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Mittwoch, Juli 28, 2021
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Holocausleugner und Rechtsextremist hielt Seminar für Lehrer an Mahlsdorfer Schule

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Die Freie Schule am Elsengrund kommt nicht aus den Schlagzeilen. Ein WDR-Film Ende Januar erhob schwere Vorwürfe gegen die Mahlsdorfer Schule, es ging um Kontakte der Schulleitung zu Rechtsextremen, einen diktatorischen und sektenartigen Führungsstil sowie die angebliche Verbreitung rassistischer Schriften („Alles Mahlsdorf“ berichtete mehrfach, siehe Links am Ende des Artikels). Die Schulleitung selbst bestritt die Vorwürfe bzw. äußerte sich nicht, auch eine Prüfung der Schule im Jahr 2020 ergab keine schwerwiegenden Missstände sowie keine Anhaltspunkte bezüglich der Vorwürfe zur rechtsnationalen Gesinnung. Laut einem Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung konnten „keine Anhaltspunkte im Hinblick auf eine Beeinflussung von Schülerinnen und Schülern festgestellt werden.“ Auch zahlreiche Kommentare auf unserer Facebook-Seite „Mahlsdorf LIVE“ von Eltern zu den ersten beiden Artikeln deuten darauf hin, dass man grundsätzlich mit der Schule, dem dortigen Personal sowie den Inhalten zufrieden sei.

Nun tauchen jedoch neue Fakten auf, die bei den Verantwortlichen zumindest ein Magengrummeln hervorrufen dürften. Wie der Tagesspiegel berichtet, führte der bekennende Rechtsextremist und Holocaustleugner Bernhard Schaub im April 2018 eine Fortbildungsveranstaltung für das Lehrerkollegium durch. Dies erfuhr die Zeitung durch eine bislang unveröffentlichte Antwort der Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers auf Anfrage der Abgeordneten June Tomiak (Die Grünen), die auch „Alles Mahlsdorf“ vorliegt. Bei der Schulung handelte es sich demnach um ein „Sprachgestaltungsseminar“, in der Waldorfpädagogik versteht man darunter Übungen zum bewussten Umgang mit der gesprochenen Sprache.

Wie aber kam es zu der Zusammenarbeit zwischen Schule und Schaub? Dessen Kinder waren 2013 für zwei Monate in der Primarstufe der Schule angemeldet, wollten 2017 wieder aufgenommen werden. In diesem Zusammenhang wurde durch Schaub laut Geschäftsführung und Schulleitung das Sprachgestaltungsseminar angeboten. Dieses fand am 28. April 2018 statt, laut Schulleitung durften keine zeitgeschichtlichen und politischen Themen behandelt werden – im Vorfeld wurde eine Erklärung aufgesetzt, dass bei Zuwiderhandlung kein Honorar gezahlt werden würde und die Veranstaltung abgebrochen werde. „Weitere Anfragen für Folgeseminare durch den Vortragenden habe Geschäftsführung und Schulleitung nach eigenen Angaben abgelehnt. Auf Nachfrage betonte die Geschäftsführung und Schulleitung, dass es bei der Buchung des Vortragenden als Dozent um dessen fachliche Expertise als Sprachgestalter gegangen sei“, so ein Sprecher der Senatsverwaltung gegenüber „Alles Mahlsdorf“.

Laut Experten ist eine derartige explizite Erklärung vor einem Seminar sehr unüblich. Wusste die Schulleitung also von der Ideologie Schaubs? Schwer zu sagen. Die Eingabe des Namens des Vortragenden in die Suchmaschine Google hätte jedoch eindeutige Ergebnisse geliefert. Außerdem: Laut Tagesspiegel gab es bereits 2013 wegen der vielfältigen Aktivitäten des Vaters im rechtsextremen und antisemitischen Milieu internen Streit um die Aufnahme der Kinder. Nachdem auch der Bund der Freien Waldorfschulen davon erfahren hatte, drängte dieser darauf, die Verträge mit der Schule wieder zu kündigen. Treffen mit Schaub seien, so die Schulleitung in einer dem Tagesspiegel vorliegenden Email an die Eltern „unvermeidlich“ gewesen, um die „unerlässliche Schule-Eltern-Beziehung aufzubauen und zu pflegen“. Es habe jedoch keinen „Konsens“ mit seinen politischen Auffassungen gegeben.

Auch in den Folgejahren hielt die Schule offenbar Kontakt zu dem Holocaustleugner. So etwa ging im Sommer 2020 bei der Senatsverwaltung für Bildung ein Schreiben des Verfassungsschutzes Berlin ein, in dem auf ein Kennverhältnis zwischen Geschäftsführung und Schulleitung der Mahlsdorfer Schule, Schaub und dem selbsternannten „Volkslehrer“ Nikolai Nerling hingewiesen wird. Letzterer wurde im Mai 2018 fristlos aus dem Schuldienst des Landes Berlin entlassen, Anfang Januar 2019 besuchte er eine Veranstaltung der Mahlsdorfer Schule, im Dezember 2019 wurde er wegen Volksverhetzung verurteilt. Anfang diesen Jahres wurde auf Youtube ein Video hochgeladen, das Bernhard Schaub und Nerling eine Stunde lang im Gespräch zeigt. Das Video heißt „Für Europa und Deutschland“, ein Kommentar darunter lautet: „Bernhard Schaub für mich der bisher einzige Nachfolge-Führer. Er bringt die nötigen Qualitäten mit.“

Nach dem WDR-Bericht liegen nun neue Vorwürfe gegen die Schule vor. Für eine weitere Sachverhaltsklärung holt sich die Senatsverwaltung für Bildung Hilfe bei externen Stellen, unter anderem die Mobile Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus. Neben zahlreichen Gesprächen mit SchülerInnen, Eltern, Lehrern, Ex-Personal sowie Geschäftsführung und Leitung soll es im zweiten Halbjahr Schulbesuche geben. Seit Oktober 2019 besucht eine Tochter Schaubs nun wieder die Freie Schule am Elsengrund. Laut Stellungnahme der Geschäftsführung und Schulleitung gegenüber der Senatsverwaltung für Bildung besteht über die erforderliche Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus kein weiterer Kontakt zur Familie.

Über seine Website, auf der sich auch ein von Schaub verfasstes „Deutsches Manifest“ („Europa ist die Heimat der weißen Menschheit“) findet, versuchte „Alles Mahlsdorf“ Bernhard Schaub zu kontaktieren und seine Sicht der Dinge zu erfragen. Eine Antwort gab es bislang nicht.

Hier unsere ersten beiden Berichte zum Thema:

28. Januar: Senatsverwaltung prüft Schule erneut: https://alles-mahlsdorf.de/nach-tv-bericht-senatsverwaltung-unterzieht-mahlsdorfer-schule-erneuter-pruefung/

28. Januar: Schwere Vorwürfe: Was ist los an der Freien Schule am Elsengrund? https://alles-mahlsdorf.de/schwere-vorwuerfe-in-tv-bericht-was-ist-los-an-der-freien-schule-in-mahlsdorf/

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