Mehr als 1100 Mitglieder. Mehr als 30 Mannschaften. Ein Herrenteam, das überregional strahlt. Tag für Tag, Wochenende für Wochenende Fußball pur. Eintracht Mahlsdorf ist Gemeinschaft, Zusammenhalt, ehrenamtliches Engagement und die Liebe zum Sport. Nun feiert der Verein sein 130-jähriges Jubiläum. Und alles begann mit einer fixen Idee zum Herrentag.

Die Wurzeln des Vereins reichen ins Jahr 1896 zurück. Einer Überlieferung zufolge fassten Mahlsdorfer Jungs am Himmelfahrtstag diesen Jahres während einer Wanderung den Entschluss, einen Turnverein zu gründen und ihm den Namen „Eintracht“ zu geben. Offizielle Vereinsverzeichnisse nennen dagegen das Jahr 1897 als Gründungsjahr. Unabhängig von dieser historischen Diskussion steht fest: Eintracht Mahlsdorf gehört zu den ältesten Sportvereinen des Berliner Ostens und begleitet die Entwicklung des Ortsteils seit mehr als einem Jahrhundert.

Zu Beginn standen Turnen und Wandern im Mittelpunkt. Doch schon früh gehörten Ballspiele zum Vereinsleben. Auf Ausflügen und bei sportlichen Zusammenkünften war der Ball stets dabei. Auch wenn die damaligen Bedingungen mit dem heutigen modernen Fußball wenig gemeinsam hatten, wurde bereits zu dieser Zeit der Grundstein für eine lange Fußballtradition gelegt. 1912 entstand die erste eigenständige Fußballgruppe innerhalb des Vereins. Gespielt wurde auf einfachen Freiflächen an der heutigen Hönower StraßeEcke Treskowstraße, die kaum den Anforderungen eines Sportplatzes entsprachen. Dennoch entwickelte sich der Fußball schnell zu einer festen Größe im Vereinsleben.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrach diese Entwicklung abrupt. Viele junge Sportler wurden zum Kriegsdienst eingezogen, der Sportbetrieb kam nahezu vollständig zum Erliegen. Doch wie so oft in der Geschichte Mahlsdorfs erwies sich die Gemeinschaft als widerstandsfähig. Bereits kurz nach Kriegsende formierte sich eine neue Fußballmannschaft auf einem Platz zwischen Fritz-Reuter- und Pestalozzistraße. In den frühen 1920er Jahren erhielt Eintracht Mahlsdorf im Norden unseres Ortsteils eine rund 22.000 Quadratmeter große Fläche für den Bau eines Sportplatzes. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals ein Gemeinschaftswerk. In tausenden freiwilligen Arbeitsstunden schufen die Mitglieder ihren Sportplatz „Am Rosenhag“ und errichteten erste Umkleidemöglichkeiten.

Der Verein entwickelte sich in dieser Zeit zu einem wichtigen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens im Ort. Sportfeste, Wettkämpfe und gemeinsame Veranstaltungen stärkten den Zusammenhalt in einer wachsenden Gemeinde, die 1920 Teil von Groß-Berlin geworden war. Als Arbeitersportverein war Eintracht Mahlsdorf, damals spielten die Mannschaften nicht wie heute in lila sondern in schwarz-gelb, von den politischen Entwicklungen der 1930er Jahre besonders betroffen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde eben jener Arbeitersport systematisch zerschlagen. Am 19. September 1935 mussten die Mitglieder unter Polizeiaufsicht die Auflösung ihres Vereins beschließen.

Mit dem Zweiten Weltkrieg kam das sportliche Leben erneut zum Erliegen. Bomben zerstörten 1944 sogar die Umkleidebaracke auf dem Sportplatz. Doch unmittelbar nach Kriegsende begann erneut der Wiederaufbau. Mal wieder. Bereits 1945 und 1946 wurde der Sportbetrieb erneut aufgenommen. Besonders bemerkenswert war dabei die starke Ausrichtung auf die Kinder- und Jugendarbeit. Viele Mahlsdorfer Kinder fanden auf den Sportplätzen der Nachkriegszeit nicht nur eine sportliche Heimat, sondern auch Zusammenhalt und Orientierung in schwierigen Jahren.

In den ersten Nachkriegsjahren gehörten Begegnungen mit Mannschaften aus ganz Berlin noch zum Alltag. Die erste Männermannschaft feierte beachtliche Erfolge und erreichte 1949 das Viertelfinale des Berliner Pokalwettbewerbs gegen den BSV 92. Als Prämie spendete der Bäckermeister Sperling für jeden Spieler ein Brot. Mit der politischen Teilung Deutschlands änderte sich jedoch auch der Sportbetrieb. Der gemeinsame Berliner Spielverkehr brach weitgehend zusammen. Kontakte zu Mannschaften aus West-Berlin oder der Bundesrepublik wurden zunehmend eingeschränkt und später nur noch mit behördlicher Genehmigung möglich. Das letzte Spiel gegen eine BRD-Mannschaft fand Ostern 1957 statt, gegen Concordia Kiel setzte es in Mahlsdorf ein 1:3. Ein geplantes Rückspiel fand nicht mehr statt. Dennoch entwickelte sich die Fußballabteilung weiter und blieb ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens in Mahlsdorf.

Wie viele Vereine wurde auch Eintracht Mahlsdorf in die staatlichen Sportstrukturen der DDR eingebunden. Trotz wechselnder Namen, etwa „Medizin Lichtenberg“ oder ab 1982 „Medizin Marzahn“ blieb die Verbindung zum Ortsteil und zur eigenen Tradition erhalten. Viele Generationen von Mahlsdorferinnen und Mahlsdorfern fanden auf dem Sportplatz Am Rosenhag ihre sportliche Heimat. Mit dem Ende der DDR und der Wiedervereinigung kehrte der Verein auf Initiative der Fußballabteilung zu seinem historischen Namen Eintracht Mahlsdorf zurück. Damit wurde bewusst an die Traditionen angeknüpft, die bis in die Anfänge des Ortsteils zurückreichen.

1999 entstand schließlich durch die Ausgliederung der Fußballabteilung der heutige BSV Eintracht Mahlsdorf, der sich seither zu einem der erfolgreichsten Fußballvereine im Osten der Hauptstadt entwickelt hat. Viele Jugendmannschaften spielen mittlerweile in den höchstmöglichen Ligen, immer wieder schaffen es Talente in den überregionalen Fußball. Dort spielt mittlerweile auch die erste Herrenmannschaft, das Team von Trainer Karsten Heine gehört seit Jahren zur Spitzengruppe der Oberliga. Und wer weiß, vielleicht gelingt 131 Jahre nach einer fixen Wander-Idee am Herrentag der Sprung in die Regionalliga…

 

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