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Montag, März 8, 2021
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Visuelles Gedächtnis des Ostens: In Mahlsdorf lagern mehr als eine Million Fotos aus der DDR

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Die Feierlichkeiten zum 30. Jubiläum des Mauerfalls sind erst einige Monate her, in knapp acht Monaten begeht das wiedervereinigte Deutschland dann seinen 30. Geburtstag. Gelebte Geschichte. Die, die nach der Wende geboren sind, haben mittlerweile selbst eigene Kinder und bei den Älteren verblasst die Erinnerung an die DDR immer mehr. Nicht so bei Andrea und Robert Grahn in Mahlsdorf – in ihrem Archiv lagern mehr als eine Million Fotos aus der Deutschen Demokratischen Republik. Das Ehepaar hütet ein visuelles Gedächtnis des Ostens. „Wir haben Pressefotos aus vier Jahrzehnten DDR, vom Leben im Osten, von Paraden, von Festen, von Prominenten und Politikern und auch banalen Alltagsituationen“, so Andrea Terzer-Grahn gegenüber „Mahlsdorf LIVE“.
Die 37-Jährige und ihre Mann Robert führen das DDR-Bildarchiv in der Dirschauer Straße, handeln hier in der Büroetage eines weißen Mehrfamilienhauses mit den Nutzungsrechten Dutzender bekannter Profifotografen aus der DDR, etwa von Klaus Morgenstern oder Manfred Uhlenhut oder Lothar Willmann. Angefangen hat alles mit einer Rettung alter Schwarz-Weiß-Negative aus dem Müllcontainer: Robert Grahn, Jahrgang 1964, war als junger Pressefotograf in der Wendezeit beim „neues deutschland” angestellt. Weil die Zeitung aus damaliger (Kur)-Sicht alten Ballast abwerfen musste, wurden wie in vielen ehemaligen DDR- Betrieben alte Bildvorlagen in Postsäcke gestopft und sollten zerschreddert werden. Grahn entdeckte diese und barg sie zusammen mit einem ehemaligen Kollgen, es folgten fast zehn Jahre Dornröschenschlaf für die Fotos im Atelier des ehemaligen DDR- Grafikers Herbert Sandberg. In der eigens gegründeten Bildagentur ddrbildarchiv.de digitalisierte er Hunderttausende Negative und fand in seiner Frau Andrea nicht nur das private, sondern auch das beruflich perfekte Gegenstück. Die studierte Archivwissenschaftlerin brachte System ins Wirrwarr der Aufnahmen, heute lassen sich über einen eigens entwickelten Online-Shop in Mausklickschnelle zahlreiche Bilder zu jedem Thema und fast jedem Ort zwischen Putgarten und Plauen oder Guben und Marienborn finden. Vor allem Tageszeitungen, Magazine und Marketing-Agenturen gehören zu den Kunden, erst kürzlich waren Litfasssäulen und Plakatwände mit einem Foto der beiden Mahlsdorfer von der Groß-Demo am 4. November 1989 zugepflastert.
„Klar ist das Archiv unser Job und wir verdienen damit unseren Lebensunterhalt. Aber es ist auch eine Beschäftigung mit der eigenen Biografie, die Bilder sind Bestandteil eines wesentlichen Teils meines Lebens“, so Grahn. In Potsdam aufgewachsen begann er 1979 hat er bei der GST, der Gesellschaft für Sport und Technik, mit dem Segelfliegen. In den Kader der Luftstreitkräfte der NVA und in ihre MiGs schaffte er es aber nicht, wurde bei der flugmedizinischen Untersuchung ausgemustert. Durch seinen Vater Siegfried Gebser, Regisseur und Kameramann bei der DEFA, wurde Grahn auf ein Volontariat bei der Märkischen Volksstimme aufmerksam, bekam den Job. Die Fliegerei blieb sein Steckenpferd. 1994 macht er den Pilotenschein und auch dieses Hobby zum Beruf, Grahn ist neben „ddrbildarchiv.de” Inhaber der Agentur „euroluftbild.de”, die zusammen mit über 50 anderen bundesweit agierenden Fotografen Luftbildmaterial erstellt.
Derzeit bereiten sich Andrea und Robert Grahn auf ein neues Buchprojekt mit ihren Fotos vor. Und dann ist da ja noch der 3. Oktober 2020, der 30. Jahrestag des neuen, des aktuellen Deutschlands. Andrea Terzer-Grahn: „Es klingt heroisch, aber wir haben hier auch eine historische Aufgabe”. Visuelle DDR-Erinnerungen made in Mahlsdorf.

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