Trinker liegen bereits 6 Uhr auf dem Gehsteig: Scharfe Kritik am Zustand des Bahnhofs Mahlsdorf

In der Jackentasche eine Bierdose, den in eine Kapuze gehüllten Kopf an die Backsteinmauer gelehnt, die Beine weit von sich gestreckt. Am Donnerstagmorgen, kurz nach 6 Uhr, liegt ein offensichtlich nicht mehr Herr seiner Sinne schlafender Mann mitten auf dem Gehsteig vor dem Bahnhof Mahlsdorf. Um ihn herum startet der werktägliche Pendelverkehr. Kein Einzelfall. In den vergangenen Monaten tritt die Wohnungslosen- und Trinkerszene rund um den Bahnhof vermehrt in Erscheinung. Doch es gibt noch weitere deutliche Kritikpunkte.

 

Die Situation rund um den Bahnhof in der Hönower Straße verschlechtert sich nach Einschätzung der CDU-Abgeordneten Katharina Günther-Wünsch zunehmend. Der Bahnhof leide unter mangelnder Sauberkeit, erheblichen hygienischen Problemen und einem schwindenden Sicherheitsgefühl der Besucher. Dies schreibt die Bildungssenatorin in einem Info-Brief. Laut Günther-Wünsch würden sich vermehrt Anwohnerinnen und Anwohner seit längerer Zeit über die Missstände beklagen. „Der Bahnhof Mahlsdorf ist das Tor zu unserem Kiez. Umso wichtiger ist es, dass dieser Ort sauber, sicher und einladend ist. Leider entwickelt sich die Situation derzeit in die entgegengesetzte Richtung“, so die Politikerin.

 

Bereits in der Vergangenheit hätte man im Austausch mit der Deutschen Bahn gestanden und es hätte zeitweise Verbesserungen gegeben. Diese waren jedoch nicht von Dauer. Angesichts der erneuten Verschlechterung wurde nun erneut Kontakt mit den Verantwortlichen aufgenommen und auf die dringend notwendigen Maßnahmen hingewiesen. Eine Presseanfrage an die Deutsche Bahn, wie sie die Umstände sehe und was getan werden könnte, ließ das Unternehmen unbeantwortet.

 

Ein zentrales Problem ist laut CDU der Zustand der Bahnhofshalle sowie des Treppenaufgangs zu den Bahnsteigen. Verschmutzungen und zahlreiche Graffiti prägen das Erscheinungsbild. Nach Auffassung Günther-Wünschs müssten die Bereiche deutlich häufiger gereinigt und dauerhaft sauber gehalten werden. Insbesondere die großflächigen Graffiti sollten vollständig entfernt werden, um das Erscheinungsbild des Bahnhofs nachhaltig aufzuwerten. Besonders kritisch ist zudem die Situation unter der Bahnhofsbrücke. Dort führt die hohe Anzahl an Tauben (werden häufig von Personen auf der Grünfläche gegenüber gefüttert) regelmäßig zu erheblichen Verschmutzungen durch Taubenkot. Vor allem der Bereich der Bushaltestellen ist davon betroffen, wodurch Fahrgäste den Witterungsschutz häufig nur eingeschränkt nutzen können. 

 

Als konkrete Maßnahme wird vorgeschlagen, den Bushaltestellenbereich durch eine geeignete Plattenkonstruktion vor herabfallendem Taubenkot zu schützen, ähnlich der bereits bestehenden Lösung im Bereich des Taxistandes. Neben den hygienischen und optischen Problemen sehen viele Bürgerinnen und Bürger auch das Sicherheitsgefühl insbesondere in den Morgen- und Abendstunden beeinträchtigt. Nach Auffassung der CDU sollte der Sicherheitsdienst der Deutschen Bahn häufiger vor Ort präsent sein und konsequent gegen Personen vorgehen, die andere Fahrgäste belästigen oder den Bahnhof als Aufenthaltsort zum Herumlungern und Pöbeln nutzen. Eine sichtbare Präsenz des Sicherheitsdienstes könne wesentlich dazu beitragen, dass sich Pendler, Schülerinnen und Schüler sowie ältere Menschen am Bahnhof wieder sicherer fühlen.

 

Die geschilderten Missstände wurden bereits in einem persönlichen Schreiben an die Berliner Verkehrssenatorin Ute Bonde (ebenfalls CDU) sowie an den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für Berlin übermittelt. Ziel sei es, gemeinsam kurzfristige und nachhaltige Lösungen zu erreichen, um die Aufenthaltsqualität am Bahnhof Mahlsdorf spürbar zu verbessern. Außerdem brachte die CDU-Fraktion in die kommende Bezirksverordnetenversammlung einen Antrag ein, dass sich das Bezirksamt bei den zuständigen Stellen für eine Verbesserung der Situation einsetzen soll. „Dabei sollen regelmäßige Reinigungsmaßnahmen sowie geeignete kleinere bauliche, gestalterische, verkehrliche und sicherheitsbezogene Verbesserungen geprüft werden.“

Ein offenbar sturzbetrunkener Mann liegt am Donnerstagmorgen vor dem Bahnhof Mahlsdorf auf dem Gehweg.
Der Aufgang zu den Bahnsteigen ist mit Graffiti übersäht.
An der Bushaltestelle vor dem Bahnhofsgebäude liegen Dutzende Zigarettenstummel.
Der kleine Kiosk im Gebäude ist seit vielen Jahren geschlossen, davor liegen Leih-Fahrräder.
Neben einer Menge Taubenkot bedienen sich auch zahlreiche Krähen an den weggeworfenen Essensresten.
Am Zustand des Mahlsdorfer Bahnhofs in der Hönower Straße gibt es reichlich Kritik.

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