Yvette Mahnkopf: Mit Herz und Haltung in Mahlsdorf

Krisenstimmung? „Ruhig bleiben. Alles wird gut.“ Mit einem Funkeln in den Augen und stets einem Plan in der Tasche lebt die Mahlsdorferin Yvette Mahnkopf (63), was für die meisten nur eine Floskel ist. Auch nach ihrem Renteneintritt engagiert sich die langjährige Kindergärtnerin weiter mit freudiger Gelassenheit für Kinder, Familien und die evangelische Kirchengemeinde. Im Gespräch mit „Alles Mahlsdorf“-Gast-Autorin Franca Fabis berichtet sie von ihrer Kindheit, dem Vertrauen ins Leben, ihrem Einsatz in Mahlsdorf und einer Begegnung in Äthiopien, die sie bis heute bewegt.

 

Alles Mahlsdorf: Yvette, wie bist du nach Mahlsdorf gekommen?

 Yvette Mahnkopf: Durch Freunde aus dem Prenzlauer Berg, wo wir damals wohnten. Die haben hier in der Ledebourstraße gebaut und uns zum Richtfest eingeladen. Wir waren das erste Mal im Leben in Mahlsdorf. Das war 1998. Unsere beiden Söhne waren sofort begeistert und sagten: ‚Hier leben die Menschen so, wie wir sonst Urlaub machen‘. Dieser Satz ist uns geblieben. Also haben wir selbst nach einem Grundstück gesucht, ein Haus gebaut und sind im Jahr 2000 nach Mahlsdorf gezogen.

 

Und du hast dich schnell in die Kichengemeinde eingebracht.

Ja. Ich war während der Bauphase in Mahlsdorf nochmal schwanger geworden. Als meine Tochter klein war, fragte ich beim damaligen Pfarrer, ob es denn eine Krabbelgruppe in der Gemeinde gäbe. Seine Antwort war: ‚Nein, aber Sie können gern eine gründen.‘ Also bekam ich einen Schlüssel für die Gemeinderäume und habe drei Jahre lang Eltern mit ihren kleinen Kindern begleitet. Wir haben uns kennengelernt, gegenseitig besucht und gemeinsam Mahlsdorf entdeckt. Das war für mich eine sehr schöne Zeit und eigentlich der Beginn meines Engagements in der Gemeinde.

 

Wer dich kennt, erlebt dich als einen Menschen, der selbst in turbulenten Situationen Ruhe und Zuversicht ausstrahlt. Was macht dir so gute Laune?

Yvette Mahnkopf: Ich habe in meinem Leben ganz viele positive Dinge erfahren. Das hat viel mit meiner Kindheit zu tun. Meine Mutter hat in Dresden als Verkäuferin gearbeitet und ist früh wieder arbeiten gegangen. Von meinem ersten Lebenstag an war ich oft bei meiner Oma. Sie hatte immer Zeit für mich. Sie war einfach da. Das hat mich geprägt. Meine Oma hat mir das Gefühl gegeben, dass es immer einen Menschen gibt, der mich mag und auf den ich mich verlassen kann.

Materiell hatten wir nicht viel. Aber wir hatten etwas anderes: Zuwendung, Interesse füreinander und ganz viel Liebe.

 

Ist das der Ursprung deines Mottos „Alles wird gut?

Ja. Das war die Haltung meiner Oma. Sie hat Spiritualität gelebt, ohne darüber viele Worte zu machen. Ich habe durch sie gelernt, dass es etwas gibt, das uns trägt und begleitet. Obwohl ich als Kind nie in eine Kirche gegangen bin. Doch, einmal! Bei Gewitter mit meiner Mutter, wo weit und breit nichts anderes offen war.

 

Du sprichst oft davon, auf dein Bauchgefühl zu hören. Welche Rolle spielt das in deinem Leben?

Eine große. Ich beginne meine Tage meist gegen 5:30 Uhr. Ich schaue mir gern den Sonnenaufgang an, bin dankbar für jeden Tag, den ich erleben darf. Dann bete ich und bitte um Begleitung bei allem, was dieser Tag mitbringt. Mein Glaube gibt mir innere Sicherheit. Ich spüre und vertraue auf eine besondere Kraft, die da ist, mich begleitet, schützt und trägt. Als evangelische Christin nenne ich das den Heiligen Geist. Andere würden vielleicht von der Kraft des Universums sprechen. Ich bitte auch um die Fähigkeit, in allen Situationen das Positive zu sehen, um Gelassenheit, Humor, Kraft und Mut. Wenn später Entscheidungen anstehen, höre ich auf mein Bauchgefühl. Ich vertraue darauf, dass diese Stimme mir einen guten Weg zeigt.

 

Meinst du, dass eine so geborgene frühe Kindheit ausschlaggebend ist für ein gutes Leben?

