Jahrelang prägten die markanten Holzstelen das Bild des Berliner Balkons entlang der B1 in Mahlsdorf. Immer wieder wurden sie beschädigt, beschmiert oder zerstört, „Alles Mahlsdorf“ berichtete mehrfach. 2022 zog der Bezirk schließlich die Reißleine und ließ das Ensemble aus Sicherheitsgründen vollständig abbauen. Nun soll das Wahrzeichen zurückkehren.
Wer heute auf dem Berliner Balkon steht, blickt weit über die Landschaft zwischen Mahlsdorf und Kaulsdorf, am Horizont schimmert die große Stadt. Der besondere Reiz dieses Ortes liegt ohnehin weniger in einer spektakulären Bebauung als in dem, was es hier gerade nicht gibt: Der Barnimhang macht den Höhenunterschied zwischen der Barnimhochfläche und dem Berliner Urstromtal sichtbar. Rund 15 Meter beträgt der Höhenunterschied. Bei guter Sicht reicht der Blick bis zu den Müggelbergen.
Doch lange gehörte zu diesem Ausblick noch etwas anderes: die markanten Holzstelen entlang des Weges, die an die alte Bockwindmühle erinnerten, die dort zwischen 1808 und 1936 stand. Für viele Mahlsdorferinnen und Mahlsdorfer waren die Stelen weit mehr als bloße Ausstattung eines Aussichtspunktes. Sie waren das Gesicht des Berliner Balkons. Ein Fotomotiv, Orientierungspunkt und Wiedererkennungsmerkmal des Ortes. Jetzt könnte das verschwundene Wahrzeichen zurückkehren. Die Marzahn-Hellersdorfer CDU fordert mit einem Antrag in der Bezirksverordnetenversammlung den Wiederaufbau und will dafür sogar Fördermittel prüfen lassen. Dabei soll es ausdrücklich nicht darum gehen, einfach die alten Stelen möglichst originalgetreu nachzubauen. Bei einer Neugestaltung soll geprüft werden, „ob robustere, vandalismus- und witterungsbeständigere Materialien eingesetzt werden können“, wie es im Antrag der Bezirksverordneten Martina Patzwall aus Mahlsdorf heißt. Genannt werden unter anderem kesseldruckimprägniertes Hartholz oder optisch angepasste Kernmaterialien.
Gleichzeitig soll der Bezirk prüfen, ob Fördermittel für das Projekt eingeworben werden können, etwa aus Programmen zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur oder der Tourismusinfrastruktur. Dadurch könnte ein Teil der Kosten außerhalb des ohnehin angespannten Bezirkshaushalts finanziert werden.
Dass die Stelen heute fehlen, ist allerdings nicht allein eine Geschichte von morschem Holz und notwendiger Erneuerung. Über Jahre war der Berliner Balkon immer wieder Schauplatz von Vandalismus. Bereits 2020 berichtete „Alles Mahlsdorf“ über einen besonders massiven Vorfall: Vier der entlang des Weges stehenden Holzstelen waren zerstört und umgeworfen worden. Anwohner berichteten damals zudem von zunehmenden nächtlichen Treffen junger Menschen auf dem Berliner Balkon und an den Kaulsdorfer Seen. Dabei allein blieb es nicht. Die Holzelemente wurden immer wieder beschädigt und mussten teilweise ersetzt werden. Bis irgendwann die Frage gestellt werden musste, ob eine Reparatur überhaupt noch sinnvoll ist.
Dabei war der Ort ursprünglich mit erheblichem Aufwand gestaltet worden. Die Wege am Berliner Balkon waren 2004 für 900.000 Euro unter anderem mit EU-Mitteln angelegt worden; das Ensemble sollte den Aussichtspunkt aufwerten und ihm eine eigene Identität geben. Im Herbst 2022 war der Zustand der Stelen schließlich so schlecht, dass das Straßen- und Grünflächenamt handeln musste. Das Holzkunstwerk wurde vollständig abgebaut. „Wir vermissen unser Wahrzeichen“, schrieb damals eine Leserin an unsere Redaktion. Tatsächlich bot der Berliner Balkon nach dem Abbau ein ungewohnt leeres Bild. Neben den Holzstelen verschwanden auch die Sitzbänke. Übrig blieb vor leidglich der Wegweiser. Der Grund für den Abbau war nicht nur der Vandalismus. Die Verwaltung verwies auch auf die fortgeschrittene Baufälligkeit und die fehlende Standsicherheit. Der Zustand der Hölzer sei so schlecht gewesen, dass die Standsicherheit nicht wiederhergestellt werden konnte. Eine Reparatur war damit keine Option mehr. Eine schnelle Lösung gab es jedoch nicht. Das Bezirksamt verwies auf notwendige Planungs- und Ausschreibungsverfahren. Außerdem fehlten im laufenden Haushaltsjahr die entsprechenden Mittel. Damals hieß es aus dem Bezirk, man wolle versuchen, 2023 eine neue Holzkonstruktion zu planen und zu finanzieren. Daraus wurde nichts.
Ein neuer Aufbau müsste nicht nur gestalterisch zum Berliner Balkon passen. Er müsste auch der besonderen Situation vor Ort standhalten: Wind und Wetter, Feuchtigkeit, regelmäßige Nutzung und vor allem möglichen mutwilligen Beschädigungen. Nun liegt es an der BVV und dem Bezirksamt, ob aus dem Wunsch nach einem Comeback tatsächlich ein konkretes Projekt wird. Klar ist: Das Wahrzeichen ist verschwunden, die Erinnerung daran ist es nicht.





