Personal, freie Plätze, Sprachprobleme: So gut bzw. schlecht stehen Mahlsdorfs Schulen da

Während an den Berliner Schulen derzeit Sommerferien sind, herrscht auf den Fluren ungewohnte Ruhe. Abgesehen von den Kindern in den Horten sowie vereinzelt Schulleitungen und Schulsekretariaten ist in den Schulgebäuden kaum jemand anzutreffen. Die meisten Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler genießen ihren wohlverdienten Urlaub. Doch auch wenn der Unterricht derzeit pausiert, bleiben die Herausforderungen im Mahlsdorfer Schulwesen bestehen. Nun gibt es eine Menge aktueller Zahlen über die jeweilige Situation an den sechs öffentlichen allgemein bildenden Schulen in unserem Ortsteil.

Wie angespannt die Situation ist, zeigte sich bereits Ende April. Damals berichtete „Alles Mahlsdorf“ über den Hilferuf der Schulleiterin der Mahlsdorfer Grundschule. Für das kommende Schuljahr würden dringend Lehramtsstudenten benötigt, um den Unterricht überhaupt im vorgesehenen Umfang absichern zu können. Andernfalls drohten Einschränkungen bei der Stundentafel. Der Artikel zeigte Wirkung, die Bildungs-Staatssekretärin Christina Henze (untersteht direkt der Bildungssenatorin und Mahlsdorfer Wahlkreisabgeordneten Katharina Günther-Wünsch) kontaktierte einen Tag später die Schulaufsicht im Marzahn-Hellersdorf, mehrere Studierende meldeten sich bei der Schulleitung.


Nun liefern sieben neue parlamentarische Anfragen des bildungspolitischen Sprechers der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Tommy Tabor, weitere Einblicke in die Situation. Christina Henze beantwortete diese umfangreiche Anfragen mit Daten zu sämtlichen Berliner Schulen. „Alles Mahlsdorf“ hat die Zahlen für die Mahlsdorfer Schulen aus den umfangreichen Datensätzen herausgefiltert.

 

Besonders auffällig sind die Unterschiede bei der Personalausstattung. Am schwierigsten stellt sich die Lage weiterhin an der Mahlsdorfer Grundschule dar. Zu Beginn des vergangenen Schuljahres lag die Lehrerausstattung lediglich bei 91,5 Prozent des errechneten Bedarfs. Damit fehlte rechnerisch fast jede zehnte Lehrkraft. Von den eingesetzten Lehrkräften waren 8,3 Prozent Quereinsteiger. Lehramtsstudenten, die möglicherweise zusätzlich an der Schule eingesetzt wurden, sind in dieser Statistik allerdings nicht berücksichtigt.

Das genaue Gegenstück findet sich nur wenige Kilometer entfernt. Die im Oktober 2025 offiziell eröffnete 37. Grundschule in der Elsenstraße verfügt mit einer Lehrerausstattung von 137 Prozent über den höchsten Wert aller 669 öffentlichen Schulen Berlins. Keine andere Schule der Hauptstadt ist nach den Senatsdaten personell besser ausgestattet. Bemerkenswert ist dabei auch, dass dort keine Quereinsteiger eingesetzt werden.


Ebenfalls über dem errechneten Bedarf liegt die Gemeinschaftsschule in der Landsberger Straße. Dort beträgt die Lehrerausstattung 117,9 Prozent. Allerdings sind 13,6 Prozent der Lehrkräfte Quereinsteiger. Die Friedrich-Schiller-Grundschule erreicht eine Ausstattung von 104,7 Prozent. Wie viele Quereinsteiger dort unterrichten, veröffentlicht die Senatsverwaltung allerdings nicht. Die Zahl sei so gering, dass nach Angaben der Verwaltung Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich wären. Nahezu exakt bedarfsgerecht aufgestellt ist die Kiekemal-Grundschule mit einer Lehrerausstattung von 100,4 Prozent. Dort unterrichten sieben Quereinsteiger. Leicht unter dem errechneten Bedarf liegt dagegen die ISS Mahlsdorf. Hier beträgt die Personalausstattung 94 Prozent, der Anteil der Quereinsteiger liegt bei 6,1 Prozent.

Bei der Nachfrage nach Schulplätzen beim Übergang in die weiterführende Schule sind Vergleiche noch nicht möglich. Für die die Gemeinschaftsschule liegen für den betrachteten Zeitraum keine entsprechenden Zahlen vor, da diese erst im November 2025 eröffnet wurde. Anders sieht es an der ISS Mahlsdorf aus. Vor Beginn des vergangenen Schuljahres standen dort 130 Schulplätze zur Verfügung. Gleichzeitig gingen jedoch 261 Erstwünsche ein. Damit wollten nahezu doppelt so viele Schülerinnen und Schüler die Schule besuchen, wie Plätze vorhanden waren.

Ein weiterer Bestandteil der Senatsdaten ist der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Herkunftssprache. Gemeint sind Kinder, in deren Familien überwiegend eine andere Sprache als Deutsch gesprochen wird. Im berlinweiten Vergleich liegen die Mahlsdorfer Schulen hier überwiegend auf einem niedrigen Niveau. An der Kiekemal-Grundschule beträgt der Anteil rund fünf Prozent, an der 37. Grundschule knapp 4,5 Prozent. An der Mahlsdorfer Grundschule sowie an der ISS Mahlsdorf liegt der Wert jeweils bei rund sieben Prozent. Etwas höher fällt der Anteil an der Friedrich-Schiller-Grundschule mit 11,3 Prozent aus. Das dürfte auch mit ihrem Einzugsgebiet rund um den S-Bahnhof Mahlsdorf zusammenhängen, in dem mehr Familien mit internationaler Familiengeschichte leben als in den Wohngebieten des Mahlsdorfer Nordens oder Südens.

Eine Besonderheit stellt hier die Gemeinschaftsschule dar. Dort haben 19,6 Prozent der Schülerinnen und Schüler eine nichtdeutsche Herkunftssprache. Hintergrund dürfte die Aufbauphase der Schule sein. Als dort noch zahlreiche freie Kapazitäten vorhanden waren, wurden auch viele Kinder aus den benachbarten Ortsteilen Hellersdorf und Marzahn aufgenommen, deren Erst-bis Drittwünsche an anderen Schulen im Bezirk nicht erfüllt werden konnten. Dadurch liegt der Anteil deutlich über dem der übrigen Mahlsdorfer Schulen.

Die aktuellen Senatsdaten zeichnen damit ein differenziertes Bild der Mahlsdorfer Schullandschaft. Auch wenn in den Klassenzimmern derzeit Ferienruhe herrscht, dürfte das Thema Bildung in Mahlsdorf deshalb spätestens mit dem ersten Schultag nach den Sommerferien wieder ganz oben auf der Tagesordnung stehen.

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