Für ein gutes Leben nicht unbedingt, aber für eine gewisse innere Stabilität, für seelische Widerstandskraft ja.

 

Ist das auch der Grund, warum du mit Kindern arbeitest?

Ja, ich möchte Kindern etwas von dem weitergeben, was ich selbst erfahren habe. Kinder brauchen Menschen, die ihnen Sicherheit geben und sie gleichzeitig ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen. Für mich beginnt alles mit Beziehung. Wenn ich einen Menschen kennenlernen möchte – egal ob Kind oder Erwachsener –, muss ich ihm aufmerksam begegnen und wirklich zuhören. Selbst kleine Kinder erzählen uns viel, auch ohne Worte. Man muss nur hinschauen.

 

Zurück zu deinem Engagement. Auch heute bist du noch sehr aktiv…

Ja. Nach meinem Renteneintritt im letzten Jahr wollte ich etwas Neues lernen und habe eine Lektorenausbildung gemacht. Seitdem bereite ich mehrmals im Jahr Gottesdienste vor und freue mich diese zu feiern. Besonders gern segne ich Menschen. Im November 2025 wurde ich in den Gemeindekirchenrat gewählt.

Ich wollte nie komplett aufhören zu arbeiten. Die Arbeit mit Menschen macht mir einfach Freude. Deshalb unterstütze ich auch die Kita „freiundgeborgen“ weiterhin, wenn Hilfe gebraucht wird. Gleichzeitig habe ich jetzt mehr Zeit für meine Enkelkinder und um mich in der Gemeinde sowie beim Bürgerverein einzubringen und mitzugestalten.

 

Dein Engagement endet aber nicht an den Grenzen Mahlsdorfs.

Das stimmt. Vor etwa zwölf Jahren habe ich auf einem Adventsmarkt in Rangsdorf Erdmute Krafft kennengelernt. Sie hat den Verein Hilfswaise e.V. gegründet, der Waisenkinder in Äthiopien unterstützt. Gemeinsam mit meiner Familie haben wir damals die Patenschaft für ein Mädchen namens Bethelhem übernommen. Durch die finanzielle Unterstützung konnte sie zur Schule gehen und studiert inzwischen. Später bin ich selbst Vereinsmitglied bei Hilfswaise e.V. geworden, weil ich mehr tun wollte, als jeden Monat Geld zu überweisen.

 

2021 bist du nach Äthiopien gereist.

Ja. Gemeinsam mit Erdmute Krafft und einem weiteren Vereinsmitglied. Zum Abschluss dieser Reise zu den drei von ‚Hilfswaise‘ unterstützten Heimen besuchten wir das Kloster in Sebeta, wo Bethelhem lebt. Ich wusste, dass sie dort ist. Aber ich hatte keine Ahnung, ob ich sie überhaupt erkennen würde. Dann kamen die Schülerinnen aus der Schule. Plötzlich lief ein Mädchen direkt auf mich zu und rief: „My mom, you are my mom!“ Sie hatte mich durch die Fotos erkannt, die ich ihr über die Jahre geschickt hatte.

 

Was hat dich an dieser Begegnung besonders bewegt?

Bethelhem nahm mich mit in ihr Zimmer. Dort leben mehrere Mädchen zusammen. Jedes besitzt nur ein kleines Schrankfach für seine persönlichen Dinge. Sie öffnete ihr Fach und zog einen Stapel Briefe und Fotos hervor. Alle Briefe, alle Bilder, die ich ihr über die Jahre geschickt hatte, hatte sie aufgehoben. Da sind mir die Tränen gekommen. In diesem Moment habe ich verstanden, wie stark eine Beziehung sein kann – selbst wenn Menschen auf verschiedenen Kontinenten leben. Zwischen uns lagen tausende Kilometer, und trotzdem war da eine echte Verbindung entstanden. Wie vorhin schon gesagt, ich fühle ganz viel Dankbarkeit. Und das habe ich dort bei den Mädchen auch erlebt. Da war ganz viel Dankbarkeit für das was sie haben, auch wenn es in unseren Augen vielleicht wenig ist.

 

Danke Yvette für das  Gespräch!

 

Veranstaltungstipp

Culture meets Garden – 5. Juli / 10 bis 17 Uhr / Gärten der Welt

Seit zwei Jahren organisiert Yvette Mahnkopf für die ACK Marzahn-Hellersdorf in Absprache mit dem ÖRBB und Grün Berlin das Programm am Christlichen Garten bei „Culture meets Garden“ in den Gärten der Welt. Besucherinnen und Besucher erwartet ein abwechslungsreiches Programm mit Musik, spirituellen Impulsen und Begegnungen. Geplant sind unter anderem klassische Flötenmusik, ein Posaunenchor, eine Band, ein DJ sowie kurze Beiträge von Menschen, die ihre Gedanken zu Glauben und Spiritualität teilen.

Yvette Mahnkopf

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