Mahlsdorf hat in den letzten Jahren schon mehrfach sportliche Supertalente hervorgebracht. Den Kanuten Jacob Schopf etwa, zweifacher Olympiasieger und vierfacher Weltmeister. Oder die Bogenschützin Lisa Unruh mit olympischem Silber und Bronze, ebenso die Fußballprofis Steven Skrzybski (nahezu 300 Bundesligaspiele, aktuell bei Holstein Kiel) und Lennard Maloney (von Blau-Weiß Mahlsdorf/Waldesruh bis zum US-Nationalspieler). Hinzu kommt Sprinterin Lena Leege, erst am vergangenen Sonntag deutsche Hallenmeisterin mit der 4×200 Meter-Staffel geworden. Dazu Hermine Fuckel, die vor einigen Jahren deutsche Juniorenmeisterin der Sportakrobatik wurde oder der Berlin-Brandenburger Meister Kyle Landmann im Kung-Fu. Nun kommt eine weitere Ausnahmesportlerin hinzu: Lotti Hubert, 21-jährige Wasserspringerin aus Mahlsdorf, deren Karriere in atemberaubende Höhen steigt.
Geboren am 1. November 2004, begann Hubert ihre sportliche Laufbahn im Wasserspringen im Alter von sechs Jahren. Nach einigen Versuchen mit Tanz, Zirkus und Leichtathletik suchten ihre Eltern eine Sportart, die ihre Energie und Temperament kanalisieren konnte. Ihre Mutter, selbst begeisterte Wassersprung-Zuschauerin, brachte sie erstmals zu einem Training. Dort fand Lotti nicht nur eine Herausforderung, sondern ihre große Leidenschaft. Schon früh fiel ihr Talent auf. Mit stabilen, technisch anspruchsvollen Sprüngen machte sie von sich reden und sammelte Titel vom Ein- und Drei-Meter-Brett. Als Jugendliche holte sie Junioren-Europameistertitel und 2022 den Junioren-Weltmeistertitel vom 1-Meter-Brett sowie Silber im Team-Wettbewerb. Zudem wurde sie mehrfach Jugendeuropameisterin auf dem 3-Meter-Brett und zählt zahlreiche Medaillen bei internationalen Juniorentitelkämpfen zu ihren Erfolgen.
Seit dem Wintersemester 2024/25 lebt Lotti Hubert in Fayetteville, Arkansas (USA), wo sie im vierten Semester Kriminalpsychologie an der Universität von Arkansas studiert. „Ich will wissen, was in den Köpfen von Straftätern vor sich geht“, so die Mahlsdorferin gegenüber „Alles Mahlsdorf“. Und weiter: „Mein Ziel ist es, später im Profiling und vielleicht beim FBI zu arbeiten“. „Nebenbei“ trainiert sie intensiv Wasserspringen für die Arkansas Razorbacks. „Derzeit sind es ’nur‘ 21 Stunden pro Woche. Ich trainiere zweimal täglich von Montag bis Samstag, jeweils morgens von 5.30 Uhr bis 8 Uhr und nachmittags von 14 Uhr bis 18 Uhr“. Ein Pensum, das sie mit Studienbelastung und dem Fokus auf Technik und Athletik verbindet.
Beim NCAA-Wettkampf, den in den USA so renommierten und viel beachteten College-Meisterschaften zeigte sie jüngst starke Leistungen. Sie gewann das 1-Meter-Brett-Springen mit herausragenden 341,70 Punkten und ist regelmäßig unter den Top-Plätzen in weiteren SEC- und NCAA-Wettbewerben. Trotz ihres USA-Aufenthalts bleibt ihr größter Traum die Teilnahme an den Olympischen Spielen, idealerweise in Los Angeles im Jahr 2028 oder vier Jahre später im australischen Brisbane. Ihre bisherigen Erfolge im Juniorenbereich zeigen, dass sie das Potenzial und den Ehrgeiz dazu hat, und die kommenden Wettkämpfe, besonders die deutschen Meisterschaften im Mai mit Aussicht auf EM- und WM-Qualifikation, werden entscheidend sein für ihre Olympia-Ambitionen. „Nur einmal bei den Spielen dabei zu sein, das wäre das Größte überhaupt“, sagt sie.
Bis es soweit ist, sportlich wie beruflich, findet Hubert immer wieder den Weg nach Hause. Aufgewachsen in der Lübzer Straße, besuchte sie die Mahlsdorfer Grundschule und pflegt bis heute enge Bindungen zu ihrer Heimat. Ein Spaziergang mit der Familie und dem Hund durch ihre alte Nachbarschaft ist für sie ein Stück Heimatgefühl und motivierende Erinnerung zugleich. Übrigens: Sportlich ist sie nicht nur allein erfolgreich. Seit 2020 springt sie regelmäßig zusammen mit Johanna Kraus, einer engen Freundin und Teamkollegin, mit der sie schon internationale Erfolge gefeiert hat und zu der sie nicht nur im Wasserbecken eine enge Verbindung hat. Jedoch gibt es auch eine Kehrseite hinter hinter all dem (berechtigten) Glanz. Trotz ihrer Erfolge hat Lotti Hubert bislang keine großen Sponsoren an ihrer Seite und finanziert Studium wie Sport größtenteils selbst. „Wasserspringen steht leider medial nicht im Fokus, ist eine Randsportart.“ Das soll sich ändern, je näher sie ihrem großen Ziel „Olympia“ kommt. Mit ihrem Fleiß, Ehrgeiz und einem klaren Karriereplan blickt sie nicht nur auf sportliche Titel, sondern auch auf eine Zukunft abseits des Wassers – als Expertin für die Abgründe der menschlichen Psyche.





