Kultfigur aus Mahlsdorf: Bezirk soll als Heimat des Sandmännchens sichtbarer werden

Seit Jahrzehnten ist das Sandmännchen Abend für Abend zu Gast in deutschen Kinderzimmern, derzeit sogar auf dem Weg zum UNESCO-Weltkulturerbe. Was viele außerhalb Mahlsdorfs nicht wissen: Der Sandmann wurde in unserem Ortsteil „geboren“, entstand durch die Hände des Mahlsdorfers Gerhard Behrendt, wurde ab 1963 drei Jahrzehnte lang im ehemaligen Kino Lichtburg am Hultschiner Damm/Ecke Paul-Wegener-Straße produziert. Jetzt gibt es einen überfraktionellen Antrag von SPD und CDU, Marzahn-Hellersdorf als Heimat des Sandmännchens noch viel sichtbarer für Besucher zu machen.


Die Bezirksverordneten Christian Linke und Martin Johannes Flegel bringen in die kommende Bezirksverordnetenversammlung am Donnerstag einen Antrag ein, mit dem das Bezirksamt ersucht werden soll, ein Konzept zur sichtbaren Profilierung Marzahn-Hellersdorfs als „Heimat des Sandmännchens“ zu entwickeln und umzusetzen. Dabei sollen insbesondere diese Punkte geprüft werden:


  1. ob ein offizielles Bezirkslabel mit der Bezeichnung „Marzahn-Hellersdorf – Heimat des Sandmännchens“ für die Öffentlichkeitsarbeit, touristische Vermarktung sowie kulturelle Veranstaltungen des Bezirks eingeführt werden kann,
  2. ob an zentralen Bezirkseingängen und Einfallstraßen des Bezirks Hinweisschilder oder gestalterische Elemente mit Bezug zum Sandmännchen errichtet werden können,
  3. welche rechtlichen, gestalterischen und gegebenenfalls markenrechtlichen Voraussetzungen hierfür zu erfüllen sind,
  4. welche Kosten entstehen würden und welche Finanzierungsmöglichkeiten, insbesondere über Sponsoring, Förderprogramme, touristische Kooperationen oder private Partnerschaften, erschlossen werden können.

Nach dem Beschluss soll das Bezirksamt innerhalb von sechs Monaten dem zuständigen Ausschuss für Weiterbildung und Kultur sowie dem Ausschuss für Mobilität und Wirtschaft das Prüfergebnis berichten.


„Mit der bereits errichteten Sandmann-Statue in Mahlsdorf sowie den Aktivitäten der Bürgerinitiative „Ein Denkmal für unser Sandmännchen“ wurde ein wichtiger Beitrag zur Bewahrung dieses kulturellen Erbes geleistet. Die historische Verbindung zwischen dem Sandmännchen und Marzahn-Hellersdorf bietet noch großes Potenzial, im öffentlichen Raum stärker sichtbar und erlebbar gemacht zu werden“, schreiben Linke und Flegel in ihrer Begründung. Der Bezirk verfüge damit über ein Alleinstellungsmerkmal, das in dieser Form kein anderer Berliner Bezirk vorweisen kann. Darüber hinaus würde eine stärkere öffentliche Sichtbarkeit des Sandmännchens Potenziale für die kulturelle Bildung, den Tourismus sowie die Vermarktung des Bezirks ermöglichen. Die Verfasser: „Ziel des Antrages ist daher nicht nur die Würdigung eines bedeutenden Stücks deutscher Fernseh- und Kulturgeschichte, sondern auch die Prüfung, wie dieses kulturelle Erbe künftig stärker zur Identifikation mit dem Bezirk und zur positiven Außendarstellung Marzahn-Hellersdorf beitragen kann.“


Die Wurzeln der heute so bekannten Figur reichen bis in die Romantik zurück. Autoren wie E. T. A. Hoffmann und Hans Christian Andersen prägten im 19. Jahrhundert das literarische Motiv des Sandmanns. Seit seinem Fernsehdebüt jedoch wandelte sich das Sandmännchen zum freundlichen Abendbegleiter. Mehr als 470 Rahmenhandlungen sind entstanden, viele davon bis heute im Einsatz. Das Sandmännchen überstand politische Umbrüche ebenso wie technische Entwicklungen. Schon zu DDR-Zeiten wurden Folgen ins Ausland verkauft; ähnliche Formate entstanden in anderen Ländern. Museen und Archive dokumentieren seine Geschichte, Forschende analysieren seine Wirkung. Nun also soll das Mahlsdorfer Sandmännchen den Bezirk beim Image helfen. 


Seit 2023 findet das Sandmännchen-Denkmal auf dem Mahlsdorfer Ullrichplatz, in Gedenken an dessen Erfinder Gerhard Behrendt.

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