Mahlsdorf entdeckt den E-Scooter für sich: Noch vor wenigen Monaten waren Leih-Scooter und E-Bikes vor allem ein Phänomen der Innenstadtbezirke rund um Mitte, Friedrichshain oder Kreuzberg. Inzwischen verändert sich das Bild deutlich. Wer derzeit durch Mahlsdorf läuft, sieht an warmen Nachmittagen und Abenden wie jetzt rund um die Pfingstfeiertage auffällig viele junge Menschen auf E-Scootern unterwegs. Häufig fahren diese zu zweit auf einem Roller, zumeist ohne Helm. Die Fahrzeuge sind im gesamten Ortsteil sichtbar gefragt. Nicht nur für Freizeitfahrten, sondern zunehmend auch für alltägliche Wege zum Bahnhof, zur Tram oder zum Supermarkt.
Vor allem Anbieter wie Voi und Lime bauen ihre Präsenz im Berliner Osten derzeit massiv aus. Hintergrund ist ein Strategiewechsel der Sharing-Unternehmen: Weg von der reinen Konzentration auf die Innenstadt, hin zu den Außenbezirken. Dort soll das Angebot insbesondere für die sogenannte „erste und letzte Meile“ genutzt werden, also für Wege zwischen den Mahlsdorfer Siedlungsgebieten und dem öffentlichen Nahverkehr. Gerade in Mahlsdorf, wo Busse und Bahnen vielerorts weniger eng getaktet sind als innerhalb des S-Bahn-Rings, sehen die Anbieter erhebliches Potenzial.
Nach Angaben von Voi gegenüber „Alles Mahlsdorf“ können Nutzerinnen und Nutzer ihre Fahrten seit Ende April 2026 auch in Mahlsdorf offiziell beenden und die Fahrzeuge dort parken. Das Unternehmen betont dabei, dass man sich künftig nicht mehr ausschließlich auf die Innenstadt konzentrieren wolle. Ziel sei es, auch in den Außenbezirken einen echten Mobilitätsmehrwert zu schaffen. Bereits jetzt würden rund 60 Prozent aller Voi-Fahrten in Berlin außerhalb des S-Bahn-Rings stattfinden.
Auch Konkurrent Lime hat sein Servicegebiet im Berliner Osten zuletzt erweitert. Die grünen E-Scooter und –Räder des Unternehmens sind seit Mitte Dezember 2025 auch in Mahlsdorf verfügbar. In den ersten Monaten blieb die Nutzung allerdings überschaubar, vor allem wegen der winterlichen Witterung. Erst mit den deutlich milderen Frühlingstemperaturen nahm die Zahl der Fahrten sichtbar zu.
Inzwischen gehören die Roller in Mahlsdorf vielerorts zum Straßenbild. Besonders rund um den Bahnhof, entlang des Hultschiner Damms an Tramhaltestellen oder im von der BVG eher wenig frequentierten Mahlsdorfer Nordosten werden die Fahrzeuge regelmäßig genutzt. Lime erklärte gegenüber „Alles Mahlsdorf“, man wolle nachhaltige Mobilität auch im Berliner Osten besser verfügbar machen, insbesondere für kurze Alltagswege sowie als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr.
Tatsächlich passen die neuen Angebote in eine Region, die seit Jahren über Verkehrsprobleme diskutiert. Mahlsdorf wächst kontinuierlich, gleichzeitig bleiben viele Infrastrukturprojekte umstritten oder verzögern sich. Diskussionen über den Ausbau der Tramverbindung zwischen Mahlsdorf und Hellersdorf, die große „Verkehrslösung Mahlsdorf“ oder bessere ÖPNV-Anbindungen werden seit Jahren geführt. Auch in der Berliner Nahverkehrs-Community wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig bessere Verbindungen im Osten der Stadt seien.
Genau in diese Lücke stoßen nun die Sharing-Anbieter. Während E-Scooter in den Anfangsjahren häufig als touristisches Innenstadtprodukt wahrgenommen wurden, entwickeln sie sich zunehmend zu einem alltäglichen Verkehrsmittel in den Außenbezirken. Besonders junge Menschen scheinen das Angebot intensiv anzunehmen. Kritiker verweisen allerdings auch auf Probleme: fehlende Helme, riskantes Fahren zu zweit und achtlos abgestellte Fahrzeuge sorgen immer wieder für Diskussionen. Dennoch zeigt sich ein klarer Trend: Die Mikromobilität erreicht zunehmend jene Berliner Stadtteile die bislang eher als klassische Auto- und Pendlerbezirke galten. Mahlsdorf ist dafür inzwischen seit einigen Wochen eines der sichtbarsten Beispiele.





