Vorletztes Heimspiel: Eintracht Mahlsdorf trifft auf gefallenen Fußball-Riesen

Wenn bei Eintracht Mahlsdorf in diesen Tagen auf die Tabelle geschaut wird, dürfte die Erleichterung über das baldige Saisonende langsam größer werden. Die Schlussphase der Oberliga-Spielzeit verläuft für die Lilanen wechselhaft, mit Lichtblicken nur in kleinen Dosen. Sieg und Niederlage wechseln sich beinahe im Wochenrhythmus ab, Konstanz ist längst verloren gegangen. Nach dem enttäuschenden Heim-Remis gegen Tennis Borussia Berlin folgte zuletzt eine Niederlage bei TuS Makkabi Berlin. Und nun wartet am Sonntag das vorletzte Heimspiel der Saison, ausgerechnet gegen einen Verein, dessen Name einst zu den größten im deutschen Fußball gehörte: der FC Viktoria 1889 Berlin, zuletzt mit bewegter Vergangenheit rund um Bundesliga-Träume, chinesische Millionen und ein Insolvenzverfahren.

 

Anstoß ist um 14 Uhr auf dem Rosenhag. Viel Brisanz im sportlichen Sinne steckt nicht mehr in der Partie. Beide Mannschaften können befreit aufspielen, für beide geht es tabellarisch um nicht mehr. Mahlsdorf rangiert derzeit auf Platz 7, Viktoria ist Tabellenletzter. Und dennoch erzählt dieses Duell eine bemerkenswerte Geschichte über Anspruch, Absturz und verpasste Chancen.

 

Denn Viktoria Berlin ist ein gefallener Riese des deutschen Fußballs. Die Himmelblauen wurden 1908 und 1911 deutscher Meister, gehörten einst zur Elite des Landes. Noch vor wenigen Jahren spielte der Klub in der 3. Liga im Profifußball. Nun ist der Absturz endgültig besiegelt: Mit gerade einmal zwölf Punkten und bereits 100 Gegentoren in 27 Spielen steht der Abstieg in die Berlin-Liga fest. Keines der letzten neun Spiele konnte gewonnen werden, die letzten sieben verließ man als Verlierer (unter anderem mit einer 0:7-Klatsche gegen Lichtenberg) den Platz.

 

Dabei schien der Verein zwischenzeitlich von einer glanzvollen Zukunft zu träumen. Vor rund acht Jahren sorgte Viktoria bundesweit für Schlagzeilen, als zwei Investoren aus Hongkong, die Milliardäre Alex Zheng und Chien Lee (Gründer der größten Hotelkette Chinas) beim Traditionsverein einstiegen. Von einer hohen zweistelligen Millionensumme war damals die Rede, kolportiert wurden sogar rund 90 Millionen Euro. Die Visionen klangen gigantisch. Verantwortliche sprachen offen davon, sich mit Modellen wie Leipzig oder Hoffenheim zu vergleichen, langfristig in die Bundesliga vorzustoßen und vielleicht sogar eines Tages europäisch zu spielen. Sogar die Champions League schien in den Träumen plötzlich kein Tabu mehr.

 

Doch aus den ambitionierten Plänen wurde nichts. Die Investoren verabschiedeten sich binnen weniger Monate, die sportliche Entwicklung stagnierte. Und schließlich begann der tiefe Fall. Im vergangenen Sommer wurde gegen den Verein sogar ein vorläufiges Insolvenzverfahren vor dem Amtsgericht Charlottenburg eröffnet. Heute kämpft der Verein aus Lichterfelde nicht mehr um den Aufstieg, sondern um den Wiederaufbau.

 

Für Eintracht Mahlsdorf bietet die Begegnung trotzdem die Chance, der eigenen Saison zumindest einen versöhnlichen Schlusspunkt näherzubringen. Lange Zeit schnupperten die Mahlsdorfer an den oberen Tabellenrängen, inzwischen ist die Mannschaft bis auf Platz sieben zurückgefallen. Die starke Frühphase ist längst verblasst, doch gerade im vorletzten Heimspiel will das Team noch einmal zeigen, dass mehr in ihm steckt als die zuletzt schwankenden Leistungen. Vielleicht ist genau das die letzte große Motivation dieser Saison: sich selbst und den eigenen Anhängern zu beweisen, dass die Spielzeit nicht mit Frust und Ernüchterung enden muss.

Da waren die Vorzeichen noch anders. Im November 2021 spielte Eintracht Mahlsdorf im Achtelfinale des Berliner Pokals gegen den damaligen Drittligisten Viktoria Berlin, verlor vor rund 400 Zuschauern klar mit 0:5.

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