In der Evangelischen Kirchengemeinde Mahlsdorf steht ein besonderer Moment bevor: Mit der Einholung und anschließenden Weihe neuer Glocken erhält die Kreuzkirche in der Albrecht-Dürer-Straße ein klangliches Herzstück, das die Gemeinde künftig begleiten wird.
Am kommenden Dienstag werden die neuen Glocken zunächst feierlich in das Altenhilfezentrum Mahlsdorf im Pfarrhufenanger gebracht. Dort findet eine kleine Feierstunde statt, im Anschluss werden sie zur Kreuzkirche gebracht. Bis die Glocken jedoch im Turm installiert sind und erstmals über unseren Ortsteil erklingen, sind noch einige technische und handwerkliche Schritte erforderlich. Der Höhepunkt folgt wenige Tage später: Am 26. April werden die Glocken, gefertigt von „Petit & Edelbrock“ im westfälischen Gescher, im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes (14 Uhr) in der Kreuzkirche geweiht. Im Anschluss ist die Gemeinde zu einem Sektempfang und Kaffeetrinken eingeladen. Die Glocken ersetzen die bisherigen aus Eisenhartguss, die nach vielen Jahrzehnten das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben.
Die Kreuzkirche selbst blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Sie wurde 1936 nach den Plänen des Architekten Otto Risse errichtet und gehört architekturgeschichtlich zur späten Sachlichkeit. Dennoch verbindet der Bau bewusst eine schlichte, funktionale Gestaltung mit Anklängen an gotische Formen und märkische Dorfkirchentraditionen. Als zweite Predigtstätte der Gemeinde entstand sie in einer Zeit, als die wachsende Siedlung Mahlsdorf-Nord eine eigene kirchliche Infrastruktur benötigte, da die historische Dorfkirche in der Hönower Straße (heute nahe der B1) im Ortskern zu weit entfernt lag. Für den Bau wurden von der Provinzialkirche 15.000 Reichsmark und vom preußischen Kulturminister 10.000 Reichsmark zur Verfügung gestellt.
Am 24. August 1935 fand die festliche Einholung der Glocken für die Kreuzkirche vom Kaulsdorfer Bahnhof statt, zwei Tage später wurden sie im Kirchturm montiert. Es handelte sich um drei Bronzeglocken aus Apolda. Die größte Glocke – die Festglocke – mit einem Gewicht von fast zehn Zentnern, trug die Inschriften „Land, Land, höre des Herrn Wort!“ und „Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren.“ Die drei Bronzeglocken mussten 1942 als Metallspende für die Kriegswirtschaft der Nazis abgeliefert werden und wurden erst 1958 durch ein Stahlgeläut ersetzt. Mit der nun stattfindenden Erneuerung der Glocken in der Kreuzkirche wird ein größeres Vorhaben abgeschlossen: Nach und nach wurden in den vergangenen Jahren alle Kirchen der Gemeinde mit neuen Geläuten ausgestattet. Die neuen Glocken stehen damit nicht nur für handwerkliche Qualität, sondern auch für Kontinuität und Aufbruch zugleich.
Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, dass die Pflege dieser Tradition in Mahlsdorf einen hohen Stellenwert hat. Bereits im September 2024, also vor gut zwei Jahren, erhielt auch die alte Pfarrkirche in der Hönower Straße neue Glocken aus echter Bronze. Sie wurden im nordrhein-westfälischen Münster gefertigt und am 6. Oktober 2024 feierlich geweiht. Besonders bemerkenswert ist dort die älteste Glocke, die auf ein Alter von 536 Jahren zurückblickt und damit ein eindrucksvolles Zeugnis jahrhundertealter Kirchengeschichte darstellt.





