Nach Bericht zu Kaulsdorfer Seen: Berlins Queerbeauftragter kritisiert „Alles Mahlsdorf“-Artikel

Alfonso Pantisano zählt seit vielen Jahren zu den sichtbarsten und engagiertesten Stimmen der Berliner queeren Community. Im Juli 2023 wurde er vom Berliner Senat zur Ansprechperson Queeres Berlin ernannt und vertritt seither die Interessen sexueller und geschlechtlicher Vielfalt auf Landesebene. Nun hat Pantisano einen Bericht von „Alles Mahlsdorf“ über die Situation an den Kaulsdorfer Seen öffentlich kritisiert. Hintergrund ist ein Beitrag vom 7. Juni, in dem über Aussagen der Mahlsdorfer Wahlkreisabgeordneten und Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch berichtet wurde.


Die CDU-Politkerin hatte erklärt, von mehreren Betroffenen Hinweise erhalten zu haben, wonach sich die Atmosphäre rund um die Kaulsdorfer Seen verändert habe. Menschen würden sich dort nicht mehr wohlfühlen, zudem hätten Eltern geschildert, dass ihre Kinder bestimmte Bereiche meiden würden. Konkret ging es um Wäldchen und Wiesenflächen rund um die Seen, die seit Jahren als Treffpunkte für sogenanntes Cruising bekannt sind. Dabei handelt es sich um Orte, an denen sich vor allem Männer für spontane sexuelle Kontakte verabreden.

Pantisano widerspricht nun der Darstellung einer zunehmenden Problemlage. Nach eigenen Angaben hat er mit der Polizeidirektion 3, dem zuständigen Polizeiabschnitt sowie dem Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf gesprochen. Der Leiter des zuständigen Polizeiabschnitts habe sich selbst ein Bild vor Ort gemacht.


In einem am Dienstagnachmittag veröffentlichten Instagram-Beitrag erklärt Pantisano, dass von einer massiven Zunahme von Belästigungen, wie sie von Günther-Wünsch geschildert worden sei, die Polizei nichts wisse. Nach seinen Angaben sei im Jahr 2026 bislang genau eine entsprechende Strafanzeige eingegangen. Für den gesamten Bereich rund um die Kaulsdorfer Seen seien in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 37 Straftaten registriert worden. Davon seien vier als queerfeindliche Straftaten erfasst worden. In 33 Fällen habe es sich um Exhibitionismus oder öffentliche sexuelle Handlungen gehandelt. Dabei werde statistisch nicht erfasst, ob es sich um Männer oder Frauen gehandelt habe oder welcher sexuellen Orientierung die Beteiligten angehörten.


Deutliche Kritik übt Pantisano an der Berichterstattung von „Alles Mahlsdorf“. Wörtlich wirft er vor, mit „voyeuristischen Beschreibungen, der deutlichen Fokussierung auf Männer, die Sex mit Männern suchen, und dem Ruf nach Polizei und Ordnungsamt“ zu arbeiten. Die polizeiliche Einschätzung trage eine solche Dramatisierung nicht, so der gebürtige Schwabe. Zugleich betont der Queer-Beauftragte die Aufgaben der Sicherheitsbehörden. „Die Polizei muss Straftaten verfolgen und alle Menschen vor Belästigung und Gewalt schützen. Sie ist nicht dafür da, eine moralpolitische Kampagne gegen Nacktheit, Cruising oder einvernehmliche Sexualität im öffentlichen Raum zu bedienen“, schreibt Pantisano. In einem früheren Post deutet er an, „Alles Mahlsdorf“ würde mit dem vorangegangenen Bericht cruisende Männer gefährden. Er schreibt:  „In Berliner Cruising-Areas werden Männer, die Sex mit Männern haben, verfolgt, beraubt und zusammengeschlagen.“  Als Beispiel nennt er den Volkspark Friedrichshain


Die Debatte um die Kaulsdorfer Seen berührt damit zwei unterschiedliche Perspektiven: Während Anwohner und Eltern nach Angaben von Katharina Günther-Wünsch von einem zunehmenden Unsicherheitsgefühl berichten, verweist Pantisano auf die Einschätzung der Sicherheitsbehörden und die vergleichsweise geringe Zahl registrierter Straftaten. Ob daraus weiterer politischer Handlungsbedarf entsteht, bleibt abzuwarten.

Die Ansprechperson der Landesregierung Berlin für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, Alfonso Pantisano.

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