„Unhaltbarer Zustand”: Eltern und Schüler des mit hunderten Mahlsdorfer Kindern besuchten Melanchthon-Gymnasiums fordern endlich eigene Turnhalle

Seit Jahrzehnten gehört das Melanchthon-Gymnasium in der Adele-Sandrock-Straße zu den beliebtesten Gymnasien im Berliner Osten. Viele Familien aus Mahlsdorf entscheiden sich bewusst für die Schule, Hunderte Kinder aus unserem Ortsteil besuchen die Schule. Doch ausgerechnet bei einer grundlegenden Voraussetzung für einen funktionierenden Schulbetrieb besteht seit Jahren ein gravierender Mangel: Das Gymnasium verfügt bis heute über keine eigene Sporthalle. Nun haben Schülerinnen und Schüler sowie Eltern einen offenen Brief geschrieben, beklagen den „unhaltbaren Zustand“ und stellen Forderungen.

Gewandt wird sich in dem offenen Brief, der „Alles Mahlsdorf“ vorliegt, an das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, die Berliner Senatsverwaltung für Bildung und weitere politische Entscheidungsträger. Das Schreiben soll nach Angaben aus der Elternschaft im Rahmen des Schulfestes am kommenden Dienstag an den für Schulen in Marzahn-Hellersdorf zuständigen Stadtrat Stefan Bley (CDU) übergeben werden. „Die Unzufriedenheit ist nicht nur bei Kindern und Eltern enorm hoch, sondern auch bei Lehrkräften“, heißt es.

In dem offenen Brief schildern die Verfasser eindringlich die Folgen der seit Jahren ungelösten Situation. Nachdem die bislang mitgenutzte Sporthalle der benachbarten Kolibri-Grundschule seit mehr als drei Jahren nicht mehr genutzt werden kann, muss der Sportunterricht auf verschiedene Hallen im Bezirk verteilt werden. Für die Schülerinnen und Schüler bedeutet das regelmäßige Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu externen Sportstätten (mit Fuß- und Fahrtzeit geht allein dadurch eine Sportstunde verloren), auf Kosten wertvoller Unterrichtszeit.

„Sport ist kein Nebenfach“, heißt es in dem Schreiben. Bewegung fördere Gesundheit, Konzentration und Teamfähigkeit. Gerade in Zeiten zunehmenden Bewegungsmangels bei Kindern und Jugendlichen dürfe der Sportunterricht nicht an fehlender Infrastruktur scheitern. Die aktuelle Situation belaste den gesamten Schulalltag. Besonders kritisch sehen die Unterzeichner, dass sich an der Situation bislang kaum etwas geändert hat. Bereits im April 2024 bestätigte der Berliner Senat auf eine schriftliche Anfrage des Linken-Abgeordneten Kristian Ronneburg, dass das ehemalige Hallengebäude in der Jänschwalder Straße nicht mehr nutzbar sei. Der Sportunterricht findet seither in Sporthallen in der Mark-Twain-Straße, der Schönewalder Straße sowie der Carola-Neher-Straße statt. An dieser Situation werde sich „absehbar nichts ändern“, lautete damals die Antwort des Senats.

Dass das Problem keineswegs neu ist, zeigt auch die Bezirkspolitik. Bereits seit Jahren wird über eine dauerhafte Lösung diskutiert. Ein Antrag aus dem Dezember 2025 in der Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf empfiehlt dem Bezirksamt inzwischen zu prüfen, ob nördlich des Sportplatzes an der Lichtenhainer Straße eine Typensporthalle für das Melanchthon-Gymnasium errichtet werden kann. Dabei sollen unter anderem der Flächenbedarf für den Schulsport, die Mitnutzung durch den Vereinssport und die Drehscheibe Sebnitzer Straße, die Kosten, mögliche Förderprogramme sowie ein Zeitplan für Planung und Bau untersucht werden. Es ist ein Antrag, ein Anfang also, mehr jedoch aber nicht.

Für die Eltern reicht eine weitere Prüfung nun nicht mehr aus. In ihrem offenen Brief fordern sie eine verbindliche Planung und den zügigen Bau einer eigenen Turnhalle, einen transparenten Zeitplan mit regelmäßigen Informationen für die Schulgemeinschaft, ausreichende finanzielle Mittel sowie kurzfristige Verbesserungen, bis eine dauerhafte Lösung geschaffen ist. Dabei verweisen sie auch auf die grundsätzliche Frage der Chancengleichheit. „Wie kann es sein, dass ein Gymnasium in einer wachsenden Stadt wie Berlin über Jahre hinweg ohne eigene Turnhalle auskommen muss?“, fragen die Verfasser. Sie sehen die Schülerinnen und Schüler des Melanchthon-Gymnasiums gegenüber anderen Schulen benachteiligt.

Mit der geplanten Übergabe des offenen Briefes wollen Eltern und Schülerinnen und Schüler den politischen Druck nun deutlich erhöhen. Nach jahrelangen Diskussionen erwarten sie konkrete Entscheidungen statt weiterer Prüfaufträge. Ihre Botschaft ist eindeutig: Zu einer modernen Schule gehören nicht nur Klassenräume, sondern auch eine funktionierende Sportinfrastruktur. Für die Schulgemeinschaft scheint die Geduld nach vielen Jahren des Wartens aufgebraucht.

Oben Kolibri-Grundschule, unten Melanchthon-Gymnasium. Was jahrelang in der Schönewalder Straße funktionierte, ist seit 2023 aufgrund baulicher Maßnahmen nicht mehr möglich - und das Gymnasium nun weiter auf einer Suche nach einer eigenen Sporthalle.

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