Mahlsdorfer Verein sammelt 100.000 Euro für neuen Kunstrasenplatz: Und richtet klare Forderungen an die Politik

Der Fußballverein Blau-Weiß Mahlsdorf/Waldesruh steht vor einer der wichtigsten Entscheidungen seiner Vereinsgeschichte: Dem Bau eines Kunstrasenplatzes. Seit Jahren stößt der Verein mit seinen Trainingszeiten und der vorhandenen Platzqualität an Grenzen. Vor allem, weil der bestehende Naturrasen die intensive Nutzung durch die vielen Kinder- und Jugendmannschaften kaum noch verkraftet. Kunstrasen wäre hier die Lösung, und zwar eine dringend benötigte. Von Vereinsseite wird alles vorbereitet ist, nun wurde die magische Grenze von 100.000 Euro Eigenanteil geknackt.


Die Gesamtkosten für den Bau des Kunstrasenplatzes liegen bei rund 1,2 Millionen Euro. Normalerweise müssen zwischen 10 und 25 Prozent Eigenanteil durch die Antragsteller, also den Verein, selbst erbracht werden. Für Blau-Weiß Mahlsdorf/Waldesruh bedeutet das konkret. „Wir mussten bzw. wollten rund 100.000 Euro Eigenkapital aufbringen“, so Stefan Suck, der 1. Vorsitzende der Blau-Weißen gegenüber „Alles Mahlsdorf“. Das ist nun geschafft. „Ein Etappenziel, aber nicht ganz unwichtig.“ Möglich wurde dies durch zahlreiche Spendenaktionen, Sponsoren, Förderer sowie den außergewöhnlichen Einsatz der eigenen Vereinsfamilie. „Wir haben geliefert“, heißt es aus dem Vereinsvorstand. „Jetzt hoffen wir, dass auch die öffentliche Hand ihren Teil dazu beiträgt.“


Damit hat der Verein seinen Beitrag geleistet, der Rest müsste über Förderprogramme von Bund oder Land kommen. Und genau da wird es hakelig. Der Platz des FSV liegt in Waldesruh, auf Brandenburger Gebiet. Zuständig ist die Gemeinde Hoppegarten. Eigentlich wäre es die Aufgabe eben jener, den Verein beim Einwerben der Fördermittel zu unterstützen, denn der Platz liegt auf ihrem Gebiet. Aber: Zum Verein gehören rund 700 Mitglieder, davon etwa 500 Jugendliche und Kinder, die meisten „jedoch“ aus Mahlsdorf. Also aus dem benachbarten Bundesland Berlin. Das führt seit Jahren zu massiven Schwierigkeiten, denn für viele Förderprogramme ist eine kommunale Unterstützung Voraussetzung.  Für den Verein bedeutet das seit Jahren einen schwierigen Spagat zwischen zwei Bundesländern und erschwerte Bedingungen bei der Beantragung öffentlicher Finanzmittel.


Warum aber braucht es überhaupt einen neuen Kunstrasenplatz? Der bestehende Naturrasen ist der enormen Belastung längst nicht mehr gewachsen. Mehrere Mannschaften trainieren täglich auf derselben Fläche. Gerade in den Herbst- und Wintermonaten kommt es immer wieder zu Platzsperren und Trainingsausfällen. Ein Kunstrasen würde die jährliche Nutzungsdauer vervielfachen, wetterbedingte Ausfälle nahezu vollständig vermeiden und langfristig sogar geringere Unterhaltungskosten verursachen. Gleichzeitig könnten Turniere, Leistungsvergleiche und Nachwuchsveranstaltungen erstmals regelmäßig auf der eigenen Sportanlage stattfinden.


Und dass sich diese Investitionen in den Nachwuchs lohnen, beweist Blau-Weiß seit vielen Jahren. Immer wieder gelang es dem Verein, junge Talente auszubilden und auf ihrem Weg in den Profifußball zu begleiten. Zu den bekanntesten ehemaligen Spielern gehört Lennard Maloney, der über den Nachwuchs den Sprung in den Profifußball schaffte, für den Mainz 05 spielte und mittlerweile sogar Einsätze für die US-amerikanische Nationalmannschaft absolvierte. Oder Steven Skrzybski. Seine Mama arbeitet im Unternehmen ihres Mannes im „Café Seestraße“ am Hultschiner Damm, betrieben von der Bäckerei Jaenichen. Skrzybski selbst packt hier in den Sommer- und Winterpausen bei Gelegenheit mit an, „nebenbei“ spielte er für Holstein Kiel und Schalke 04 in der Bundesliga, selbst Champions League-Spiele stehen in seiner Vita. Hinzu kommt Albert Millgramm, der bis zur B-Jugend im Verein kickte, vor kurzem aus Magdeburg zum Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn wechselte. Und auch im Frauenfußball machte Blau-Weiß kürzlich von sich reden. Sarah Schatton wurde von Weltmeister Per Mertesacker mit der vom Fachmagazin „Kicker“ vergebenen Trophäe „Torjägerkanone für alle“ geehrt. 79 Tore in 13 Spielen erzielte sie in einer Saison für die Geschichtsbücher. In der vorvergangenen Spielzeit traf die heute 38-Jährige in der Frauen-Kleinfeldmeisterschaft der 4. Liga, der höchsten Liga in diesem Bereich – im Schnitt sechs Treffer pro Partie. Eine Torquote, die ihresgleichen sucht und die entscheidend zum Gewinn der Berliner Meisterschaft von Blau-Weiß Mahlsdorf/Waldesruh trug.


Darüber hinaus entwickeln sich Jahr für Jahr zahlreiche Nachwuchsspielerinnen und Nachwuchsspieler bei Blau-Weiß sportlich und persönlich weiter – viele wechseln später in Nachwuchsleistungszentren oder höherklassige Vereine. Der Verein versteht sich seit Jahrzehnten als Ausbildungsverein und leistet damit weit mehr als reine Freizeitgestaltung. Mit den nun erreichten 100.000 Euro ist der Verein seiner Verantwortung nachgekommen. Sämtliche Voraussetzungen auf Vereinsseite wurden geschaffen. Planungen, Gutachten und Projektunterlagen liegen bereits vor, sodass Förderanträge gestellt werden können.


Jetzt richtet sich der Blick auf Bund, Land Brandenburg und insbesondere auf die Gemeinde Hoppegarten. Der FSV Blau-Weiß Mahlsdorf/Waldesruh hofft, dass das beeindruckende Engagement seiner Mitglieder, Unterstützer und Sponsoren nun auch auf politischer Ebene Anerkennung findet. Denn am Ende geht es nicht um einen Luxusbau. Es geht um die Zukunft von mehr als 500 Kindern und Jugendlichen, um moderne Trainingsbedingungen, um ehrenamtliches Engagement und um einen Verein, der seit Jahrzehnten Menschen aus Berlin und Brandenburg miteinander verbindet. Der Eigenanteil ist geschafft. Jetzt ist die Politik am Zug.

Nach stärkerem Regen oder im Winter ist der Naturrasenplatz von Blau-Weiß Mahlsdorf/Waldesruh nicht nutzbar.

Datenschutzeinstellungen