Diesen Moment wird Tino Adamski aus der Florastraße nie vergessen. Sein Handy piepte, es war dieser typische Alarmton. Gegen Mittag, der 23-Jährige war gerade zuhause. Und doch zögerte er keine Sekunde. Denn über die „Katretter“-App wurde Adamski zu einer Reanimation in unmittelbarer Nähe gerufen. Ein junger Mann war zusammengebrochen, sein Herz hatte aufgehört zu schlagen. Tino Adamski machte sich sofort mit dem Auto auf den Weg, war in weniger als drei Minuten vor Ort. Noch vor Feuerwehr und Rettungsdienst. Und rettete das Leben eines jungen Menschen. Nun kämpft er für die Verbreitung der App.
„Das war für mich ein prägendes Erlebnis“, berichtet Tino Adamski heute. „Es hat mir gezeigt, dass man auch als Otto-Normalbürger schnell und effektiv helfen kann. Wenig später trafen weitere freiwillige Ersthelfer ein. Gemeinsam begannen sie sofort mit der Wiederbelebung.“ Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden können. Tatsächlich zeigte die Reanimation schnell Wirkung: Der Patient kam wieder zu Bewusstsein und konnte sich sogar eigenständig aufsetzen. Für Adamski ein Einsatz, den er bis heute nicht vergessen hat.
„Gerade bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute“, sagt der junge Mann. Genau deshalb setzt er sich heute dafür ein, dass sich noch mehr Menschen aus Mahlsdorf als sogenannte Katretter registrieren lassen. Die Idee hinter der dafür benutzten App ist einfach: Registrierte Helferinnen und Helfer werden von der Leitstelle alarmiert, wenn sich ein medizinischer Notfall in ihrer unmittelbaren Nähe ereignet. Noch bevor Rettungswagen oder Feuerwehr eintreffen, sollen sie lebensrettende Sofortmaßnahmen beginnen – vor allem bei Reanimationen. Das System ortet per Smartphone geeignete Ersthelfer in der Nähe und alarmiert sie innerhalb von Sekunden.
Die App wird inzwischen in mehreren Regionen Deutschlands genutzt und arbeitet direkt mit den hauptberuflichen Lebensrettern zusammen. Besonders bei Herz-Kreislauf-Stillständen kann das entscheidend sein, denn schon nach wenigen Minuten ohne Hilfe drohen schwere Hirnschäden. Wer Katretter werden möchte, muss allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllen. In der Regel richtet sich das Angebot an Menschen mit medizinischer Ausbildung oder Erfahrung im Rettungswesen, etwa Pflegekräfte, Rettungssanitäter, Ärztinnen und Ärzte oder Personen mit erweiterten Erste-Hilfe-Kenntnissen. Welche Qualifikationen anerkannt werden, entscheidet die jeweilige Leitstelle vor Ort. Die Registrierung erfolgt meist über die zuständige Leitstelle, in einigen Regionen ist aber auch eine Selbstregistrierung möglich. In Berlin sind es bereits rund 10.000 Personen.
Die Teilnahme ist freiwillig und unbezahlt. Wer einen Alarm erhält, kann selbst entscheiden, ob er den Einsatz annimmt. Alarmiert werden die Helfer nur in einem begrenzten Umkreis, in Innenstädten meist innerhalb von 500 Metern, in Randlagen wie Mahlsdorf bis zu einem Kilometer.
Für Tino Adamski, der sich auch in der Freiwilligen Feuerwehr engagiert, steht fest: Genau dieses System kann Leben retten. Deshalb hofft er, dass sich künftig noch mehr Menschen in Mahlsdorf ausbilden lassen und die im Jahr 2020 eingeführte App nutzen. Dazu hat er etwa im Vereinsheim von Eintracht Mahlsdorf entsprechende Flyer ausgelegt. Er sagt: „Je mehr freiwillige Ersthelfer es gibt, desto kürzer werden die Wege – und desto größer werden die Chancen für Menschen in Not.“





