Kunsthaus Flora: Darum dürfen Privatpersonen oder Unternehmen das Gelände nicht nutzen

Das Kunsthaus Flora hat bewegte Jahrzehnte hinter sich. Seit fast 90 Jahren existiert es in der Mahlsdorfer Florastraße, derzeit ist die zum Bezirk Marzahn-Hellersdorf gehörende Hans-Werner-Henze-Musikschule Hauptnutzer des Gebäudes sowie des rund 5000 Quadratmeter großen parkähnlichen Geländes. Immer wieder gab und gibt es Ideen aus der Nachbarschaft, hier auch private Veranstaltungen stattfinden zu lassen. Dem erteilte das Bezirksamt nun eine klare Absage.


Der 80. Geburtstag der Oma. Die Jugendweihe. Eine große Firmenfeier. Möglichkeiten der Nutzung gäbe es im Kunsthaus genug. Aber während das Gebäude und sein weitläufiges Areal grundsätzlich öffentliches Eigentum sind, ist eine Nutzung durch Privatpersonen, Unternehmen oder externe Veranstalter derzeit vollständig ausgeschlossen. Dies bestätigte die Pressestelle des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf nun gegenüber „Alles Mahlsdorf“.


1938 wurde es als Heim der Hitlerjugend eingeweiht, nach dem Krieg eröffnete hier der erste Jugendclub Ost-Berlins. Ältere Mahlsdorferinnen und Mahlsdorfer erinnern sich noch immer gern an wilde Disco-Abende unter hohen Linden. Bis 1986, als die Kunst mit Töpferzirkeln, musikalischer Früherziehung, Kinderyoga und Fotografie ins Haus einzog. Heute ist das Kunsthaus Flora (seit 2018 wird es kommunal betrieben) kein klassisches Kulturhaus mehr, sondern fungiert als fester Standort der bezirklichen Musikschule. Seit Juli 2024 werden die Räumlichkeiten ausschließlich für Unterricht, Proben und Veranstaltungen im Rahmen des Musikschulbetriebs genutzt.


Mit dieser Neuausrichtung hat das Bezirksamt eine klare Entscheidung getroffen: Eine Vermietung oder externe Nutzung ist nicht mehr vorgesehen. Laut Bezirksamt gibt es dafür mehrere Gründe. „Die Räume sind mit hochwertigen und empfindlichen Instrumenten ausgestattet“, so Susan Hermenau, Leiterin der Pressestelle. Eine Fremdnutzung würde das Risiko von Beschädigung oder Verlust erhöhen. Zudem ist die Ausstattung ist nicht mehr auf Veranstaltungen ausgelegt (fehlendes Mobiliar, Technik) und da die Musikschule einen festen Lehrbetrieb unterhält, ist im laufenden Unterrichtsplan keine flexible Nutzung möglich.

Hinzu kommt ein grundsätzlicher Aspekt: Eine private oder kommerzielle Nutzung würde dem öffentlichen Bildungsauftrag widersprechen, den das Gebäude inzwischen erfüllt. Nach Angaben des Bezirksamts wird das Kunsthaus Flora bereits intensiv genutzt. An allen Wochentagen während der Schulzeit finden dort Angebote der Musikschule statt. Hinzu kommen etwa zehn Wochenenden pro Jahr sowie einzelne Veranstaltungen an Feiertagen. Hermenau: „Geplant sind beispielsweise ein Picknickkonzert, die Fete de la Musique und ein Adventssingen“. Mit laufenden Sanierungsmaßnahmen und einer neuen Standortleitung wird sogar eine noch stärkere Auslastung bis hin zur Vollbelegung angestrebt.


Auch das Außengelände, das im Vergleich zum Gebäude als relativ groß gilt, steht nicht frei zur Verfügung. Aktuell gibt es lediglich eine seit 2023 bestehende Kooperation mit dem Verein „Kiezprojekt“, der den Garten sowie Teeküche, Lager und Toiletten nutzen darf. Weitere Initiativen, Unternehmen oder Privatpersonen haben keinen Zugang und können das Gelände auch nicht buchen.


Dass das Kunsthaus Flora heute so restriktiv genutzt wird, ist das Ergebnis mehrerer gescheiterter Versuche in der Vergangenheit. Verschiedene Akteure, darunter Kulturvereine, die Volkshochschule und die Jugendkunstschule, hatten unterschiedliche Nutzungskonzepte erprobt. Diese scheiterten laut Bezirksamt vor allem an wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. So sei das Gebäude zu klein für rentable Veranstaltungen, das Gelände an sich dagegen zu groß und schwer zu bewirtschaften. Ein tragfähiges Modell für eine gemischte oder kommerzielle Nutzung konnte sich daher nicht etablieren. Trotz der Einschränkungen betont das Bezirksamt, dass das Kunsthaus Flora weiterhin der Allgemeinheit offensteht – allerdings nicht im Sinne einer freien Anmietung. Der Zugang erfolgt über die Angebote der Musikschule.  


Interessierte Bürgerinnen und Bürger können also teilnehmen, aber nicht selbst als Veranstalter auftreten. Für die Zukunft plant der Bezirk zwar eine Erweiterung des Angebots, etwa durch zusätzliche Veranstaltungen oder eine bessere Auslastung der Räume. An der grundsätzlichen Ausrichtung soll sich jedoch nichts ändern. Das Kunsthaus Flora bleibt also ein spezialisierter Bildungsstandort – und kein frei nutzbares Kultur- oder Veranstaltungszentrum.

Das Kunsthaus Flora in der Mahlsdorfer Florastraße exitiert seit 1938.

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