag müsste jedoch die Planung der sogenannten „Verkehrslösung Mahlsdorf“ neu gedacht werden, hier endet die Straßenbahn an der Brücke in der Hönower Straße. Neu ist die Idee der Fortführung der Straßenbahnlinie allerdings nicht. Bereits 2018 berichteten wir auf unserer Facebook-Seite „Mahlsdorf Live“ über entsprechende Überlegungen. Grundlage war damals unter anderem der „Stadtentwicklungsplan Verkehr 2025“, der von der damaligen Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos) erarbeitet worden war. In diesem Plan war die Trasse als langfristige Maßnahme vorgesehen, mit einem möglichen Realisierungshorizont bis zum Jahr 2035. 


Inzwischen gibt es einen neuen „Stadtentwicklungsplan Mobilität und Verkehr Berlin 2030“. Auch dieser sieht die Verbindung zwischen Mahlsdorf und der Riesaer Straße weiterhin vor – ebenfalls als Langfristmaßnahme. Damit bleibt das Projekt zwar grundsätzlich im strategischen Blick des Landes Berlin, ohne dass daraus bislang verbindliche Schritte abgeleitet worden wären. Offen ist zudem weiterhin, wo genau die Straßenbahn künftig verlaufen soll. Eine konkrete Trassenführung ist bislang nicht festgelegt. Neben den in früheren Planungen und oben erwähnten skizzierten Routen über Ridbacher Straße und Nossener Straße wird immer wieder auch die Hönower Straße als mögliche Trasse genannt. Denkbar wäre hier die Variante einer Einbahnstraßenbahnführung, bei der Hin- und Rückrichtung über unterschiedliche Straßen geführt würden. Welche Lösung städtebaulich, verkehrlich und politisch durchsetzbar wäre, ist derzeit völlig offen.


Politisch war das Projekt lange umstritten. Noch im Jahr 2020 bezeichnete die CDU die Straßenbahnpläne als „verkehrspolitischen Irrsinn“ und warnte vor zusätzlicher Verkehrsbelastung. Auch Linke und SPD lehnten die Idee damals ab, insbesondere wegen der geplanten Trassenführung über das Gelände der Grundschule am Schleipfuhl. Ob der „Tramring Ost“ mehr wird als ein Wahlkampfthema, ist also offen. Weder Zeitpläne noch Kosten sind derzeit bekannt, verbindliche Planungen existieren nicht. Aktuell handelt es sich um Visionen und verkehrspolitische Leitbilder. Mit Blick auf die Abgeordnetenhauswahl im September dürfte das Projekt jedoch erneut Teil der Debatte um die Zukunft der Mobilität in Marzahn-Hellersdorf werden.

Die Trasse des "Tramring Ost" würde aller Voraussicht nach durch die Ridbacher Straße führen.
Der "Tramring Ost" führt vom Bahnhof Mahlsdorf über die Ridbacher Straße bis nach Hellersdorf.
Ein Screenshot aus dem Video von Manuela Neubert und Niclas Rother

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